Handball „Solidarität und Identifikation sind beispiellos“

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Verzichten auf Gehalt für eineinhalb Monate: Kapitän Christopher Tinti und die Drittligaspieler des SVK. Foto: Archiv/Peter Mann

Kornwestheim - Coach Alexander Schurr hatte vor wenigen Tagen bereits die große Solidarität gelobt, die in Zeiten von Corona in der Handballabteilung des SV Kornwestheim herrsche. Nun folgte der nächste Schritt: Die gesamte Drittligamannschaft des SVK inklusive Trainerteam verzichtet geschlossen auf ihr Gehalt. Heißt: Für den halben März und den gesamten April gibt es für Spieler und Übungsleiter kein Geld vom Verein. Auch in anderen Bereichen der Abteilung verzichten Trainerinnen und Trainer auf Zuwendungen. „Mein allerallergrößtes Lob“, freut sich Mirko Henel, Sportlicher Leiter des Drittligateams, „was hier gerade passiert an Solidarität und Identifikation mit dem Verein, ist beispiellos.“ Der SVK werde aufgrund der Krise ordentlich durchgerüttelt.

Für viele Akteure des semiprofessionellen Teams sei der Wegfall der Einnahmen der Verlust eines Großteils ihrer Einkünfte, so der Funktionär. Ein Teil des Kaders studiert derzeit und steckt die restliche Zeit in den Handballsport. Für andere Nebenjobs bleibt so keine Zeit mehr. „Deshalb kann man ihnen diesen Gehaltsverzicht gar nicht hoch genug anrechnen“, lobt Henel weiter. Andere Vereine würden ihre Spieler in Kurzarbeit schicken. Beim SV Kornwestheim hingegen sei es „ein Totalverzicht“.

Natürlich gibt es aber auch Spieler, die berufstätig sind. Kapitän Christopher Tinti zum Beispiel ist Polizeibeamter. Er sagt: „Für uns ist es selbstverständlich, dass wir die Werte, welche das Vereinsleben ausmachen, auch mit Taten füllen und uns so gegenseitig unterstützen.“ Auch Gerhard Bahmann, Präsident des Gesamtvereins, freut sich: „Das ist ein ganz starkes Zeichen und es beweist, dass diese Mannschaft echten Charakter hat.“

Zunächst hatte Mirko Henel sich mit der Abteilungsleitung besprochen, dann wurde per Videokonferenz der Mannschaftsrat einbezogen. Die Frage: Welche Möglichkeiten gibt es? Nachdem der Mannschaftsrat sich mit dem Team beraten hatte, kam von dort schließlich „dieser überragende Vorschlag“ (Henel) zurück.

Wie es nun aber in Sachen Handball weitergeht, weiß bislang noch niemand so genau. „Natürlich hängen auch wir am Informationstropf des Hauptvereins, sind eine Abteilung von vielen“, so Henel. Man müsse nun von Monat zu Monat sehen, wie sich die Lage entwickle. „Wir warten auf eine Meldung vom Deutschen Handballverband“, so Henel, der um ein vages Konzept weiß, das derzeit kursiert: Erst sollen auch im Handball Übungseinheiten in Kleingruppen erlaubt werden, dann sollen diese Gruppen wachsen, aber ohne Zweikämpfe trainieren. Diese schrittweise Steigerung solle laut dem Sportlichen Leiter vielleicht im September in erste Wettkampfspiele münden.

Derzeit sind die SVK-Spieler offiziell im Urlaub, auch im Normalfall wäre jetzt Sommerpause angesagt. „Ich gehe davon aus, dass wir Mitte Juni in die Vorbereitung einsteigen können“, sagt Mirko Henel. Wie die letztlich aussehe, könne man noch nicht sagen. Der Sportliche Leiter hofft daher auch auf diesen Mittwoch, an dem Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder gemeinsam über weitere Lockerungen der Corona-Beschränkungen beraten. „Es wäre zu hoffen, dass es auch für den Sportbetrieb Erleichterungen gibt“, betont Henel.

Denn Training sei ohne Sporthalle „nicht darstellbar“. Henel spricht aus Erfahrung, hat er doch selbst bereits die erste Kornwestheimer Mannschaft in der 3. Bundesliga gecoacht. „Die Schulter rostet schon nach ein paar Wochen ein“, sagt er. Allerdings gehe es in dieser Hinsicht allen Mannschaften gleich. Doch gebe es auch eine Komponente abseits des Spielfelds: „Die soziale Isolation an sich ist eine große Herausforderung.“

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