Fußball Von Blau zu Schwarz-Gelb

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Hat in Pleidelsheim schon Erfolge erzielt: Roberto Raimondo. Foto: z

Kornwestheim - Auf der Suche nach den echten Fußball-Urgesteinen des SVK, nach denen, die sich für kaum etwas zu schade waren, stößt man unweigerlich auf den Namen Roberto Raimondo. Der war Spieler, Abteilungsleiter, Jugendleiter, Aktiventrainer, Jugendtrainer, die Liste ist lang. Aber was macht der 47-Jährige eigentlich gerade so? Denn: Beim SVK ist er nicht mehr. Vielmehr geht er nun in sein drittes Jahr als Trainer des A 1-Ligisten GSV Pleidelsheim.

Und als solcher hat er nach wie vor Berührungspunkte mit seinem Herzensverein – und in Person von Daniel Biedermann sogar mit seinem direkten Nachfolger als Coach der zweiten SVK-Mannschaft. „Er ruft mich immer noch ‚Coachie’, ich sage zu ihm ‚Käpt’n’“, erzählt Raimondo und lacht. Er sitzt an seinem Schreibtisch in der Versicherungszweigstelle, die er gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Roland Schaible betreibt. Vor ihm steht eine Kaffeetasse mit Borussia-Dortmund-Wappen. „Ich habe aber eine Dauerkarte für den VfB“, versichert er. Als der noch erstklassig war, „gab es eben immer zwei Spiele, in denen er nicht gewinnen durfte“. Ob seine Vorliebe für die Borussen mit dafür verantwortlich ist, dass es ihm in Pleidelsheim nun so gut gefällt? Immerhin trägt der GSV ebenfalls Schwarz und Gelb. Und der SVK kommt mit seinem Blau dann doch eher daher wie ein gewisser Club aus Gelsenkirchen.

Reine Spekulation. „Ich hätte aber tatsächlich nicht gedacht, dass ich mich dort so pudelwohl fühle“, gesteht er. Der Abschied aus Kornwestheim, von seinem SVK, sei sehr schwer gewesen. „Das ist einfach meine Heimat, da kann man nichts machen.“

Raimondo, geschieden, zwei Kinder, begann 1978 seine fußballerische Laufbahn bei der ESG, bis 1992 wurde er dort Meister in der E-, C- und A-Jugend. Von 1992 bis 1994 spielte er beim TV Kornwestheim, danach machte er bis zum Jahr 2002 hunderte Bezirksligaspiele für den FVK.

Es folgte ein zweijähriges Gastspiel in Schwieberdingen in Landes- und Verbandsliga, bevor sich Roberto Raimondo in Richtung Übungsleiterdasein orientierte – 2004 zunächst als Spielertrainer beim TVK, danach als Coach des SVK-Bezirksligateams. Ab 2007 kamen vier Jahre als Trainer des FV Zuffenhausen hinzu, 2011 übernahm Raimondo den SVK 2. Bereits zuvor war er in Kornwestheim Jugendleiter gewesen, von 2012 bis 2015 erst Vize-, dann Abteilungsleiter. Von 2015 bis 2017 trainierte er die Kornwestheimer A-Jugend und stieg mit ihr im zweiten Jahr in die Bezirksstaffel auf. „Das war natürlich der Hammer, sich so zu verabschieden“, sagt er.

Die Jugendarbeit beäugt Raimondo auch durchaus kritisch. „Die Jugendlichen haben heutzutage viele andere Interessen“, sagt er, „wir waren damals Kicker durch und durch.“ Dass Vereine heute im Nachwuchsbereich in Spielgemeinschaften antreten müssten, sei auf gewisse Art und Weise traurig. Wie der SVK, der seit dieser Saison gemeinsame Sache mit dem FC Remseck-Pattonville macht, braucht auch der GSV Pleidelsheim einen Partner: den TuS Freiberg.

Mittlerweile macht Raimondo den Eindruck, als habe ihm die Luftveränderung gutgetan. „Wir haben eine super Truppe beieinander“, bekräftigt er, „und jetzt kommen noch sechs Junge aus der A-Jugend dazu.“ Der Verein sei zwar stets gewillt, aufzusteigen. „Aber ich glaube, das ist noch zu früh.“ Erfahrung sammeln sei nun erst mal angesagt für viele seiner Akteure. „Außerdem fehlt uns halt einer wie Dominik Janzer.“

Den Toptorschützen der ersten SVK-Mannschaft sieht Raimondo quasi jeden Tag – nur fußballerisch hilft das seinen Pleidelsheimern nicht wirklich weiter. Janzer arbeitet in Raimondos Agentur, genau wie bald der Kornwestheimer Mittelfeldmann Marvin Porubek und auch Philipp Heidenreich. Letzterer galt für Raimondo lange als großes Talent auf der Position des Außenverteidigers, spielte bei ihm auch in der A-Jugend und schaffte danach den Sprung zu den Aktiven. Doch verletzungsbedingt musste der junge Mann einen Schlussstrich unter seine Laufbahn ziehen. „Er ist aber immer noch Teil der Mannschaft, die nehmen ihn überall hin mit. Auch diese Kameradschaft habe ich immer geschätzt beim SVK“, sagt Raimondo.

So würde er auch niemals auf die Idee kommen, einen Spieler aus Kornwestheim abwerben zu wollen. „Wenn sich ein Spieler von selbst anbietet, ist das aber was anderes.“ So fand Lars Siemens einst den Weg nach Pleidelsheim, auch der ehemalige Zweiten-Kapitän Dominic Booch kickt mittlerweile beim GSV. Mit Tolunay Aydin tummelt sich ein weiterer Ex-SVKler dort. Sie alle fanden, wie Raimondo, den Weg von Blau zu Schwarz-Gelb.

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