Kornwestheim Abitur bis in den Hochsommer hinein

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Sieben ESG-Schüler machten den Auftakt. Foto: Werner Waldner

Kornwestheim - Diese Aufgabe war fürs Ernst-Sigle-Gymnasium ganz einfach zu lösen: Nur sieben Zwölftklässler starteten gestern mit dem Abitur 2020. Sie passten bequem mit dem in diesen Zeiten notwendigen Abstand in Raum 3 des Neubaus, wo Schulleiter Christoph Mühlthaler um Punkt 9 Uhr den Startschuss gab. Aber auch wenn am morgigen Mittwoch alle 54 Prüflinge im Fach Deutsch gefordert sind, reicht der Platz in den drei Unterrichtsräumen im Neubau. Die großzügigen Klassenzimmer und der kleine Abiturjahrgang spielt dem Kornwestheimer Gymnasium im Coronajahr 2020 gut in die Karten.

Das Abitur startet mit einer gehörigen Verspätung: Eigentlich sollte die erste Klausur schon am 22. April geschrieben werden. Doch nun geht’s erst in dieser Woche los, entsprechend weit reichen die Prüfungen auch in den Sommer hinein. Die angehenden Abiturientinnen und Abiturienten legen insgesamt vier schriftliche und eine mündliche Prüfung ab. Für alle Prüfungskandidaten sind die Kernfächer Deutsch, Mathematik, eine Fremdsprache und ein weiteres individuell gewähltes Kernfach im schriftlichen Abitur verbindlich. In den mündlichen Prüfungen – sie starten am 20. Juli – gibt es einen Präsentationsteil, in dem die Schülerinnen und Schüler ein vorbereitetes Thema vortragen müssen. Dieser Präsentation schließt sich ein Prüfungsgespräch an. Erst kurz vor Beginn der Sommerferien wird das Abitur 2020 in Gänze über die Bühne gegangen sein.

Und dabei hatten die Schülerinnen und Schüler des ESG für Anfang Juli das K für den Abiball gebucht. Er fällt ebenso ins Wasser wie der Abischerz. Wie das Gymnasium den erfolgreichen Absolventen die Zeugnisse zukommen lässt, das steht noch nicht fest. Das ganze Prozedere sei schon bitter, sagt Christoph Mühlthaler. „Es sollte für die Abiturienten doch der Sommer ihres Lebens werden. Es ist sehr, sehr schade.“

Das Prüfungsverfahren hat das baden-württembergische Kultusministerium für die Schulen insgesamt vereinfacht. Jede Abiturklausur wird zwar weiterhin zweimal korrigiert, das aber an der eigenen Schule. In der Vergangenheit wurden die Klausuren zur Zweitkorrektur an andere Schulen weitergeleitet. Das Ministerium hat auch angeordnet, dass die sogenannten Endbeurteiler nicht mehr zum Einsatz kommen. Weichen die Bewertungen von Erst- und Zweitkorrektor bis zu drei Notenpunkte voneinander ab, gilt der Durchschnitt. Weichen die Bewertungen um vier oder noch mehr Notenpunkte voneinander ab, dann werden die beteiligten Lehrkräfte aufgefordert, eine gemeinsame Bewertung zu finden – ohne eine dritte Lehrkraft einzuschalten.

Gespenstisch ruhig ist es in diesen Tagen im Ernst-Sigle-Gymnasium. Nur die Kursstufe I (Klasse 11) wird unterrichtet, die Zwölftklässler kommen zu den Abiturprüfungen ins Schulgebäude an der Hohenstaufenallee. Schulleiter Christoph Mühlthaler geht davon aus, dass die anderen Pennäler nach den Pfingstferien zurückkehren – allerdings nicht alle auf einmal. Das Gymnasium ist derzeit dabei, ein Konzept für den Unterricht in Corona-Zeiten zu erarbeiten. Aller Voraussicht nach wird immer nur eine halbe Klasse unterrichtet. Glücklicherweise, so Mühl-thaler, seien die Klassenräume groß genug, um mit der Hälfte der Schülerzahl die erforderlichen Abstände einhalten zu können. Vermutlich werden sich die Schüler abwechseln – eine Woche gibt’s Unterricht im Schulgebäude, eine Woche wie in den vergangenen Wochen auf digitalem Wege oder mit Arbeitszetteln, die die Schüler gestellt bekommen. Alle Fächer sollen unterrichtet werden – bis auf Sport. Und die Musiklehrer werden auf Gesang verzichten.

Dass derzeit nur wenige Schüler im Gymnasium weilen, hat für die Abiturienten aber auch einen Vorteil. Der Lärmpegel ist extrem niedrig. Die Prüflinge können sich in aller Ruhe den Aufgaben widmen.

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