Handball 3. Liga: Nur eine Variante gilt als wahrscheinlich

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Bald wieder Vollgas? Wann SVKler Marvin Flügel (am Ball) wieder loslegen kann, steht noch nicht fest. Foto: Archiv/Mateja fotografie

Kornwestheim - Vier Videokonferenzen, insgesamt mehr als 500 Teilnehmer – mit diesem Mammut-Zusammentreffen im Internet hat der Deutsche Handballbund (DHB) jüngst ein Stimmungsbild unter den Vereinsvertretern der dritten Handballligen eingeholt. Welche Möglichkeiten gibt es, die Spielzeit in Zeiten von Corona zu einem vertretbaren Ende zu bringen? Wie muss ein Zeitplan aussehen? Wie das Spielmodell? Bei der Erörterung all dieser Punkte saß von Seiten des Süd-Drittligisten SV Kornwestheim auch der Sportliche Leiter Mirko Henel vor der Webcam.

Der Spielbetrieb ruht auf jeden Fall bis Ende Februar. Sollten Partien dann wieder weitgehend möglich sein, soll die Saison als Einfachrunde zu Ende gebracht werden (Variante 1). Spiele sollen notgedrungen auch an Feiertagen und unter der Woche stattfinden. Allerdings gilt diese Lösung bei fast allen Beteiligten als unrealistisch, da sie Vorbereitung und einen flächendeckenden Trainingsbetrieb von Anfang Februar an voraussetzt. Dies ist in zahlreichen Städten und Kreisen aufgrund hoher Fallzahlen nicht gegeben, auch wenn die dritten Ligen inzwischen als Profi-Ligen gelten. Zudem ist alles andere als ausgeschlossen, dass die Corona-Kontaktbeschränkungen nochmals verlängert werden. Sollte ein Spielbetrieb aber machbar sein, wäre diese Variante jedoch verpflichtend – inklusive Absteiger.

Wahrscheinlich ist jedoch ein Modell mit einer Aufstiegs- und einer Parallelrunde (Variante 2), falls der Spielbetrieb im März nicht möglich sein sollte. Die Teilnahme wäre für die Vereine jeweils freiwillig. Je nach Meldungen käme es im April und Mai zu Hin- und Rückspielen. In beiden Runden soll es auch um die Qualifikation für den DHB-Pokal gehen, Absteiger soll es keine geben.

Natürlich sind regelmäßige Corona-Tests die Voraussetzung für die Fortführung der Runde. Die Kosten dafür tragen die Vereine. Mirko Henel rechnet vor: „Pro Test fünf bis sieben Euro, bei allen Teilnehmern macht das pro Spiel 100 bis 150 Euro.“ Bis höchstens sechs Stunden vor einer Partie müssen alle Beteiligten getestet werden. „Interessant wird es, wenn man eine längere Auswärtsfahrt hat“, so Henel. Spiele man etwa in Bayreuth, müsse man vor Ort testen. Bei vier positiven Fällen werde eine Begegnung abgesagt – die Fahrtkosten blieben allerdings. Derzeit prüfe man zum einen, ob eine Sammelbestellung von Schnelltests über den DHB den Preis etwas drücken könnte, zum anderen mache man sich beim Verband kundig, ob man einen der Sportfördertöpfe dafür anzapfen könne.

Der SV Kornwestheim plant, seine Mannschaft für die Parallelrunde anzumelden. „Die Teilnahme am DHB-Pokal ist dabei unser erklärtes Ziel“, betont Mirko Henel. Wichtig sei zunächst der sportliche Wettkampf. „Trainieren ohne ein Ziel zu haben, ist hart“, so der Sportliche Leiter, „das habe ich aus dem Mannschaftskreis jetzt schon oft gehört. Die Jungs hatten seit vergangenem März gerade mal drei Pflichtspiele.“ Die Aufstiegsrunde kommt für den SVK nicht in Frage. Vereine, die sich dafür entscheiden, müssen bis Ende Februar alle Lizenzierungsunterlagen eingereicht haben, es entstehen nicht unerhebliche Kosten. „Das sollte man sich schon sehr genau überlegen.“

Natürlich spielen aber auch hier weitere Faktoren eine wichtige Rolle. Werden irgendwann wieder Zuschauer zugelassen, oder bleibt es bei Geisterspielen? „Man muss das Ganze auch aus wirtschaftlicher Sicht sehen. Wir wollen die kommende Runde nicht noch mehr ins Risiko stellen“, so Henel. Reise-, Test- und Schirikosten schlagen zu Buche. Fakt sei: Gut gehe es aktuell keinem Verein.

Wie aus Teilnehmerkreisen an den Videokonferenzen zu vernehmen war – und was auch Mirko Henel bestätigt – soll es aus den vierten Ligen sehr wohl ebenfalls Aufsteiger geben. 83 Mannschaften könnten sich am Ende in den dritthöchsten deutschen Spielklassen tummeln. Die dritten Ligen wiederum sollen von der Saison 2021/2022 an mit mehr und dafür kleineren Staffeln an den Start gehen. Andreas Thiemann, Spielleiter 3. Liga beim DHB, sprach bei den Videokonferenzen von Staffeln mit lediglich zehn Mannschaften, möglichst aus einer Region. „Bis Weihnachten oder Januar soll es dann eine kleine Runde mit Hin- und Rückspielen geben und danach Play-offs und Play-downs.“ So hätte man ja nach Pandemielage den notwendigen Puffer. „Man will die Fehler aus diesem Jahr nicht wiederholen“, merkt Henel an. Trotz kritischer Stimmen und Warnungen vor einer zweiten Corona-Welle hatte der DHB die vier bestehenden Staffeln einfach aufgestockt.

Die Saison solle außerdem bereits Anfang August beginnen, was beim SVK intensives Kopfschütteln auslöst. „Das ist aus unserer Sicht nicht machbar“, kritisiert Henel, „da haben die Sommerferien in Süddeutschland ja erst angefangen.“ Man werde sich zu diesem Thema mit anderen Vereinen aus dem Süden klar positionieren. „Dieser Termin ist sicher nicht in Stein gemeißelt.“

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