Kornwestheim 2571 Kilometer mit dem Fahrrad durch Europa

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André Schumacher mit seiner Lebensgefährtin Jenni Hernandez und dem damals eineinhalbjährigen Sohn Unai. Foto: z

Kornwestheim - Nächte unter dem freien Sternenhimmel verbringen, von einem Schneesturm auf dem Großglockner überrascht werden und mit einem Lastenkahn auf der Elbe mitfahren: Mehr als vier Monate war André Schumacher mit seiner Lebensgefährtin Jenni Hernandez und dem damals eineinhalbjährigen Sohn Unai quer durch Europa unterwegs: 3517 Kilometer legten sie dabei zurück, davon 2571 Kilometer mit dem Lastenfahrrad. Er kann daher von vielen Abenteuern berichten.

Was hat er bei der großen Tour von seinem Heimatort Bäbelin nahe der Ostsee bis nach Spanien erlebt? Mit welchen Schwierigkeiten hatte die junge Familie unterwegs zu kämpfen? Wie lässt sich ein solches Vorhaben mit einem Kleinkind bewerkstelligen? Das und noch viel mehr will der Mittvierziger bei einem Abend in Kornwestheim erzählen. Er ist am kommenden Mittwoch, 6. Februar, ab 20 Uhr im Theatersaal des K mit seiner Multivisionsshow „Wildes Europa“ zu Gast.

Doch wie kommt man überhaupt auf die Idee, mit einem so kleinen Kind so lange unterwegs zu sein – und dann auch noch mit einem Fahrrad? Das Reisen ist eine große Leidenschaft von Schumacher. Seit dem Mauerfall hat er den Drang, die Welt zu entdecken. „Schon mit 16 Jahren bin ich mit einem Freund durch Skandinavien geradelt. Wir hatten schon damals die Idee einer Weltreise“, sagt er. Zunächst entschied er sich allerdings fürs Studium. Doch nach drei Jahren als freiberuflicher Architekt lockte ihn die weite Welt. Mehrere Jahre reiste er zusammen mit seinem Kumpel mit dem Fahrrad durch Südamerika. Viele weitere Touren auf unterschiedlichen Kontinenten folgten. Seit 2006 arbeitet Schumacher als Fotograf und Geschichtenerzähler. „Auf den Kanaren habe ich schließlich Jenni kennengelernt. Als sie schwanger wurde, dachte ich, es ist jetzt erst mal vorbei mit dem Reisen“, erinnert er sich. Das Paar hatte sich einen Bauernhof in Mecklenburg-Vorpommern gekauft, als das Fernweh wieder überhandnahm. Im Internet schreibt er über dieses Gefühl: „Wir kamen uns vor wie zwei trockene Alkoholiker, die versehentlich in eine Schnapspraline gebissen hatten.“ Aber wie soll man das mit Kind realisieren? „Wir kamen dann auf die Idee mit dem Lastenfahrrad. Und Europa hat sich als unser Heimatkontinent für die Reise angeboten.“

Die Strecke führte über Tschechien, Österreich, Italien und Frankreich bis ins spanische Pamplona. Wer nun allerdings denkt, dass sich die Familie vor ihrem Aufbruch mit langen Vorbereitungen aufgehalten hat, der irrt. „Die Reise verlief relativ spontan. Wir hatten die Route vorher nicht festgelegt, denn wenn man sich kein Ziel vornimmt, dann nimmt man unterwegs viel mehr wahr“, sagt der Mittvierziger. Er betont, dass es wichtig sei, sich auf das Neue einzulassen. „So sind uns spannende Sachen passiert. Als wir einmal an der Elbe standen und einem Schiff gewunken haben, hielt es plötzlich an und hat uns mitgenommen“, erinnert er sich.

Für Entschleunigung sorgte auch sein Sohn. „Das Schöne war, dass wir durch das Kind ausgebremst wurden. Man ist langsamer und damit auch intensiver unterwegs“, erklärt Schumacher. Weil der Kleine einen langen Mittagsschlaf machen wollte, schaffte die Familie am ersten Tag nur eine Etappe von acht Kilometern. So kam die Familie auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von nur 1,26 Kilometern pro Stunde. Dass sich der Kleine bald nicht mehr an die Reise erinnern wird, ist dem Weltenbummler klar. Aber im Unterbewusstsein des Kindes bleibt etwas hängen, ist er überzeugt. „Als wir in den Cevennen unter freiem Himmel übernacht haben, ist er nachts um 2 Uhr wach geworden, guckte nach oben und sagte zum ersten Mal das Wort Sterne“, sagt Schumacher über eine der bewegendsten Momente. „Das ist das, was wir ihm mit der Reise schenken wollten.“

Inzwischen hat Schumacher zum Erlebten ein Buch geschrieben: „Eine Familie, zwei Räder und das Abenteuer unseres Lebens“. Und er tourt mit seiner rund eineinhalbstündigen Show durch Deutschland. Zu sehen und zu hören gibt es dabei – neben seinen Ausführungen – Fotos, Videos, Trickfilmsequenzen und Musik. „Ich habe versucht, die angestaubte Diashow einmal anders zu machen. Meine Shows sind wie ein Kinoerlebnis, nur live“, erklärt er.

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