Gerlingen Auf den Spuren der Vorfahren

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Die Ärchäologen ziehen für die erste Erkundung Furchen in den Boden. Foto: factum/Granville

Gerlingen - Es sieht aus wie ein riesiges Feld von Maulwurfshügeln. Erdhaufen reiht sich an Erdhaufen auf dem Ackergelände zwischen der Ditzinger, der Diesel-, der Siemens- und der Kupferwiesenstraße in Gerlingen. Hier soll einmal das Neubaugebiet Bruhweg II entstehen. Zuvor aber untersuchen Archäologen das Gelände. Das Landesdenkmalamt hat eine „Rettungsgrabung“ bis zum Ende des Jahres vorbereitet – und hofft auf Jahrtausende alte Funde aus der Steinzeit.

Seit einigen Tagen sind mit Baggern lange Bahnen in die Äcker gezogen worden. Darin suchen Fachleute nach Spuren früheren Lebens. „Wir nehmen eine Sondage vor“, erklärt Christian Bollacher vom Landesamt für Denkmalpflege (LDA). Das Gelände sei seit den 1950er Jahren „eine altbekannte Fundstelle“. Das LDA geht bei solchen großen Flächen immer in zwei Stufen vor: Zunächst werden „Sichtungsschlitze“ gegraben. Das heißt, die damit beauftragte Fachfirma zieht mit einem Bagger lange Furchen von gut einem Meter Breite und 40 bis 50 Zentimetern Tiefe – diese reichen also knapp unter die Erdschicht, die der Landwirt bearbeitet. Diese Ebene kurz unter der Erdoberfläche wird dann gesichtet – die Fachleute schauen also, ob sie zum Beispiel Reste von Häusern oder Keramik finden.

Diese Arbeit dauere vier bis sechs Wochen, erklärt Bollacher. Danach entscheiden die Archäologen, welcher Teil des Geländes näher untersucht wird. „Es zeichnet sich ab“, meint der Fachgebietsleiter, „dass eine Rettungsgrabung stattfinden muss.“ Wenn die Fachleute dafür das ganze Jahr hätten, nütze das sehr. Einen genauen Zeitplan gebe es aber noch nicht. Man wolle einen Teil des Geländes rasch wieder an die Landwirte abgeben, welche die Äcker bewirtschaften. Das sind Martin Maisch und Thomas Höschele aus Gerlingen. „Wenn wir spätestens bis Ende März die Fläche wiederhaben“, meint Maisch, „können wir darauf noch für dieses Jahr Kleegras aussäen .“

Archäologen sind gespannt

Die Archäologen sind gespannt, was sie auf dem anderen Teil des Geländes finden. Die Grabung werde sich auf jeden Fall lohnen, meint Bollacher. Er und seine Kollegen erhoffen sich „neue Erkenntnisse aus der mittleren Jungsteinzeit“. Auf dem Areal sei in der Vergangenheit schon Etliches aus dieser Zeit gefunden worden.

Daran wesentlich beteiligt war Werner Schmidt, ein ehrenamtlicher Beauftragter des Landesdenkmalamtes. Viele Stellen in Gerlingen hat er selbst immer wieder besichtigt. Eine der größten Grabungsstellen war Anfang der 1970er Jahre im Bergheimer Weg, wo das Breitwiesenhaus entstand. Damals seien ganze Hausgrundrisse aufgetaucht, erinnert sich Schmidt.

Am Bruhweg hat er selbst schon viele Dinge zufällig gefunden – darunter Überreste eines Menschen. Es war etwa 100 Meter von der Ditzinger Straße entfernt, erinnert er sich, als er Knochen auf einem bearbeiteten Feld sah. Zuvor hatte der Pflug eines Bauern zufällig das jahrtausendealte Grab eines Kindes freigelegt. Zusammen mit Kurt Maier legte Schmidt das Grab frei. Etliche Jahre zuvor hatte Maier Werner Schmidt für die Archäologie gewonnen. „1968 suchte er Grabungshelfer“, erinnert sich Schmidt, „und ich habe mich gemeldet.“ Er wurde engagiert („für vier Mark die Stunde“) – und blieb 50 Jahre lang ehrenamtlicher Mitarbeiter des LDA.

Knoblauch der Römer gefunden

Schmidt hat in Gerlingen auch anderswo geforscht, wie im Gebiet Lontel und an der Mittleren Ringstraße. Im Lontel fand er den Keller eines Römerhauses – und etwas, was für die Kulturgeschichte des Essens bedeutsam war: Knoblauchreste der Römer. Es war der erste historische Fund dieses Gewürzes nördlich der Alpen.

Was sich der 86-Jährige von der Grabung am Bruhweg erhofft? Vielleicht werde die steinzeitliche Siedlung gefunden, die dort gestanden haben muss, meint er. Oder man stoße auf Zeugnisse der Kelten. Die seien sicher auch hier gewesen.

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