Handball Ein letztes Mal: „Wo sind die Hände?“

Von
Heinz Schöttle ist nicht mehr Hallensprecher bei Drittligaspielen des SVK. Foto: z/SVK

Kornwestheim - Es konnte schon mal vorkommen, dass Heinz Schöttle sich so richtig mitreißen ließ. Wenn die SVK-Handballer in letzter Sekunde das Siegtor geworfen haben, zum Beispiel. Oder auch, wenn genau das eben nicht gelang. In solchen Situationen waren ab und zu auch die Berichterstatter unserer Zeitung nicht vor den Emotionen des Hallensprechers sicher. Da wurde beim Nebensitzer am Kommentatorentisch schon mal zugepackt und an der Schulter gerüttelt – was dem 78-Jährigen aber nun wirklich niemand übel nehmen konnte. Heinz Schöttle, ein echtes Original des SV Kornwestheim, das mit Leib und Seele dabei ist.

Doch das ist nun Vergangenheit. Schöttle wird die Spiele des Drittligateams nicht mehr in offizieller Funktion begleiten. Die Stimme des SVK ist verstummt, wenn man so will. Allerdings geschah das nicht ganz freiwillig. Als Schöttle Ende April beim Pokalfinale der B-Jugend als Hallensprecher fungierte, teilte ihm die Abteilungsspitze mit, dass diesen Posten von der kommenden Saison an jemand anderes übernehmen werde. „Was soll ich da sagen?“, blickt der Senior auf die für alle Beteiligten unangenehme Situation zurück, „ich wollte eigentlich selber aufhören.“ In anderen Worten: Eine Saison wollte er noch dranhängen und dann selbst Schluss machen. Seinen Posten übernimmt nun Uwe Scholz, mit dessen Marketingfirma der SVK seit Kurzem zusammenarbeitet.

Der hat sicherlich andere Sprüche auf Lager zur Animation des Publikums. Allerdings würde es sich auch einfach falsch anhören, würde sich ein anderer an Heinz Schöttles Repertoire versuchen: „Wo sind die Hände?“, „Auf geht’s, die brauchen euch!“, „Alle klatschen!“ oder einfach mal ein beherztes rhythmisches Klopfen auf das Mikrofon. Es waren Dinge, die man als regelmäßiger Besucher in der Osthalle schon fast lieb gewonnen hatte.

Schöttle hat nie selbst Handball gespielt. Bis zur A-Jugend war Fußball sein Sport, bei der einstigen ESG. „Ich musste aber aufhören, weil ich Probleme mit den Knöcheln hatte“, erinnert er sich. Um ihn zum Handball zu lotsen, war erst ein Liederkranzfest notwendig. Seine Frau Hilde, die eigentlich Hockey spielte, wurde freiweg von den Handballerinnen des damaligen TVK rekrutiert. „Und als dann 1964 der Trainer aufgehört hat, habe ich das eben übernommen.“ Erfolgreich, das Team wurde auf Anhieb Bezirksmeister.

Über 30 Jahre lang war Schöttle als Trainer aktiv, von 1978 bis 1983 auch bei den Minis. Im Jahr 1987 übernahm er die weibliche Jugend. Der Sohn spielte auch von klein auf Handball, ebenso der Enkel. Zuvor, im Jahr 1970, wurde Heinz Schöttle Schiedsrichter, pfiff zwei Jahre später bereits auf Verbandsebene. Seit Anfang der 1990er-Jahre war er, mit Ausnahme der Zweitligaphase, zudem technischer Leiter beim SVK. Außerdem war er Schiedsrichterbetreuer im Verein und hat sich um zahllose weitere Dinge gekümmert.

Aus seiner Zeit mit den Referees erzählt Heinz Schöttle gerne: von denkwürdigen Vorgesprächen und, aus seiner aktiven Laufbahn, von renitenten Spielern und Fans. Und manchmal kamen sich seine Tätigkeit als Hallensprecher und das Schiedsrichterwesen auch in die Quere. „Aber es hat sich nur einmal einer beschwert und mir eine Strafe angedroht, wenn ich nicht aufhöre, die Mannschaft anzufeuern“, sagt er und lacht.

Wann er als Hallensprecher angefangen hat, weiß er selbst nicht mehr ganz genau. „Voll eingestiegen bin ich nach dem Debakel in der 2. Bundesliga“, blickt er zurück – also um das Jahr 2007, als die TVK Marketing GmbH & Co. KG pleite ging und die Lizenz verlor. Für den Verein ging es in der Landesliga von Neuem los.

Heinz Schöttle hat es stets genossen, dort unten an seinem Tisch am Spielfeldrand mitten im Geschehen zu sein. „Und wenn ich dann auf die Tribüne geschaut habe, wusste ich immer, es kommt was zurück“, sagt er. Einzig mit der Anlage in der Osthalle hatte er so seine liebe Mühe. „Wenn man anschaut, was andere Vereine so in ihren Hallen stehen haben, ist das hier wirklich schlecht.“ Trotz mieser Lautsprecher und ab und an fiependem Mikrofon hat er seine hallensprecherischen Höhepunkte aber fast alle in der Osthalle erlebt: die Erstrundenturniere im DHB-Pokal 2015 und 2018 zum Beispiel, als Teams wie die Rhein-Neckar Löwen oder der VfL Gummersbach in Kornwestheim Station machten. Aber natürlich waren auch Auftritte in MHP- oder Porsche-Arena durchaus denkwürdig.

„Es war immer eine gute Zeit, ich habe keine schlechten Erfahrungen gemacht“, sagt Heinz Schöttle, dessen Tochter als Trommlerin bei Heimspielen aktiv ist. Als Zuschauer bleibt er dem SVK weiterhin erhalten. Und wer weiß, Möglicherweise ist das Ende in Sachen „Wo sind die Hände?“ ja doch noch nicht ganz besiegelt. „Vielleicht mache ich bei der zweiten Mannschaft noch ein bisschen weiter. Die Spieler kenne ich ja schon eine ganze Weile“, sagt er.

Artikel bewerten
4
loading
 
 

Sonderthemen