Drittligist SV Kornwestheim Sieg wird wohl zur Niederlage

Von Andreas Hennings
Auf dem Spielfeld waren die Lurchis (links mit Peter Jungwirth) nicht zu bremsen. Am grünen Tisch könnten sie es aber sein. Foto: Archiv (avanti)

Es ist „nur“ ein falsch eingetragener Name auf einer Liste. Doch der dürfte dem SV  Kornwestheim in der Dritten Liga zwei Punkte kosten. Zwei Punkte, die er mit einer sportlich herausragenden Leistung erkämpft und erspielt hatte. 44:36 gewann er am Samstag das Derby gegen Oppenweiler/Backnang. Das Problem: Auf dem Spielberichtsbogen war der verletzte Torhüter Niko Henke aufgeführt. Stattdessen hätte Pascal Welz gemeldet werden müssen, der dann auch zum Einsatz kam. Laut Regularien darf ein Spieler nur auflaufen, wenn er auf dem Bogen steht. Ansonsten wird die Partie nachträglich mit 0:0 Toren und 0:2 Punkten gewertet. Genau dieses Szenario droht jetzt dem SV Kornwestheim. Der Verlust von zwei Punkten ist höchstwahrscheinlich.

Ausschlaggebend ist ein Vermerk des Gästevereins auf dem Spielberichtsbogen, dem der Fauxpas aufgefallen war. Mit dem behält der HCOB sich einen späteren Einspruch offen – informiert damit aber bereits automatisch die beim Deutschen Handball-Bund angesiedelte spielleitende Stelle. Die wird über den Fall entscheiden – unabhängig davon, ob Backnang/Oppenweiler Einspruch einlegen wird. 14 Tage hat der Verein dafür Zeit, die spielleitende Stelle dürfte aber schneller entscheiden. Denn laut Regelwerk ist die Sache klar: Dem SVK unterlief ein Fehler.

„Es war ein Übertragungsfehler des Wettkampfgerichts, der uns bei der Endkontrolle vor dem Spiel und während des Spiels nicht mehr aufgefallen ist“, redet Abteilungsleiter Andreas Postl auch nicht um den Brei herum. Heißt: Die falsche Eintragung wurde übersehen. So weit, so bitter. Was die SVK-Verantwortlichen aber fassungslos macht, ist die Tatsache, dass der sportlich klar geschlagene Gegner den Vermerk überhaupt notierte.

Der HCOB stelle sich als „unfairer Verlierer“ dar, heißt es in einer Mitteilung des SVK-Abteilungsleiters Andreas Postl, der daran erinnert, dass Gästetrainer Matthias Heineke am Samstag zum in der Höhe verdienten Sieg gratuliert hatte. In der sehr torreichen Partie hätten die Keeper auch „bestimmt keine entscheidende Rolle“ gespielt. Oppenweiler aber scheine in seinem Drang, unbedingt aufzusteigen zu wollen, jedes Mittel Recht zu sein, so Postl. „Wenn es sportlich nicht reicht, ist man sich nicht zu schade, es am grünen Tisch einzuklagen.“ Das Verhalten des HCOB sei schockierend.

Enttäuschung beim SVK ist riesig

Trainer Alexander Schurr ist enttäuscht. „Jeder, der in der Halle war, hat nur einen Gewinner gesehen.“ Jeder müsse selber wissen, ob er das macht oder nicht. Jeder interpretiere das Gewinnen und Verlieren anders. „Es hätte ausgereicht, hätte der Gegner während des Spiels den Schiedsrichter oder das Zeitgericht über den Fehler informiert. Dann wäre es umgetragen worden, wir hätten eine Gelbe Karte bekommen, und es wäre erledigt gewesen.“ Das aber passierte nicht. Es sei schade, so Schurr, dass der sportliche Erfolg so konterkariert werden kann. Man kenne sich ja auch neben dem Spielfeld gut. In seinen Überlegungen über die Außenwirkung, die der Vermerk – „zu dem man sich wahrscheinlich in der Enttäuschung hat hinreißen lassen“ – hat, denkt Schurr noch einen Schritt weiter: „Was ist das für ein Zeichen für die Werte, die wir mit unserem Sport verbinden und weswegen Kinder auch Sport, insbesondere Mannschaftssport, betreiben sollen? Fairplay bei Sieg, aber genauso in der Niederlage. Das kann ich bei dieser Aktion des HCOB leider nicht erkennen.“

Der SVK wartet nun auf die Begründung von Spielleiter Andreas Tiemann. Andreas Postl: „Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir uns verhalten hätten, wenn es andersherum gelaufen wäre. So in jedem Fall nicht!“ Man hätte Verständnis gehabt, wenn Pascal Welz das Zünglein an der Waage gewesen wäre. Selbst die Bälle, die er hielt, kamen mehrheitlich als Abpraller mit Torerfolg für den HCOB zurück. „Leider kann und wird der Spielleiter nicht nach moralischen Gründen entscheiden“, ahnt der Abteilungsleiter Böses. Der HCOB jedenfalls habe mit dem Einspruch „für uns eine rote Linie überschritten“.

Alexander Hornauer, Sprecher des HCOB, verweist auf Nachfrage darauf, dass es sich nicht um einen Einspruch handele, sondern man sich mit dem Vermerk, über den innerhalb kurzer Zeit entschieden werden muss, überhaupt die Möglichkeit offen hält, diesen später einzulegen. Das sei bislang nicht erfolgt. Klar sei aber, dass es Regeln gibt. Und es sei nun mal ein Fehler gemacht worden.

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