Fußball Kornwestheimer Reaktion: Kritik und Ängste

Von
Wie geht’s weiter? Abschließend geklärt ist das für den SVK und Stürmer Dominik Janzer (rechts) noch nicht. Foto:  

Kornwestheim - Der Vorschlag ist einstimmig und eindeutig: Die drei Fußball-Landesverbände in Baden-Württemberg – der Badische Fußballverband (BFV), der Südbadische Fußballverband (SBFV) und der Württembergische Fußballverband (WFV) – sprechen sich in den Verbandsgremien einhellig für die Beendigung der Saison 2019/20 zum 30. Juni aus. Das teilten die Verbände am Vormittag des gestrigen Dienstags mit. Gelten soll dies in allen Spielklassen der Herren und der Frauen von den Verbandsligen bis zu den Kreisligen.

„Die Beschlüsse erfolgten, nachdem die Bund-Länder-Konferenzen vom 30. April und 6. Mai 2020 keine Rechtslage für eine Rückkehr in den regulären Spielbetrieb in absehbarer Zeit erkennen lassen“, heißt es weiter in der ausführlichen Stellungnahme. Es bestehe das Risiko, Aufsteiger erst zu einem Zeitpunkt ermitteln zu können, zu dem übergeordnete Spielklassen bereits den Spielbetrieb der Saison 2020/21 begonnen hätten – falls die Unterbrechung mehrere Monate dauere.

Zudem sei eine Transferperiode vom 1. Juli bis 31. August vorgesehen. „Es bestehen erhebliche rechtliche Bedenken, ob diese geschlossen werden kann, sodass gravierende Veränderungen der Mannschaftskader zu erwarten sind“, schreibt der WFV. Zumal Verträge mit Spielern, die bis zum 30. Juni befristet seien, zwar gegebenenfalls um ein paar Wochen verlängert werden könnten. Was danach passiere, sei jedoch vollkommen unsicher.

Kurzum: Der WFV sieht keine fairen Wettbewerbsbedingungen mehr.

Es wird, nach dem Willen der Verbände, nur Aufsteiger und keine Absteiger geben. Die Aufsteiger sollen anhand einer Quotientenregelung ermittelt werden: Gewinnpunkte geteilt durch ausgetragene Spiele. So wurden beispielsweise bereits die abgebrochenen 3. Ligen im Handball gewertet. „Berücksichtigt werden sollen auch Spiele, über deren Wertung bis zum 30. Juni sportgerichtlich rechtskräftig entschieden ist“, heißt es vom WFV. Meister und direkter Aufsteiger ist die Mannschaft mit dem höchsten Quotienten. Und: Es steigt in diesem vorgestellten Modell nur der Erste auf.

Diese geplante Regelung stößt Michael Uhse sauer auf. Der Grund: Der SV Pattonville, dessen Präsident Uhse ist, steht in der Kreisliga A 1 auf dem zweiten, dem Relegationsplatz. „Da hätte ich mit einer anderen Entscheidung gerechnet“, sagt er. Diese Einschätzung werde man auch in der Rückmeldung an den WFV formulieren.

Doch der WFV hat für diesen Kritikpunkt in seinem Antrag bereits einen Passus formuliert: „Eine Platzierung, die zur Teilnahme an Relegations- oder Aufstiegsspielen berechtigt, bedeutet nur eine Aufstiegschance.“ Ob aus dieser Aufstiegschance ein Aufstiegsrecht erwachse, könne aber aus rechtlichen Gründen sportlich nicht ermittelt werden. „Zudem ist auch nicht ersichtlich, wie anhand anderer sportlicher Kriterien einem von mehreren Vereinen so ein Aufstiegsrecht zugesprochen werden könnte.“

Doch SVP-Präsident Uhse ist noch nicht fertig mit seiner Schelte. Er moniert überdies den Fakt, dass sich die Verbände erst jetzt an ihre Mitgliedsvereine wenden. „Das hätte man, wie in anderen Bundesländern, viel früher machen können.“

Dass es keine Absteiger gibt, kommt den Pattonvillern hingegen zupass. Die Zweite steht in der Kreisliga A 3 auf dem 13. Rang und damit auf einem Abstiegsplatz. „Natürlich ist das toll für die Mannschaft“, so Uhse, „aber ich hätte es dem Team auch sportlich zugetraut, in der Liga zu bleiben.“

Einer größeren Sensation gleichgekommen wäre hingegen der Klassenverbleib des SC Drita Kosova Kornwestheim in der Bezirksliga. Auf Rang 16 abgeschlagen Letzter, darf der Aufsteiger aus dem vergangenen Jahr nun ein weiteres Jahr dranhängen. „Wir feiern den Klassenerhalt“, sagt Vereinssprecher Spetim Muzliukaj nicht ohne Ironie – schiebt aber sogleich nach, dass man sehr wohl noch Hoffnung gehabt habe, das Ruder auch sportlich noch herumreißen zu können. Unterm Strich gehe die Gesundheit jedoch vor, „und der Klassenverbleib war total uninteressant, da hat bei uns keiner dran gedacht in den vergangenen Monaten“. Dass es Aufsteiger gibt, befürwortet Muzliukaj. „Wie genau das geregelt wird, ist Sache des WFV.“ Alle könne man aber sicher nicht zufriedenstellen.

Beim Landesligisten SV Kornwestheim geht man mit dem Antrag des WFV d’accord – Trainer Sascha Becker warnt jedoch eindringlich: „Wenn es nur Aufsteiger gibt und keine Absteiger, werden die Ligen größer.“ Das könne in den Folgejahren nur mit einem verschärften Abstieg ausgeglichen werden. „Da hätte ich aber die Bitte an den Verband, das nicht in nur einem Jahr zu machen“, so Becker. Denn die Konsequenz könnte eine Liga mit vielleicht sieben Absteigern sein, wenn entsprechende Vereine von oben kommen sogar noch mehr. „Wenn man das dann über zwei oder drei Jahre streckt, wäre es vernünftig“, so Becker.

Eine weitere Möglichkeit aus Sicht des SVK-Trainers wäre, die Landesligen generell auf jeweils 18 Mannschaften aufzustocken. „Das würde die ganze Sache entzerren. Und die vier Spiele mehr in der Saison, die würden wir auch noch hinkriegen.“

Grundsätzlich befürwortet er aber den Plan, die Saison zu beenden. „Alles andere hätte nichts mehr mit Fußball zu tun.“ Das Fehlen der Absteiger erklärt sich Becker mit „juristischen Gründen“. Er gesteht: „Ich glaube, wir würden uns genau so beschweren, wenn es uns bei einem Saisonabbruch als Absteiger erwischen würde.“

Im Falle des WFV wird sich nun der Verbandsbeirat am Freitag, 15. Mai, mit dem Vorschlag befassen, der Verbandsvorstand entscheidet dann bis zum 20. Mai, – allerdings erst nach Anhörung der Mitgliedsvereine. Das letzte Wort haben die Delegierten der Vereine bei einem Außerordentlichen Verbandstag, gegebenenfalls auch ohne Versammlung. Dabei soll es auch die Möglichkeit geben, für eine Saisonfortsetzung vom 1. September an zu stimmen.

Artikel bewerten
0
loading
 
 

Sonderthemen