Handball Der Däne sieht die Dänen vorn

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Deutschlands Patrick Groetzki feiert einen Treffer im Testspiel gegen Argentinien am Dreikönigstag. Am Donnerstag spielen die Deutschen zum Autakt der WM gegen Korea. Foto: dpa

Kornwestheim - Am morgigen Donnerstag beginnt die Handball-Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark. Im Eröffnungsspiel in der Berliner Mercedes-Benz-Arena trifft um 18.15 Uhr die Auswahl des Deutschen Handballbundes auf das Team aus Korea. Dänemark als Co-Gastgeber spielt zum Auftakt um 20 Uhr in Kopenhagen gegen Chile.

Wenn es um eine Handball-Weltmeisterschaft geht, die in Deutschland und Dänemark ausgetragen wird, kann es, zumindest aus Kornwestheimer Sicht, nur einen wahren Experten geben. Denn wer könnte sich da besser auskennen, als ein Däne, der in Deutschland lebt? Und der obendrein noch einige Jahre die erste Handballmannschaft des SVK trainiert hat? Hans Christensen stammt aus dem dänischen Randers, ist aber schon seit vielen Jahren in der Region zuhause. Und der 45-Jährige, der seit inzwischen eineinhalb Jahren als Coach des Frauen-Teams SG BBM Bietigheim 2 in der 3. Liga tätig ist, hat Handball im Blut.

„Natürlich wird Dänemark Weltmeister“, sagt er im Brustton der Überzeugung – muss dann aber doch schmunzeln. „Wir stellen jedenfalls kein Team auf, um nicht Weltmeister zu werden.“ Und im Ernst? „Wir haben Heimspiele, es ist praktisch eine Heim-WM, und Dänemark hat ein tolles Kollektiv“, sagt der Fachmann. Außerdem seien da einige erfahrene Spieler im Kader dabei: Mikkel Hansen im linken Rückraum zum Beispiel, oder Niklas Landin im Tor. „Dänemark spielt aus einer vernünftigen 6:0-Abwehr heraus und ist auch taktisch stark.“

Und die Deutschen? „Denen traue ich alles zu“, so Christensen, „aber es muss alles zusammenpassen.“ Bei den Vorbereitungsspielen seien „gute und weniger gute“ dabei gewesen. „Auf dem Papier ist es wirklich eine Toptruppe.“ Zum ewigen Favoriten Frankreich, immerhin Champion bei vier der vergangenen fünf Weltmeisterschaften und Titelverteidiger, fällt Christensen folgendes ein: „Die machen es am Ende sowieso. Das geht mir inzwischen ein bisschen auf die Nerven.“ Aber die Jugendarbeit mit ihren zentralen Jugend-Akademien sei in Frankreich eben klar besser als in anderen Nationen. „Da werden die Spieler nicht von Anfang an so verheizt wie zum Beispiel in Deutschland.“

„Frankreich ist schon sehr stark“, findet auch Alexander Schurr, Christensens Nachfolger als SVK-Trainer und seit mittlerweile eineinhalb Jahren in Amt und Würden. Er hat außerdem noch Spanien auf der Rechnung – die einzige Nation, die bei Weltmeisterschaften die Dauer-Regentschaft der Franzosen unterbrechen konnte. Im Jahr 2013 holten die Iberer bei ihrer Heim-WM den Pokal. Schurr glaubt aber auch an eine gute Leistung der DHB-Mannschaft. „Wir haben ein geiles Team, und ich glaube, die Jungs wollen bei ihrer Heim-WM zeigen, was sie können.“

Mirko Henel, Halb-Franzose und seit Mitte des vergangenen Jahres Sportlicher Leiter der SVK-Handballer, sagt: „Es sind die üblichen Verdächtigen aus meiner Sicht. Aber Frankreich hat natürlich in den vergangenen 20 Jahren gefühlt fast alle Titel abgeräumt.“ Die deutsche Mannschaft bezeichnet er als „Wundertüte“. Beim Team von Bundestrainer Christian Prokop seien vor der Europameisterschaft im vergangenen Jahr die Erwartungen wohl etwas andere gewesen als das, was man am Ende erreicht habe.

Zur Erinnerung: Das DHB-Team holte 2016 in Polen den Titel, 2018 überstand die Mannschaft die Hauptrunde nicht. Im Nachgang entbrannte eine Trainerdiskussion, in der keine der beteiligten Parteien eine gute Figur machte.

„Ich traue dem Team aber durchaus das Halbfinale zu, wenn die ersten zwei, drei Spiele gut laufen“, so Henel. Dass es dann am Ende für den ganz großen Wurf reicht, so optimistisch ist er dann doch nicht. „Zumal ein mögliches Endspiel auch noch auswärts wäre.“ Das Finale steigt, ebenso wie das Spiel um Platz 3, am 27. Januar im dänischen Herning. Den Mit-Gastgeber sehe er ebenfalls recht weit vorne. „Und vielleicht kann ja auch eine Mannschaft wie Schweden, die gefühlt in der zweiten Reihe steht, für eine Überraschung sorgen.“

Miriam Bahmann, die eine Hälfte des SVK-Abteilungsleiter-Duos, hofft auf die Deutschen. „Vielleicht schaffen sie ja die Überraschung“, sagt sie. Ihre Tendenz gehe allerdings in Richtung Dänemark. Doch wer auch immer den Titel hole: „Handball bei den Kindern publik zu machen, ist ziemlich schwierig.“ Auf jedem Pausenhof werde gekickt oder hänge ein Basketballkorb. „Handball geht eigentlich nur im Verein.“ Vielleicht gebe es ja einen Effekt durch die verstärkte Präsenz in den Medien.

Darauf hofft auch ihr Partner in der Abteilungsleitung, Andreas Postl. Zum Turnier selbst sagt er: „Im Vergleich zu den Auftritten zuvor war es bei der vergangenen EM eine schwache Vorstellung der deutschen Mannschaft – auf vielen Ebenen.“ Ob es am Ende richtig oder falsch gewesen sei, mit Christian Prokop als Bundestrainer weiterzumachen, vermöge er aus der Ferne nicht zu beurteilen. „Er wird an den Ergebnissen gemessen.“ Postls Tipp lautet allerdings ebenfalls: Dänemark.

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