Heimspiel-Serie Im Verein fürs Leben lernen

Von Petra Mostbacher-Dix
Mit fünf Mitstreitern hat Michael Uhse den SV Pattonville 2002 gegründet. Foto: Mostbacher-Dix

Auf dem Fußballfeld üben Jugendliche die Kunst des Kickens, durch die Eingangstür kommen schon die nächsten Sportbegeisterten. Vier Schülerinnen, dicke Taschen geschultert, treffen sich vor der Sporthalle Pattonville zum Hip Hop: Über 30 Sportangebote bietet der Sportverein (SV) Pattonville – von Badminton über Softball bis Volleyball, von Hochintensivem Intervalltraining (HIIT) über Selbstverteidigung bis Yoga, von Kindersportschule bis Gesundheit und Fitness für über 60-Jährige.

Von 65 zu 1350 Mitgliedern und einem Sportpark

Großen Anteil daran hat ein großer, drahtiger Mann: Michael Uhse, Urgestein des SV Pattonville. Im Dezember 2002 gründete er den Verein, im Mai 2003 starteten dann die ersten Kurse mit rund 65 Mitgliedern. Nun, kurz vor dem 20-jährigen Bestehen, sind es 1350 Mitglieder, ein Sportpark ist entstanden.

Uhse schildert seine Anfänge im Ort, der auf den Gemarkungen Kornwestheim und Remseck liegt. 1997 zog er mit seiner Familie nach Pattonville, engagierte sich im frisch gegründeten Bürgerverein, setzte sich unter anderem für Tempo 30 ein. Er organisierte auch Soccer-Treffs für Schüler mit. Als er gefragt wurde, ob er nicht einen Sportverein gründen würde aufgrund seines Studiums – der Berufschullehrer studierte Maschinenbau und Sport – war er gleich dabei: „Ich fand fünf Mitstreiter, wir legten los.“ Bis heute ist Uhse Erster Vorsitzender des Vorstands vom SV Pattonville.

Mehr Förderung für das Hauptamt

Damals wie heute bringt er Groß und Klein auf Trab, setzt sich für Breitensport und Wettkämpfe ein. Eines seiner Anliegen ist die Prävention: zu vermitteln, dass Sport mit Spaß einiges dazu beiträgt, die eigene Gesundheit zu erhalten. Stets offen für neue Ideen gibt es etwa seit September das neue Programm Fitnessgymnastik, das „mit guter Laune und Freude an der Bewegung“ Elemente aus Gymnastik, Kleingeräte, Aerobic, Pilates kombiniert.

„All das geht nur dank vieler Mistreiterinnen und Mitstreiter“, so Michael Uhse. Vorstand, Abteilungsleiter, Sportdirektor, Platzwart, Übungsleiter und -leiterinnen und andere mehr: „Qualität zählt!“ So unterstützt der SV Pattonville die Fortbildung und Lizenzierung der Trainierenden beim Fußballverband. Uhse fordert, die Sportförderung anders aufzustellen, das Hauptamt mehr zu unterstützten. Sport und Engagement im Verein? Das heiße, fürs Leben lernen! „Fair Play, Soziale Kompetenz, man knüpft Kontakte, tauscht sich aus und nicht zuletzt ist es Beteiligung an Prozessen und Identifikation mit dem Ort, in dem man lebt.“ Um das zu stärken organisiert Uhse auch mal ein Demokratie-Frühstück für Nachwuchsfußballer mit.

Das Ehrenamt ist seine zweite Natur

Mehrfach wurde Uhse bereits für sein Engagement geehrt – zum Beispiel mit der Alexandrine-von-Beroldingen-Medaille und der Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg. Der SV Pattonville trage zu Integration und Gemeinsinn bei, heißt es in den Laudationen zu den Auszeichnungen. Dem Schwarzwälder, der in Schramberg aufwuchs und in vielen Sportarten von Fußball über Schwimmen bis zum Triathlon zuhause ist, bedeutet sein ehrenamtliches Engagement zweite Natur. Schon als Jugendlicher habe er etwa für die SPD Broschüren ausgetragen, erzählt er. Chancengleichheit, soziale und Bildungsgerechtigkeit trieben ihn um. Seit Jahren kümmert er sich auch um einen Geflüchteten, der als Analphabet ankam und nun in der Lebensmittelbranche arbeitet. Uhse bescheiden: „Wer sich einbringt, kann Gesellschaft gestalten.“

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