Kornwestheim Ärger, Ablehnung, Unverständnis

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Thema in der katholischen Gemeinde: die Homo-Ehe. Foto: dpa/Sebastian Kahnert

Kornwestheim - Gleichgeschlechtlichen Paaren kann in der katholischen Kirche kein Segen erteilt werden. Das hat der Vatikan vor einigen Wochen verfügt und damit vielerorts scharfe Kritik hervorgerufen. Auch der Kirchengemeinderat der St.-Martinus-Pfarrei hat sich mit dem Thema befasst. Das Ergebnis: ein Brief an den Rottenburger Bischof Gebhard Fürst, in dem das Führungsgremium der Gemeinde seine Enttäuschung zum Ausdruck bringt. Wir dokumentieren das Schreiben in Auszügen.

„Wieder einmal scheint die Lebenswirklichkeit nicht wahrgenommen worden zu sein“

„. . . Ohne Einschränkungen dominierten in den Äußerungen der Mitglieder: Betroffenheit, Ärger, Ablehnung und Unverständnis. Wieder einmal scheint die Lebenswirklichkeit einer Gruppe von Menschen, denen der Glaube und die Kirche wichtig sind, nicht wahrgenommen worden zu sein. Sollte gar damit auf indirekte Weise der Synodale Weg in unserem Land ausgebremst oder verhindert werden? Vor allem dieses apodiktische Nein zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, kaschiert mit der Begründung, dass die katholische Kirche keine Vollmacht habe, homosexuelle Partnerschaften zu segnen, ist für uns kein Weg christlichen Umgangs miteinander. Die Enttäuschung ist deshalb groß, da doch einige Äußerungen des Vatikans in den vergangenen Jahren Anlass zur Hoffnung gaben, dass zumindest in kleinen Schritten positive Veränderungen möglich sind. Eine Kirche, die in eigenen Reihen Kindesmissbrauch vertuscht, sollte nicht mit Fingern auf andere zeigen.

„Gleichgeschlechtliche Paare sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen“

. . . Dankbar sind wir für Ihre Äußerung, sich gegen jegliche Diskriminierung zu wenden. Dankbar haben wir auch die Äußerungen von Weihbischof Matthäus Karrer aufgenommen, dass Segnungen zum pastoralen Alltag der Seelsorge gehören, damit auch die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren. . . . Eine Kirche, die hellhörig auf die Zeichen der Zeit achtet, . . . müsste inzwischen wahrgenommen haben, dass gleichgeschlechtliche Paare in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Eine Antwort im Sinne Jesu kann keine Dialogverweigerung, schon gar keine Segnungsverweigerung sein, wenn die Paare einen verantwortungsvollen vom Glauben getragenen Weg für ihr Leben suchen. Die Botschaft vom Reich Gottes lebendig zu halten und zu gestalten, so, dass sie für alle eine Lebenshilfe wird, darf wohl unser aller Anliegen sein. Insofern wenden wir uns gegen alle apodiktischen Vorgaben, die keinen Dialog ermöglichen.“

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