Kornwestheim 37 Kilometer für den guten Zweck

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In voller Montur und guter Mission unterwegs: Sebastian Weidmann (links) und Michael Haag. Foto: Horst Dömötör

Kornwestheim - Als Sebastian Weidmann und Michael Haag am Samstagmorgen von Kornwestheim aus Richtung Mühlhausen über die Felder zogen, dauerte es nicht lange, bis sie von zwei jungen Frauen angesprochen wurden. „Wir wurden gefragt, ob wir ein Junggesellenabschied sind“, erzählt Sebastian Weidmann. Ganz abwegig war die Frage nicht: So trugen die beiden Männer ihre Feuerwehrmontur und zogen einen Bollerwagen hinter sich her. Über die Aufmerksamkeit freuten sich Feuerwehrleute aber trotzdem, denn genau die wollten sie mit ihrem Outfit – samt Atemschutzrucksack rund 15 Kilo schwer – auch erzeugen. Nicht für sich, sondern für das Kinderhospiz Stuttgart und den Verein „Hand in Hand“, der Spenden für die Einrichtung sammelt. „Wir haben an dem Spendenlauf teilgenommen, aber wir wollten nicht nur mitlaufen, sondern aktiv auf Menschen auf dem Weg zugehen und auch Spendengelder sammeln“, erzählt Weidmann.

Eigentlich hätte der Lauf im Sportzentrum Leinfelden als Zwölf-Stunden-Wettkampf stattfinden sollen, bei dem fleißig Laufrunden und damit Spendengelder gesammelt worden wären. Coronabedingt fand die achte Austragung aber nun als offene Veranstaltung statt, bei der Teilnehmer ihre Strecke und die gelaufene Kilometerzahl per App aufzeichneten.

Gemeinsames Interesse an Sport und Feuerwehr

Deshalb starteten die Floriansjünger am Samstagmorgen an der Feuerwache der Freiwilligen Feuerwehr Kornwestheim, bei der Weidmann aktiv ist, auf die anvisierte 30 Kilometer lange Strecke über das Hospiz in Stuttgart bis zur Wache der Wehr in Ditzingen, der Michael Haag angehört.

Kennengelernt hatten sich die beiden Werksfeuerwehrleute bei einer Feuerwehr-Sportveranstaltung. Und der Sport und die Feuerwehr blieben weiter verbindende Elemente ihrer Freundschaft. Im vergangnen Jahr nahmen die beiden als Team beim Towerrun auf den Thyssen-Aufzugstestturm in Rottweil teil. „Auf den Verein Hand in Hand sind wir im Rahmen einer Tombola bei einer Feuerwehrveranstaltung aufmerksam geworden“, erzählt Sebastian Weidmann. „Dass wir an dem Lauf teilnehmen, haben wir aber erst vor rund drei Monaten entschieden.“ Mit der selbstgestalteten Internetseite www.2forfire.de und entsprechenden Social-Media-Auftritten hatten die beiden Freunde vorab auf ihr wohltätiges Vorhaben aufmerksam gemacht und ihre Vorbereitungen dokumentiert.

Nach der ersten Begegnung auf dem Kornwestheimer Feld ging es im Stopp-and-Go-Verfahren weiter. „Viele Leute haben uns direkt angesprochen. Wenn jemand interessiert geschaut hat, sind wir auf sie zugegangen“, blickt Weidmann zurück. Für die Interessierten hatten die beiden Feuerwehrleute in ihrem Bollerwagen Flyer des Hospiz’ dabei. Und wie es sich die Brandbekämpfer gehört, diente ein knallroter Feuerwehrhelm als Spendenbox. Über den Max-Eyth-See, das Käfertal und Bad Cannstatt führte der Weg durch den Schlosspark zum Kinderhospiz am Eugensplatz. Dort wurden sie von Hospizleiter Manfred Baumann und Fabian Schutz, Vorsitzender von Hand in Hand, freudig empfangen, und die beiden Wanderer gönnten sich bei einem Snack eine Verschnaufpause.

Duo läuft 37 statt 30 Kilometer

Gut gestärkt ging es auf den zweiten Abschnitt der Strecke über den Kräherwald und Weilimdorf nach Ditzingen. Und auch dort zückten Weidmann und Haag immer wieder fleißig ihren roten Helm. „Das Interesse und der Respekt der Menschen für die Aktion war riesengroß. Und bis auf wenige Ausnahmen hat auch jeder etwas gegeben“, sagt Sebastian Weidmann. Am Ende seien es 37 statt 30 Kilometer gewesen, die sie laut App-Messung gelaufen sind, erzählt der 37-Jährige, weil man ein oder anderen Schlenker gemacht habe, um mit den Leuten zu reden. Und auch der Zeitplan zog sich letztlich in Länge. „Wir waren neun Stunden und 45 Minuten unterwegs, aber es hat sich wirklich gelohnt“, resümiert Weidmann.

Wie viel Geld am Ende in dem Feuerwehrhelm und auf dem Spendenkonto gelandet sind, weiß das Duo noch nicht. Aber der Helm sei sehr schwer gewesen, verrät Weidmann. „Wenn der Helminhalt dann ausgezählt ist und wir sehen, was an Spenden zusammengekommen ist, werden wir selbst noch etwas drauflegen, damit eine runde Summe rauskommt.“ Die Übergabe der Spendengelder an das Hospiz findet an diesem Dienstag statt.

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