Fußball Keine guten Ratschläge zum Abschied

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Engagement für den SVK: Daniel Biedermann als Trainer (oben) und als Kapitän, der im Jahr 2012 ein Tor bejubelt. Foto: Archiv/Horst Dömötör, Pressefoto Baumann

Kornwestheim - Am 18. Mai des Jahres 2006, also vor strammen 14 Jahren, hieß es im großen Sport-Aufmacher der Kornwestheimer Zeitung:

„Den von der Ludwigsburger Verteidigung abgewehrten Ball nahm Muammer Dülger 20 Meter vom Tor entfernt auf und drosch ihn an die Torlatte. Beim Abpraller stand Momo Vazquez goldrichtig, flankte auf den vorgestürmten Libero Daniel Mücke, und der vollendete mit einem schulmäßigen Kopfball direkt in den Torwinkel zum 1:0.“

Das Bezirkspokalfinale, dessen 13. Minute die beschriebene Szene entstammt, gewann der damalige FV Kornwestheim gegen die Ludwigsburger Zweitvertretung glatt mit 4:0 und verteidigte damit seinen Titel. Randnotiz: Im Tor der Barockstädter stand ein gewisser Sascha Becker, heute Trainer des SVK-Landesligateams.

Nun soll es hier aber um den Torschützen gehen, um den Mann, der heute nicht mehr Mücke, sondern Biedermann heißt – und der seine gesamte fußballerische Laufbahn in Kornwestheim verbracht hat. Zuletzt war er fünf Jahre lang als Coach der zweiten Mannschaft tätig. Jetzt macht er Schluss, aus privaten sowie beruflichen Gründen gleichermaßen. Seit dem 1. April hat er eine neue Arbeitsstelle und viel zu tun, zudem will er mehr Zeit mit seinem inzwischen acht Monate alten Sohn verbringen. „Bei der ganzen Unsicherheit, die momentan überall herrscht, braucht es viel Flexibilität“, sagt Biedermann, „und die konnte ich nicht garantieren.“ Familie, Job, Corona – mit Blick in die Zukunft wurde das zuviel. Ein Nachfolger ist bereits gefunden: Der bisherige Co-Trainer Dominik Kindermann übernimmt.

Nun tritt da aber nicht irgendein Spieler oder Trainer ab. Mit dem Begriff „Vereinslegende“ sollte man grundsätzlich vorsichtig umgehen. Oft reichen ein bis zwei gute Spielzeiten oder ein entscheidendes Tor, schon kommt jemand mit dem Begriff um die Ecke. Bei Daniel Biedermann war es jedoch viel mehr als dieser eine Treffer im Pokalfinale. Der Mann, der übermorgen seinen 41. Geburtstag feiert, galt beim FVK und später SVK stets als Vorbild, als Integrationsfigur, als Anführer – und wenn für so einen das Wort „Legende“ verwendet wird, dann soll es eben so sein.

2000, im Jahr seines Abiturs, kam Biedermann in den Aktivenbereich des FVK. Zuvor hatte er die dortigen Jugendteams durchlaufen. Seine allererste Runde hatte er aber noch in der F-Jugend der ESG absolviert. Bei den Aktiven reifte er schnell zum Führungsspieler, trug viele Jahre die Kapitänsbinde und führte Regie in der Defensivzentrale. Unter anderem durfte er sich über zwei Bezirkspokalsiege sowie den Aufstieg in die Landesliga freuen. Im Sommer 2015 rückte er dann ins zweite Glied, übernahm als Spielertrainer die Reserve in der Kreisliga A und coachte sie fünf Jahre lang.

„Mit viel Engagement und Zeitaufwand hat er seine Erfahrungen, sein Können und sein Wissen an die jungen Spieler weitergegeben“, lobt SVK-Fußballabteilungsleiter Uwe Sülzle zum Abschied. Biedermann sei ein Garant dafür gewesen, „dass sich die Abteilungsleitung über die sportliche Entwicklung bei den Herren 2 keine Sorgen machen musste“. Auch abseits des Sportplatzes habe sich Biedermann zielbringend in das Alltagsgeschehen der Abteilung eingebracht.

Sülzles Aussagen kommen dem recht nahe, was Biedermann sowohl als Spieler als auch als Trainer stets wichtig war: „Im Fußball lernt man sehr viel für's Leben“, sagt er, „im Beruf zum Beispiel erschreckt einen dann nicht mehr so viel.“ Fußball sei viel mehr als Gewinnen oder Verlieren. „Man wächst daran, wenn man sich etwas erarbeitet.“

Nun ist Feierabend – erst mal. „Mein Leben wird sicher nicht langweiliger“, betont Biedermann. Zumal er sehr wohl ab und zu bei den Partien seiner ehemaligen Schützlinge vorbeischauen werde. „Aber es wird jetzt auch schön sein, die Sonntage mal zuhause zu verbringen.“ Und irgendwann, ja irgendwann könne er sich dann auch wieder ein Engagement in Sachen Fußball vorstellen, wie auch immer das dann aussehen mag.

Sein Nachfolger blickt ebenfalls auf eine jahrelange Geschichte beim SVK zurück. Dominik Kindermann verbrachte seine Jugend- sowie Aktivenzeit bei FV und SV Kornwestheim. Dem bisherigen spielenden Co-Trainer wird Güven Üven assistierend zur Seite stehen. Auch er darf gut und gerne als Kornwestheimer Urgestein gelten.

„Gute Ratschläge gebe ich aber sicher keine“, so Biedermann, der sich per Videochat von seiner Mannschaft verabschiedet hat. Ein Abschiedsfest steht noch aus. Er sei jetzt einfach gespannt, welche frischen Ideen das neue Gespann einbringe und wie die Mannschaft in Zukunft aussehen werde.

Bei seinen Besuchen als Zuschauer wird er sich das sicher genau anschauen. „Und vielleicht werde ich auch mal einen lautstarken Kommentar abgeben.“ Nur ist dabei Vorsicht geboten: Wie man hört, ist Davide Nicolazzo, Verwalter der SVK 2-Mannschaftskasse, bei Strafen wegen Motzens schnell mit dem Quittungsblock zur Hand. Und gerüchteweise macht er auch vor Vereinslegenden nicht Halt.

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