Kornwestheim Alles in allem ein „sehr schönes Land“

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Von Ost nach West gewandert: Peter-Otto Hilsenbek (links) und Cornelius Schuttack Foto: Anne Rheingans

Kornwestheim - Mindestens elf Kilogramm schwer ist der Rucksack, 20 bis 30 Kilometer Strecke sind pro Tag zu Fuß zu bewältigen und dies teils über unwegsames, unbekanntes Gelände: Was für viele schon als einmaliges Vorhaben zu anstrengend klingt, haben Cornelius Schuttack und Peter-Otto Hilsenbek an fast zehn Tagen hintereinander auf sich genommen – und das nun im fünften Jahr in Folge. Vor Kurzem haben die beiden ihr Wanderprojekt abgeschlossen. Nun sind sie um einige Eindrücke und Erfahrungen reicher.

Der Kornwestheimer Schreinermeister und Künstler Hilsenbek und sein Freund Schuttack, der nun am Bodensee lebt, früher aber ebenfalls in Kornwestheim wohnte, hatten sich viel vorgenommen. Ihre Idee: Deutschland quer vom äußersten Osten bis ganz nach Westen zu durchwandern, also von Görlitz bis Aachen. Dass sie die etwa 1000 Kilometer lange Strecke nicht in einem Jahr schaffen würden, war für die beiden schnell klar. Sie schmiedeten daher den Plan, pro Jahr acht bis zehn Wandertage einzulegen. Dann, so lautete das Vorhaben, müsste die Strecke innerhalb von fünf Jahren zu schaffen sein. 2015 starteten sie mit der Strecke Görlitz – Meißen, die letzten Etappen vor wenigen Wochen führten sie von Olpe bis nach Aachen.

Mit längeren Touren kannten sich die beiden schon vor dem Start aus. Hilsenbek hatte bereits Deutschland von Norden nach Süden durchwandert. Schuttack war zuvor schon mit dem Fahrrad von Cuxhaven bis nach Prag gefahren. Für das Duo war es auch nicht die erste gemeinsame Unternehmung. Bereits 2011 und 2013 hatten sie die Schweiz von Konstanz nach Chiasso durchquert. Danach waren sie auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. So entstand die Idee einer Ost-West-Querung. „Es ging uns vor allem darum, die neuen Bundesländer kennenzulernen“, erklärt der 70-jährige Cornelius Schuttack.

Bei ihrer Recherche fanden sie heraus, dass es einen sogenannten „Wanderweg der Deutschen Einheit“ gibt. Diese innerdeutsche Strecke wollten die beiden abwandern. Doch es gab ein Problem: Die Navigation gestaltete sich bisweilen schwierig, denn die Route bedient sich lokaler Wanderwege. „Dadurch war der Weg nicht gut ausgeschildert“, erläutert Schuttack. „Und es gab dazu kein Kartenmaterial, nur eine kleine Broschüre“, ergänzt der 66-jährige Hilsenbek. Davon ließen sich die zwei Männer jedoch nicht entmutigen. Sie wollten die Strecke trotzdem gehen.

Mit dem Zug machten sich die beiden im Mai 2015 auf zum Ausgangspunkt. Doch schnell machte sich die erste Ernüchterung breit, denn es stellte sich heraus, dass die anstrengende Strecke durch das Erzgebirge aus gesundheitlichen Gründen für Schuttack nicht machbar war. Kurzerhand musste also noch einmal umgeplant werden. Allerdings beinhaltete auch die Alternativroute noch schwere Passagen. Doch davon ließen sich die Männer nicht unterkriegen – ebenso wenig wie von den anderen Herausforderungen, die auf die beiden noch in den fünf Jahren warteten.

Das Duo konnte immer nur die jeweils nächste Übernachtung buchen, weil sich erst kurzfristig herausstellte, wann sie wo ankommen würden. Auf die Schnelle eine Unterkunft zu finden, war dabei nicht immer einfach. Mal war weit und breit keine Pension, keine Jugendherberge oder kein Hotel anzutreffen, mal war bereits alles ausgebucht. Mehrfach mussten sie auch saftige Preise in Kauf nehmen. „Ein Urlaub auf Teneriffa wäre am Ende sicherlich günstiger gewesen“, sagt Schuttack schmunzelnd.

Unterwegs war die beiden am Ende nicht nur auf dem Einheits-Wanderweg, sondern auch auf Pilgerstrecken. Dennoch gab es Tage, an denen sie keine anderen Wanderer antrafen. So blieb viel Zeit, miteinander zu reden und zu diskutieren. Vor allem bei den Themen VfB und Stuttgart 21 sei man sich nicht einig geworden, verraten sie lachend. An anderen Tagen machten sie interessante Begegnungen. In Erinnerung geblieben ist ihnen beispielsweise der Wirt eines griechischen Restaurants, der früher einmal in der hiesigen Region wohnte, nun im Landkreis Meißen lebt und sich über Fremdenfeindlichkeit in Sachsen beklagte. Die AfD-Ergebnisse der jüngsten Landtagswahlen im Osten hätten sie daher nicht überrascht, sagt Schuttack.

Die Ausmaße des Waldsterbens haben sie in diesem Sommer betroffen gemacht. Aber sie können auch von positiven Eindrücken berichten. „Was wir mitgenommen haben ist, dass wir in einem sehr schönen Land leben“, sagt Schuttack. Immer wieder wurden sie entlang des Wegs mit landschaftlich eindrucksvollen Ausblicken belohnt.

Und wie geht es im kommenden Jahr weiter? Ein neues Projekt haben die beiden noch nicht ins Auge gefasst. Aber eine weitere größere Tour ist für sie schon vorstellbar, dann vielleicht mit dem Fahrrad.

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