Heimspiel-Serie Die Kultur des Verbinden

Von Petra Mostbacher-Dix
Oliver Hicking lebt zwar in Pleidelsheim, sein Herz schlägt aber weiter für Kornwestheim. Foto: Mostbacher-Dix

„Do Mi So . . .“, hallen die berühmten Silben durchs Foyer. In einem Raum singt sich eine weibliche Stimme ein. Entfernt sind Geigenklänge auszumachen. Und irgendwo Percussion. Das Haus der Musik in Kornwestheim macht seinem Namen alle Ehre. Beheimatet sind hier die Musikschule und die Städtischen Orchester, sowie andere ortsansässige Vereine. „Das Haus der Musik ist gewissermaßen unser ‚Wohnzimmer’“, sagt Oliver Hicking, Erster Vorsitzender des Stadtausschusses für Sport und Kultur Kornwestheim. Sein Amt übernahm der 49-Jährige in herausfordernden Zeiten – 2020 während der ersten Coronawelle. Und schaffte es prompt nach kurzer Zeit, dass die Chöre im Sommer wieder proben konnten – und zwar im im Rathausfoyer. „Die Sängerinnen und Sänger konnten da mehr Abstand halten“, erläutert er: „Das Verhältnis mit der Stadt ist konstruktiv, der Draht gut.“

„Ich bin mit der Stadt verbunden“

Hicking kennt sich aus. Seit über 20 Jahren engagiert er sich im Dachverband der Kultur- und Sportvereine, obwohl er seit 24 Jahren in Pleidelsheim lebt, der Liebe wegen. „Ich bin in Stuttgart geboren, aber in Kornwestheim groß geworden, in den Kindergarten und zur Schule gegangen, bin mit der Stadt verbunden“, sagt er. Bevor er zum Vorsitzenden wurde, war er viele Jahre im Stadtausschuss Kassier. Für die Finanzen zuständig ist er noch im Kornwestheimer Akkordeon Orchester (KAO).

„Wahrscheinlich, weil ich vom Fach bin“, so der 49-Jährige, der einst im Finanzamt Ludwigsburg ausgebildet wurde und nun als Produktmanager tätig ist. Die Musik liebte er aber schon als kleines Kind, entschied sich an der Kornwestheimer Musikschule – nach der „obligatorischen Blockflöte“ – für das Akkordeon: „Zum Spielen komme ich heute nicht mehr so oft.“

Die Vielfalt macht den Reichtum der Stadt aus

Im Stadtausschuss für Sport und Kultur sind rund 30 Vereine zusammengeschlossen, die sich einem bunten Strauß an Themen verschrieben haben – Gesang, Orchester, Fasnacht, Tiere, Kultur und Tradition verschiedener Nationen, Schach, Verkehr, Motorsport, Briefmarken, Geschichte, Demokratie sowie Heimat und Wandern. Und für alle gilt es, mit der Stadt zu verhandeln, über Bedarfe, Räume, Zuschüsse, Konzepte. „Unsere Mitglieder sind so unterschiedlich! Das ist das Wunderbare, diese Vielfalt. Sie macht den Reichtum des städtischen Lebens aus.“

Nachwuchsakquise sei daher essenziell. Dazu sollen auch die Kornwestheimer Tage beitragen, die stets aushäusiges Publikum anlocken. Sie bieten den Vereinen ein Schaufenster, um sich zu präsentieren, auszutauschen, Kontakte zu knüpfen – und mit allen zu feiern. Diese organisiert der Dachverband der Kultur- und Sportvereine im Jahr 2023 zum 50. Mal – nachdem die Pandemie dem Jubiläum einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Ein besonderes Programm sei geplant, schwärmt Hicking. Verraten will er noch nichts: „Nur so viel: Alle Verträge sind schon unterschrieben.“. Auch Abende der Kultur, Konzerte und mehr präsentiert der Dachverband in Kooperation mit der Stadt.

Dabei kämen Menschen verschiedenster Schichten zusammen, die sich sonst kaum träfen, betont Hicking. Sie tauschten sich aus, bilden eine Gemeinschaft mit gleichen Zielen und Interessen: „Kultur verbindet! Im Orchester, ob du nun Chef bist oder am Band stehst, geht es darum, gemeinsam ein gutes Stück abzuliefern.“ So trügen Vereine zum Erwerb sozialer Kompetenz, zum Erhalt der Gesellschaft und zu Demokratie bei.

Artikel bewerten
5
loading