Artikel drucken Artikel kommentieren
Artikel bewerten [0.00/0]

Schach Die Großmeister sind zum Greifen nah

aw, vom 10.05.2018 00:00 Uhr
Julian Maisch Foto: z
Julian Maisch Foto: z

Kornwestheim - Die dritte Auflage des Grenke Chess Opens ging dieser Tage in Karlsruhe über die Bühne. Unter den über 1500 Teilnehmern waren auch sieben Kornwestheimer Schachspieler und begegneten der internationalen Konkurrenz beim größten Schachturnier Europas. In der A-Gruppe traten Nils Afonso, Danny Yi, Till Heer und Julian Maisch an. Die weiteren Teilnehmer aus Kornwestheim: Phil Afonso, Dieter Bauer und Oliver Handel. Sie spielten in der B-Gruppe mit. Das Besondere in der Karlsruher Schwarzwaldhalle: Neben dem offenen Turnier ermittelten gleichzeitig Top-Spieler um Weltmeister Magnus Carlsen in einem Einladungsturnier ihren Sieger. So konnten alle Teilnehmer in zumindest räumlicher Reichweite zur Weltspitze die eigenen Partien spielen. Zudem bot auch das Teilnehmerfeld des offenen Turniers mit über 60 Großmeistern und zahlreichen weiteren Titelträgern hohe Qualität.

Für Till Heer (Setzlistenplatz 636) begann das Turnier mit zwei Niederlagen. Anschließend gelangen aber ein Sieg und ein Remis. Die dramatischste Partie ergab sich in Runde 6. In einer druckvoll gespielten Partie erreichte Heer eine aussichtsreiche Stellung. Zudem verbrauchte sein Gegenüber sehr viel seiner Bedenkzeit, sodass diesem kurz vor dem Zeitaufschlag nur noch Sekunden verblieben. Doch auch der Kornwestheimer hatte nicht mehr viel Zeit übrig. In dieser angespannten Situation gelang es Heer nicht, den Vorteil zu verwerten. Die Partie kippte sogar. Nach dieser ärgerlichen Niederlage holte der Kornwestheimer in den drei verbleibenden Runden noch weitere 1,5 Punkte, am Ende wurden es drei Zähler.

Da der ausgeloste Kontrahent nicht zur Partie erschien, begann das Turnier für Julian Maisch (Startplatz 348) mit einem kampflosen Punkt. Das Auftaktspiel gab es somit in Runde 2 gegen einen starken rumänischen Spieler. Die Stellung entwickelte sich kompliziert. Nach einem Qualitätsopfer fand sein Gegenüber nicht die präziseste Verteidigung und Maisch ergatterte den vollen Punkt. Runde 3 und 4 liefen weniger erfolgreich. Gegen einen Internationalen Meister und einen Fide-Meister kassierte Maisch zwei Niederlagen. In Runde 5 war die Partie erneut am Rande der Pleite, allerdings gelang dem Kornwestheimer doch noch die Flucht ins Remis. Anschließend ging keine Partie mehr verloren. Einem vollen Punkt folgten abschließend drei Remisen gegen durchweg starke Gegner. Fünf Punkte und Platz 224 bedeuteten am Ende ein sehr gutes Ergebnis.

Danny Yi startete von Setzlistenplatz 527 ins Turnier. In den ersten Runden wechselten sich nominell stärkere und schwächere Gegner ab und genauso Sieg und Niederlage. Nach zwei gewonnenen und zwei verlorenen Partien gelang es dem Kornwestheimer Nachwuchsspieler in Runde 5 zum ersten Mal, dem höher gesetzten Gegner ein Remis abzuluchsen. Auch die nächste Gegnerin war in der Setzliste über dem Kornwestheimer platziert. Davon unbeeindruckt erspielte sich Yi bereits in der Eröffnung deutliche Vorteile. Das Endspiel verwertete er sicher zum Sieg. In Runde 7 wartete ein spanischer Kontrahent. In einer komplizierten Stellung war hier aber nichts mehr zu holen und Yi beendete mit guten 3,5 Punkten aus sieben Spielen das Turnier.

Aufgrund der sich direkt an das Turnier anschließenden württembergischen Jugend-Einzelmeisterschaft mussten die Kornwestheimer Jugendspieler die beiden Schlussrunden am letzten Turniertag auslassen. Dies galt auch für Nils Afonso. Von Setzlistenplatz 728 gestartet, hatte er es durchweg mit höher gesetzten Kontrahenten zu tun. Dabei gelang ihm in sieben Spielen zweimal ein Remis. In Runde 5 fehlte nicht viel zum Sieg. Allerdings war trotz einer vorteilhaften Stellung der Druck aufgrund niedriger Bedenkzeit sehr hoch. Beide Spieler hatten nur noch wenige Minuten und mussten ihre Züge sehr schnell ausführen. Dabei unterlief Afonso ein Fehler, der den Partieverlust bedeutete.

Phil Afonso startete als jüngster Kornwestheimer im B-Turnier. Hier ging es darum, gegen die nominell stärkeren Gegner Erfahrung und möglichst viele Punkte zu sammeln. Das klappte ausgezeichnet, denn in Runde 1 gelang sofort der erste Sieg. Auch von den drei darauffolgenden Niederlagen ließ sich der junge Kornwestheimer nicht entmutigen und erspielte anschließend zwei weitere Siege und ein Unentschieden. 3,5 Punkte aus sieben Partien bedeuteten ein starkes Ergebnis.

Oliver Handel (Startrang 107) musste in den ersten drei Runden lediglich einen halben Punkt abgeben. Dadurch hatte er sich bis an Brett 38 vorgearbeitet. In dieser Partie musste der Kornwestheimer dann seine einzige Niederlage im Turnierverlauf hinnehmen. Weitere zwei Punkteteilungen und ein Sieg bedeuteten nach sieben Runden gute 4,5 Zähler. Krankheitsbedingt konnte der Kornwestheimer Kreisligaspieler in den beiden Schlussrunden nicht mehr antreten.

Ebenfalls im B-Turnier startete Dieter Bauer (Startrang 229). Nach einem Auftaktsieg war die Niederlage in Runde 2 ein kleiner Dämpfer. Dass dies aber nicht weiter schlimm war, bewiesen die nächsten Runden. Mit zwei Remisen und zwei Siegen hatte sich der Kornwestheimer wieder weit nach vorne gespielt. Gegen den indischen Kontrahenten war in diesem Fall aber nichts zu holen. Ein Remis und ein Sieg in den beiden Schlussrunden bedeuteten am Ende trotzdem gute 5,5 Punkte und Platz 103.

Die A-Gruppe gewann sensationell der erst 13-jährige Vincent Keymer. Das deutsche Nachwuchstalent düpierte alle Favoriten und sicherte sich mit acht Punkten den Gesamtsieg und 15 000 Euro Preisgeld.