Schwimmen Trainiert wird schon vor der ersten Stunde

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Dimitra Dimaraki hat sportlich große Ziele, zum Beispiel Olympia. Foto: Yavuz Dural

Kornwestheim - Seit ein paar Tagen ist ein wichtiger Teil im Leben von Dimitra Dimaraki deutlich einfacher geworden: Die 18-jährige Leistungssportlerin vom Birkacher Schwimmerbund Schwaben hat die Auto-Führerscheinprüfung bestanden und ist nun bei der Ausübung ihrer großen Leidenschaft deutlich mobiler und unabhängiger. Statt auf komplizierten Wegen mit öffentlichen Verkehrsmitteln vom Wohnort Kornwestheim in die Schwimmbäder nach Plieningen, Untertürkheim und Bad Cannstatt zu gelangen, reicht in Zukunft Verhandlungsgeschick mit der Mama: „Ich hoffe, dass ich ab und zu ihr Auto bekomme. Ich habe noch keines“, sagt Dimitra Dimraki.

Acht bis zehn Trainingseinheiten – einige davon am frühen Morgen noch vor Unterrichtsbeginn – standen für das Nachwuchstalent vor den Saisonhöhepunkten im Juni und Juli pro Woche auf dem Plan. Gemeint sind damit die reinen Einheiten im Becken, mehrere Stunden beim Jogging oder im Kraftraum sind da noch nicht eingerechnet. „Ich habe als Kind auch Ballett gemacht, geturnt und mich mit Kickboxen versucht, habe mich dann aber für das Schwimmen entschieden, und da will ich noch einiges erreichen“, sagt die Kornwestheimerin. Sollte es eines Tages mit einer Teilnahme an einer Europa- oder Weltmeisterschaft klappen, dann würde sie über dem Badeanzug freilich nicht den Trainingsanzug der deutschen Nationalmannschaft tragen, sondern den der Griechen. „In meinem Sport bin ich mittlerweile perfekt ins hiesige System eingegliedert, im Moment habe ich aber nur den griechischen Pass“, sagt die Schwimmerin des Birkacher Traditionsvereins, die im Jahr 2000 in dem 40 000-Einwohner-Städtchen Drama – 350 Kilometer nördlich von Athen – zur Welt und vor fünf Jahren in die Region Stuttgart kam, weil der Vater hier einen Arbeitsplatz bekommen hatte.

Kurz vor dem Umzug ins Schwabenland wurde Dimitra Dimaraki in ihrer Altersklasse noch Zweite bei den griechischen Jugendmeisterschaften über 200 Meter Schmetterling. Diese Stilart (auch als Delfin bekannt) und diese Distanz sind heute noch die Favoriten der jungen Frau.

So war es auch kein Wunder, dass sie genau in jenem Wettbewerb, in dem der beste deutsche Schwimmer aller Zeiten, Michael Groß, einst Olympiasiege und Weltrekorde aufgestellt hat, vor zwei Wochen bei den (internationalen) deutschen Meisterschaften in Berlin ins Wasser durfte. Gemeldet war der Teenager, der zu den besten Schmetterlings-Schwimmerinnen in Württemberg gehört, mit einer Zeit von 2:21,53 Minuten und Platz 33 in der nationalen Jahresbestenliste. Ins Ziel gekommen ist Dimaraki, die beim SB Schwaben und beim SV Region Stuttgart in einer Trainingsgruppe mit Vanessa Grimberg (Olympiastarterin von Rio de Janeiro 2016) trainiert, auf Rang 19 nach den Vorläufen. Dass sie dabei ihre persönliche Bestmarke um fast acht Zehntel Sekunden auf 2:20,84 Minuten verbesserte, stellte die ehrgeizige Kornwestheimerin nicht wirklich zufrieden. „Mein Ziel war das Erreichen des B-Finales und der besten 16. Das habe ich um zwei Zehntel verpasst, weil ich die Startphase etwas verschlafen habe“, sagte der Schützling von Trainer Jan König durchaus selbstkritisch.

Im Verein gibt es nun eine vierwöchige Trainingspause bis Ende August. Deshalb geht es mit den Eltern erst einmal dreieinhalb Wochen auf Heimaturlaub nach Griechenland. Und im September beginnt auch in Sachen Ausbildung ein neuer Lebensabschnitt: Nachdem sie vor ein paar Wochen die Mittlere Reife an der Kornwestheimer Realschule bestanden hat, will die 18-Jährige nach den Sommerferien an der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule im Stuttgarter Osten Abitur machen. Wenn die Mutter die Schlüssel rausrückt, geht es auch dorthin künftig meist mit dem Auto und nicht mehr mit Bus, U- und S-Bahn.

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