Handball „Bedingungen wie im Profisport“

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  Foto: Archiv/Marius Venturini

Kornwestheim - Viele Kommentare gab es dieser Tage zur neuen Einteilung der Drittligastaffeln im Handball. Viele fielen positiv aus, da einige „alteingesessene“ Süd-Clubs nun auch wieder im Süden spielen. Dass es die wohl kraftraubendste Spielzeit aller Zeiten werden dürfte, schimmerte erst zwischen den Zeilen durch. SVK-Trainer Alexander Schurr legt die Karten auf den Tisch: Er ist nicht eben glücklich mit dem, was ihn da ab Oktober erwartet.

Herr Schurr, wie ist Ihr erster Eindruck von der neuen Südstaffel der 3. Liga?

Ganz ehrlich, ich habe ziemlich geschluckt. Ich finde, es ist eine sehr anspruchsvolle Einteilung, ein echtes Brett. Allein die drei Teams aus dem Heidelberger Raum, der TVG Großsachsen, die SG Leutershausen und die HG Oftersheim/Schwetzingen – das sind allesamt Topteams, die da dazu kommen.

Was heißt diese Einteilung für Ihre Mannschaft?

Für uns heißt das, dass wir von Anfang an den absoluten Fokus brauchen und in jedem Spiel kompletten Einsatz bringen müssen. Unsere junge Mannschaft braucht in dieser Saison jeden Punkt.

Nun fallen Teams aus dem Saarland oder der Pfalz weg, die Reisen werden etwas kürzer. Freut es einen, dass man nicht mehr ständig ewig unterwegs ist?

Naja, die Mannschaften, die da wegfallen, sind zum einen die HG Saarlouis, die ich etwa auf unserem Niveau gesehen habe, und der TuS Dansenberg, der in der Tat ein echtes Spitzenteam ist. Zum anderen sind aber der TV Hochdorf oder die TSG Haßloch nicht mehr dabei, die beide in der vergangenen Saison hinter uns gestanden haben. Ein Vorteil entsteht uns also sicher nicht. Denn wir sprechen in dieser Saison ja auch nicht nur von drei Absteigern, sondern von mindestens vier.

Und die beiden Neulinge aus Bayern?

Die beiden Aufsteiger sind für mich zum jetzigen Zeitpunkt noch schwierig einzuschätzen.

Statt 16 Teams spielen nun jeweils 18 Mannschaften in den vier Drittligastaffeln. Die vielen Partien gehen sicher irgendwann auch an die Substanz der Spieler, oder?

Es gibt bestimmt Gründe, weshalb der DHB sich für vier 18er-Staffeln entschieden hat und nicht etwa sechs Zwölferstaffeln an den Start gebracht hat. Betrachtet man die angespannte und dynamische Situation aktuell wäre meines Erachtens die Belastung durch kleinere Staffeln etwas kontrollierbarer geworden. Durch die Aufstockung und den deutlich späteren Start ist die Belastung für die Teams wirklich enorm, da quasi keine Pausen möglich sind. 18 Teams, jedes Wochenende Spiel, das sind Rahmenbedingungen, wie wir sie eher aus dem Profisport kennen. Bei den Frauen hat man zum Beispiel fünf Staffeln geschaffen.

Es wird also kaum Pausen geben. . .

Wir werden zum Beispiel über Pfingsten spielen. Für viele sind die Pfingstferien aber fast die einzige Reisemöglichkeit. Ich bin nicht sicher, ob man Amateurmannschaften das zumuten kann. Hinzu kommen ja auch noch die beiden Doppelspieltage – und das alles mit einer Truppe, die unter der Woche ganz normal arbeitet. . . Ich hoffe daher, dass man sich diese Entscheidung genau überlegt hat. Denn man mutet den Jungs da schon wirklich viel zu und das in einer Zeit wo, auch schon im Profibereich viel über Spielerbelastung gesprochen wird.

Profitiert jemand von der Einteilung?

Sicher fällt es den finanziell besser aufgestellten Teams leichter, die Belastung zu kompensieren, da sie über einen breiteren und vor allem einen ausgeglicheneren Kader verfügen. Ich glaube es ist klar, dass an einem Doppelspieltag, wenn Freitag und Sonntag also innerhalb von 48 Stunden gespielt wird, diese Teams eher noch mehr im Vorteil sind. Aber vielleicht gehört das ja auch zum weiteren Professionalisierungsprozess der Liga. Wir werden jedenfalls versuchen, so gut es geht alles in die Waagschale zu werfen.

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