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SportschießenDer Kampf mit Wackelbrücken und Platzregen

Lutz Selle, vom 11.06.2017 00:00 Uhr
In seiner Altersklasse auch im internationalen Vergleich vorne mit dabei: Harry Graf. Foto: z
In seiner Altersklasse auch im internationalen Vergleich vorne mit dabei: Harry Graf.Foto: z

Kornwestheim - Harry Graf ist gestern 63 Jahre alt geworden. Beim Schützenverband IPSC (International Practical Shooting Confederation) wird der Kornwestheimer daher bereits seit über drei Jahren in der Altersklasse Supersenioren gewertet, in der er schon dreimal Deutscher Meister in der offenen Klasse geworden ist. Diesen Titel könnte er am 22. Juli in Philippsburg bei Karlsruhe ein weiteres Mal verteidigen. Ende August will er dann auch noch bei der WM dabei sein.

In den vergangenen Wochen hat Harry Graf bei drei international besetzten Wettkämpfen erneut bewiesen, dass er nicht nur unter den über 60-Jährigen im nationalen Vergleich eine gute Rolle spielt. Der beruflich als Physiotherapeut tätige Kornwestheimer ist – wie er das seit 24 Jahren tut – wieder nach Wien aufgebrochen, um bei der SCW-Trophy teilzunehmen. 225 Bewegungsschützen aus 17 verschiedenen Nationen sind in diesem Jahr in Österreich am Start gewesen. In der offenen Klasse traf Harry Graf auf 50 Konkurrenten. Insgesamt sieben Teilnehmer der Open-Wertung waren über 60 Jahre alt. Unter ihnen ist Harry Graf Dritter geworden. „In den vergangenen zwei Jahren hatte ich die Supersenioren-Wertung in Wien gewonnen“, erzählt der nun 63-Jährige. Dass es diesmal nicht zum ganz großen Erfolg reichte, habe an einer „massiven Waffenstörung“ gelegen, die ihm bei der zweiten Übung eine Null-Punkte-Wertung bescherte. Patronen hatten sich im Magazin seiner Waffe verhakt.

Daher musste Harry Graf diesmal in der Endwertung der Supersenioren dem Deutschen Franz Schneider und dem Österreicher Alois Stampfl den Vortritt lassen. Es reichte dem Kornwestheimer in der Gesamtwertung über alle Altersklassen hinweg trotzdem noch zu Platz 25 unter den 51 Teilnehmern. Der Gesamtsieg in der offenen Klasse ging an den Slowaken Jan Pavlik. Zweiter wurde Lars Skoog aus Schweden, Dritter der Deutsche Luis Ehrhardt.

„Es war ein sehr anstrengender Wettkampf“, berichtet Harry Graf. Viele Hängebrücken seien aufgebaut worden, von denen aus auf die Ziele geschossen werden musste. „Es hat dabei doch sehr stark gewackelt.“ Auch viel Rennen sei bei dem Wettkampf im 70 Meter langen Gewölbekeller in Wien nötig gewesen. „Aber das ist meine Stärke“, sagt Graf.

Auch bei der Münchener Stadtmeisterschaft, die regelmäßig in Philippsburg ausgetragen wird, ist Harry Graf stets mit am Start. Bei der 15. Auflage der Wettkämpfe waren über 400 Teilnehmer dabei. In der Gesamtwertung aller Altersklassen in der offenen Klasse landete der 63-Jährige unter 71 Schützen auf Platz 28. In der Supersenioren-Wertung war es für ihn der fünfte Platz hinter dem Deutschen Oliver Winkler, dem Schweizer Bruno Betschart, dem Franzosen Alphonse Defgnee und dem Italiener Enzo Telese. „Ich war bei dem Wettkampf physisch sehr gut drauf“, sagt Graf, der aber erneut mit ein paar Magazinstörungen klar kommen musste. Münchener Stadtmeister wurde Nils Nothnagel.

Auch bei den Infinity Open, die ebenfalls in Philippsburg zur Austragung kommen, ist Harry Graf stets zu Gast. Diesmal traf er dort auf 427 Teilnehmer aus 24 Ländern, darunter auch Kanada, USA und Brasilien. 19 Übungen mit 365 Schuss hatten die Schützen über zwei Veranstaltungstage hinweg zu meistern. Am ersten Tag hatte der Kornwestheimer ein weiteres Mal mit Waffenstörungen zu kämpfen. Nach dem Austauschen der Munition verlief dann der zweite Tag störungsfrei. Dafür behinderte ihn starker Platzregen, als er an der Reihe war. „Ich musste starten und durfte nicht zehn Minuten warten, bis der Regen nachlässt“, erzählt der amtierende Deutsche Meister. Die Folge: „Auf der Optik der Waffe ist normalerweise ein roter Punkt zu sehen. Durch den Regen waren es fünf.“ Das sorgte mit für vier Fehlschüsse. „Und das hat mich den dritten Platz gekostet.“ Unter 18 Supersenioren kam der Kornwestheimer daher auf Platz 7, war aber immerhin hinter Oliver Winkler der zweitbeste Deutsche über 60 Jahren. In der Gesamtwertung aller Altersklassen steht Graf in der offenen Klasse auf Platz 49 von 102 Startern. „Und von insgesamt 29 Deutschen bin ich Achter geworden.“ Den Sieg sicherte sich Saul Kirsch (Niederlande) vor Nils Nothnagel und Lars Skoog.

„Mit meiner Leistung bin ich sehr zufrieden“, sagt Graf. Denn abgesehen von den vier Fahrkarten beim Platzregen leistete er sich in den 18 anderen Übungen nur zwei weitere Fehlschüsse.