Inline Eigentlich lautet sein Motto ja: bloß keine Rollen

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Wendy Berheide und Thomas Güntter Foto: z

Kornwestheim - Wer Thomas Güntter danach fragt, ob er denn auch selbst häufig auf Inlineskates unterwegs ist, erhält eine überraschende Antwort: „Nein. Ich habe Angst vor allem, was unter mir wegrollen könnte“, sagt der 55-jährige Inline-Referatsleiter der Skizunft Kornwestheim. Das rührt von einer negativen Erfahrung her: Im Jugendalter hat sich Güntter bei einem Sturz vom Skateboard einen fünffachen Unterarmbruch zugezogen. Seitdem überlässt er derlei Sportarten lieber anderen.

Zum Beispiel seiner Tochter Sofia, die es mit ihren zwölf Jahren bereits zur dreifachen Süddeutschen Meisterin im Speedskating gebracht hat. Oder den rund 30 bis 40 aktiven, meist jugendlichen Fahrerinnen und Fahrern bei der Skizunft Kornwestheim. Seit Ende 2018 leitet er das Inline-Referat des Vereins gemeinsam mit Wendy Berheide. Beide kamen durch die Begeisterung ihrer Kinder zum Verein – allerdings wagt sich Thomas Güntters Mitstreiterin auch selbst auf Rollen. „Sie ist im vergangenen Jahr sogar den Berlin-Marathon mitgefahren, im strömenden Regen. Das war sehr eindrucksvoll“, berichtet Güntter.

Als sich der bisherige Referatsleiter Michael Glatzl zum Studium verabschiedete, rückte das Duo nach. „Das war keine so einfache Situation, aber es hat dann doch alles gut geklappt“, sagt Güntter, der trotz allem wie ein echter Inline-Fachmann daherkommt. „Es gibt im Großen und Ganzen drei Aspekte der Sportart“, sagt er und beginnt leidenschaftlich aufzuzählen: Zum einen sei da die Technik, und die sei beim Speedskating hochaufwendig. „Um eine Kurve perfekt nehmen zu können, braucht man mindestens sieben Jahre Training.“ Dann wäre da die Analogie zum Radsport: „Es wird teilweise auch in Mannschaft gefahren, da braucht es taktisches Verständnis.“ Zu guter Letzt gehe es darüber hinaus ähnlich zu wie im Motorsport: „Das ganze Setup ist kompliziert und nicht gerade preisgünstig“, so Güntter. Ein Satz Rollen könne schon mal mit 150 Euro zu Buche schlagen. Hinzu kämen die Schuhe aus Carbon, die Schienen in unterschiedlichen Längen, die Lager, die Abstandshalter dazwischen. „Das ist eine Wissenschaft für sich“, sagt er – in die er sich aber auch hineingefuchst hat. „Ich bin wissbegierig und bekomme sehr viel mit“, sagt Güntter und lacht.

All diese Faktoren spielen im Wettkampfsport eine große Rolle. Aber bei der Skizunft geht es nicht nur ums Gewinnen. „Meine Tochter zum Beispiel wollte hier einfach lernen, wie man richtig und sicher auf Inlineskates fährt“, sagt Thomas Güntter. Dass es in der Sportart aber sehr wohl recht schnell gehen kann, will er nicht verneinen. „Sofia hatte im Oktober ihr erstes Training und im darauffolgenden Februar ist sie schon bei ihrem ersten Wettkampf mitgefahren. Das war vor fünfeinhalb Jahren.“ Man könne also sehr schnell Fortschritte machen.

Apropos „sehr schnell“: Der Rekord für eine fliegende 200-Meter-Runde liegt bei um die 13 Sekunden. Nicht nur deshalb findet Güntter: „Der Sport ist hochtelegen.“ Bei Massenstartrennen gehe es teils richtig zur Sache. „Leider ist Speedskating noch nicht olympisch, obwohl es im vergangenen Jahr bei den Olympischen Jugendspielen vertreten war.“

Ohnehin ist Speedskating recht international. Denn es gibt zwar Wettkämpfe in den einzelnen Bundesländern, aber nicht auf Bundesebene. Das nächste sind dann gleich Kräftemessen mit Gegnern aus ganz Europa. „Das ist schön, da entstehen auch Freundschaften“, findet Thomas Güntter, der allerdings jüngst das für Anfang April geplante Trainingslager in Italien absagen musste. Die Skizunft stellt derzeit vier Fahrerinnen und Fahrer für den Bundeskader, der auch in Kornwestheim trainiert. Die hiesige Bahn, fast nagelneu, bietet optimale Voraussetzungen.

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