Fußball TSC-Spieler rassistisch beleidigt?

Von Marius Venturini und Andreas Klingbeil
Enes Kalan (rechts): Nach seiner Gelb-Roten Karte kochen die Emotionen zusätzlich hoch. Foto: Archiv/Horst Dömötör

Kornwestheim - Am Sonntagabend ploppte die Meldung auf Facebook auf. „Rassistische Zurufe sowie Beleidigungen gegen den TSC Kornwestheim“, vermeldete der Verein in dem sozialen Medium. Anhänger und Vereinsmitglieder der SpVgg Mönsheim sollen am Sonntagnachmittag beim Fußballspiel in der Kreisliga A (Endstand: 2:2) Akteure der Gäste als „scheiß Ausländer, scheiß Türken und Kümmeltürken“ bezeichnet und sie aufgefordert haben, „in euer Land“ zurückzugehen.

Allein diese Vorwürfe wiegen schwer, sodass der Türkische SC eine Stellungnahme beim Württembergischen Fußballverband abgeben wird. Doch sind es noch weitere Faktoren, die etwa den TSC-Trainer Erkan Kilic beschäftigen. So berichten sowohl der Coach als auch der Abteilungsleiter Sadik Güngör auf Nachfrage, dass ein Mönsheimer Funktionär versucht haben soll, den Vorfall nach dem Spiel herunterzuspielen. „Sollen wir direkt danach zur Tagesordnung übergehen?“, fragt Kilic. „Wenn wir das einfach tolerieren, brauchen wir in Zukunft erst gar nicht mehr anzutreten.“

Im lautstarken und hitzigen Wortgefecht zwischen TSC-Spielern und dem Mönsheimer Anhang seien nach Abpfiff zudem Argumente wie „Ihr beleidigt während des Spiels ja auch“ vorgebracht worden. „Wir sind keine Unschuldslämmer, ganz klar“, sagt Kilic und sträubt sich gegen die Opferrolle. „Und bei unseren Heimspielen läuft sicher auch nicht alles supertoll ab.“ Aber solche rassistischen Ausdrücke, solche Wörter zu jungen Männern, die teilweise in zweiter oder dritter Generation in Deutschland seien – „das tut mir sehr weh“.

Auch, dass der Unparteiische keinen Ordner kontaktiert habe, als er vom TSC-Spieler Gennaro Vasile – übrigens Italiener – auf die Zwischenrufe hingewiesen worden sei, kann Kilic nicht nachvollziehen. Nach einer Gelb-Roten Karte für den TSC-Mann Enes Kalan wegen eines Foulspiels habe Kornwestheims Vasile bei der folgenden Diskussion damit gedroht, aufgrund der Zurufe geschlossen mit dem Team das Feld zu verlassen. Aber schließlich gab es doch noch den Hinweis des Schiedsrichters in Richtung der Zuschauer, die Beleidigungen zu stoppen.

Kilic betont explizit, dass er absolut keinen Groll gegen Mönsheimer Spieler oder deren Trainer Antonio Evangelista hege. Der TSC-Coach ist schon lange im Geschäft, es waren nicht die ersten rassistischen Zwischenrufe, mit denen er konfrontiert wurde. „Es ist leider kein Einzelfall“, sagt er. Was er dennoch überhaupt nicht gutheißt, sind Kommentare auf Facebook á la „Wir erwarten euch im Rückspiel“. „Was soll denn das?“, fragt er.

Roland Borzer hat von den Rufen aus den Zuschauerreihen nichts mitbekommen. „Wenn das tatsächlich so war, dann bedauern wir das außerordentlich“, sagt der Mönsheimer Fußball-Abteilungsleiter. „Wir werden da nachhaken, ganz klar. Und wir werden uns in einem Schreiben bei den Kornwestheimern entschuldigen“, kündigt er an. Was allerdings nach dem Spiel vorgefallen sei, sei genauso wenig zu tolerieren. „Da war ein Geschrei und ein Geschucke. Es wäre beinahe eskaliert“, sagt Borzer, der Drohungen von Kornwestheimer Spielern gegenüber Zuschauern („Ich brech’ euch alle Knochen!“) mitbekommen hat.

Der stellvertretende Vereinsvorsitzende der SpVgg Mönsheim, Lazar Bajcetic, gibt an, nach dem Abpfiff versucht zu haben, die Gemüter auf beiden Seiten zu beruhigen. Gelungen ist ihm das nicht. Genau gehört habe er es auch nicht, aber es sei wohl der Begriff „Scheiß-Ausländer“ gefallen. Bajcetic war in dieser Saison das erste Mal auf dem Sportplatz. So schnell zieht ihn nun nichts mehr dorthin. „So macht das einfach keinen Spaß. Vor allem, wenn dann gleich immer die Rassisten-Keule angesetzt wird“, sagt der in Leonberg geborene Sohn serbischer Eltern. „Die TSC-Spieler waren von Beginn an sehr aggressiv und haben so ziemlich jeden beleidigt. Wenn sich jeder ein bisschen zusammenreißt, wäre nichts passiert.“