Fußball Die Fußballsaison ist vorbei

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Still ruht der Fußballplatz: Im Amateurbereich rollt coronabedingt kein Ball mehr. Foto: Pixabay

Kornwestheim -

Das Statement des SV Kornwestheim in den Sozialen Medien strotzt vor beißender Ironie. „Damit platzt der Traum von der Verbandsliga – jedenfalls vorerst“, schreiben die SVK-Landesligakicker zum Beispiel auf Facebook über die Annullierung der Fußballsaison im Amateurbereich bei Männern und Frauen. Immerhin sei es auf den Tag genau sechs Monate her, dass die Mannschaft als Verlierer vom Platz gegangen sei. „Eine beeindruckende Serie“, finden die SVKler.

Nun, in Zeiten wie diesen hilft diese Art von Humor vielleicht tatsächlich, die trübe sportliche Realität zu verarbeiten. Denn nur, um das klarzustellen: Der SVK befand sich seit Saisonstart mitten im Kampf gegen den Abstieg und steht nun, beim vorzeitigen Rundenende, in der 19er-Liga auf Kellerrang 17. Dass auf Absteiger verzichtet wird, kommt den Kornwestheimern daher gelegen. Dass es auch keine Aufsteiger gibt und der Mannschaft so die Chance auf die nächsthöhere Klasse abhanden kommt – ein kleiner Scherz.

Zurück zum Ernst der Lage. „Es ist die sinnvollste Entscheidung“, sagt SVK-Trainer Sascha Becker, „das habe ich schon vor acht Wochen und auch schon vor drei Monaten gesagt.“ Es sei daher schade, dass es so lange gedauert habe, bis sich der Württembergische Fußballverband (WFV) zu dem Schritt durchgerungen habe. Becker vermutet, dass es noch eine Weile dauern werde, bis sich wieder mehrere Menschen zum offiziellen Training auf einem Fußballplatz versammeln können. „Vielleicht Anfang der Sommerferien“, lautet seine Prognose. Generell sei die Situation „immer noch zäh, sehr zäh, weil allen ein Fixtermin fehlt, auf den man hinarbeiten kann“. Positiv sei hingegen, dass es für alle Betroffenen endlich Planungssicherheit gebe.

SV Pattonville

Die größten Pechvögel finden sich beim SV Pattonville. In der Saison 2019/2020, die ebenfalls aufgrund der Corona-Pandemie abgebrochen worden war, blieb dem A-Ligisten auf Rang 2 die Aufstiegsrelegation versagt. Damals wehrte sich der Verein gemeinsam mit zahlreichen weiteren Betroffenen, stellte sogar einen – am Ende erfolglosen – Antrag beim Verband. Nun steht das Team abermals auf dem zweiten Platz und schaut schon wieder in die Röhre. „Damit hat man aber rechnen müssen“, sagt SVP-Präsident Michael Uhse. Er bringt eine Variante ins Spiel: „Vielleicht hätte man die Saison im Herbst weiterspielen können. Wer weiß, wie es mit Corona weitergeht. Am Ende wäre man noch froh über weniger Spiele gewesen.“

Drita Kosova

Eher weniger Klagen kommen vom Bezirksligisten Drita Kosova Kornwestheim. Das Team steht nach acht absolvierten Spielen punktlos am Ende des Tableaus, darf nun aber trotzdem in der Liga bleiben. Duplizität der Ereignisse auch hier: Schon in der Vorsaison war Drita Tabellenschlusslicht und blieb drin, da schon damals auf Absteiger verzichtet wurde.

TDSV Kornwestheim

Ein Profiteur vom Saisonabbruch im vergangenen Sommer war auch der TDSV Kornwestheim. Als der Schnitt gemacht wurde, lagen die Kornwestheimer an der Tabellenspitze der Kreisliga B1 und gingen nach der Quotientenregelung in die A-Klasse. Dort hatten sich die Aufsteiger pudelwohl gefühlt: Für den Tabellensiebten war das obere Tabellendrittel der Kreisliga A1 in Sichtweite, die Verantwortlichen wären gerne noch ein paar Plätze geklettert. Ohnehin sei das Verständnis für das Fußballverbot für die Amateurverein nicht gerade groß. „Wenn man sich auf den Bolzplätzen umschaut, wird dort immer noch gekickt. Dass wir als organisierter Sport jetzt nicht mehr spielen dürfen, tut schon weh“, sagt Azmi Simsek, 2. Vorsitzender des TDSV.

TSC Kornwestheim

Ein Fünkchen Hoffnung, dass es zumindest für eine Beendigung der Hinrunde reichen kann, herrschte bei den Verantwortlichen des TSC Kornwestheim für einige Tage. „Als die Inzidenz vor ein paar Wochen unter 50 gefallen ist, haben wir kurz gedacht, dass es vielleicht noch einmal klappen könnte“, sagt Hakan Ayan, Vorsitzender des TSC. Mit steigenden Infektionszahlen und dem Auftreten der Mutanten sei beim A-Ligisten aber klar gewesen, dass es keine Alternative zum Abbruch gebe.

Was bleibt nun für die Mannschaften? Die SVK-Kicker formulieren auf Facebook: „Nur der Blick nach vorne! Mund abwischen, Kopf hoch und nächste Saison wieder angreifen!“ Und man schließt mit einem weiteren Witzchen: „Aus dem Umfeld der Funktionäre wollen auch die Gerüchte um eine Stadionuhr nicht abklingen.“ Eine solche hatte der Hamburger SV einst aufgehängt, um die Jahre seiner Erstliga-Zugehörigkeit zu zählen. Und der SVK geht nun auch schon in seine dritte Landesligasaison hintereinander.

 
 

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