Kornwestheim Alloheim: neuer Chef geht schon wieder

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Das Kornwestheimer Alloheim Foto: Marius Venturini

Kornwestheim - Erst vor rund zwei Wochen hatte die Leitung des Kornwestheimer Alloheims die Pforten des Seniorenzentrums für unsere Zeitung geöffnet. Zum journalistischen Fototermin, natürlich mit Maske, kamen Regionalleiter Martin Strobl, Übergangs-Pflegeleiterin Annette Prunn und der neue Einrichtungsleiter Andreas Korn zusammen. Korn hatte im Mai die Stelle angetreten, eine neue dauerhafte Pflegeleitung solle im Juli kommen. Die schlimmsten Auswirkungen der Corona-Krise seien nun im Alloheim bewältigt, hieß es des Weiteren: Das Pflegeheim war hier schlimm betroffen davon, binnen weniger Wochen im April starben 13 Senioren und Seniorinnen an oder mit dem Virus. Nun jedenfalls lautete die Botschaft: Alles im Griff, wir schauen wieder nach vorne.

Ganz rund läuft es in dem Seniorenzentrum aber wohl doch nicht. Denn mittlerweile steht fest: Der 35 Jahre alte Andreas Korn wird das Kornwestheimer Alloheim bereits Ende Juni wieder verlassen. Aus der Unternehmenszentrale – die Alloheime sind eine 150 Pflegeheime zählende Gruppe – heißt es hierzu, die privaten Lebensumstände von Korn hätten sich verändert, er wolle wieder in der Nähe seines Heimatortes tätig sein. Korn, der eine Ausbildung als Altenpfleger sowie ein Fernstudium Pflegemanagement abgeschlossen hat, lebt mit seiner Familie in Wendlingen am Neckar. Im Gespräch mit unserer Zeitung vor zwei Wochen hatte er betont, das Pendeln nach Kornwestheim mit dem ÖPNV sei kein Problem für ihn.

Wie geht es nun weiter?

Wie es nun an dieser Stelle weitergeht? „Seine Position übernimmt bis auf Weiteres Frau Annette Prunn, die das Haus bereits seit Anfang Februar als Interimsmanagerin leitet“, heißt es hierzu vom Unternehmen.

Über die unerwarteten Änderungen auf der Führungsebene hinaus gibt es außerdem einen Streit – es geht um’s Geld – mit einem geringfügig beschäftigten Mitarbeiter. Hans Ortolf, langjährige helfende Hand im Bereich Gartenarbeit im Alloheim Kornwestheim, ärgert sich über die Einrichtung. Er berichtet, man habe ihm ab Februar zunächst kein Gehalt mehr überwiesen. Auf Nachfrage habe es geheißen, dass sein Stundenlohn auf den Mindestlohn reduziert worden sei, und dies auch noch nachträglich für das Jahr 2019 gelte – weswegen im Frühjahr Gehälter nicht mehr flossen. „Ich wurde vertragswidrig, wie ich von der Heimleitung erfuhr, im Jahr 2019 auf Mindestlohn gesetzt.“ Mittlerweile sei wohl die nachträgliche Reduzierung zurückgenommen worden – er warte aber weiterhin auf fehlende Zahlungen aus dem Frühjahr, rund 700 Euro fehlen demnach derzeit noch.

Und die künftige Reduzierung? „Ich habe nie einen Änderungsvertrag, eine Änderungskündigung unterschrieben“, sagt Ortolf. Er will erfahren haben, dass andere Geringbeschäftigte ähnliche Diskussionen auszufechten hätten.

Mitarbeiter beschwert sich

In den Alloheimen will man den Fall aus Datenschutzgründen nicht direkt kommentieren. Eine Sprecherin äußerst sich nur allgemein. „Grundsätzlich gibt es zu Lohn- und Gehaltsabrechnung in unserer Einrichtung in Kornwestheim in der Summe keine außergewöhnlichen Rückfragen“, sagt sie. „Allerdings sind wir immer auf die Mitarbeit der Beschäftigten angewiesen, wenn es sich um persönliche, abrechnungsrelevante Daten handelt. Die Lohn- und Gehaltsabrechnung darf nur auf Basis von gesicherten Unterlagen und Angaben erfolgen, da unsere Abrechnungen auch regelmäßig von externen Stellen geprüft werden.“ Sie hebt die Mitverantwortung des jeweiligen Mitarbeiters beim Beibringen von Dokumenten hervor, und ergänzt: „Bezieht sich ein Mitarbeiter – beispielsweise nach dem Weggang eines Vorgesetzten – auf ‚mündliche Sonderabsprachen’, muss dazu ebenfalls ein entsprechender Nachweis erbracht werden, da in unserem Unternehmen mündliche Nebenabreden grundsätzlich ausgeschlossen sind. Ebenso ist die Beibringung korrekter Stundenaufstellung zwingend für eine korrekte Abrechnung notwendig. Fehlen einer oder mehrere Nachweise dazu, werden verständlicherweise keinerlei auf dieser Basis geforderten ‚Sonder- oder Nachzahlungen’ ausgelöst.“ Bedeutet das also, dass Hans Ortolf seine bisherigen Honorierungen und Stundenkontingente auch auf Basis mündlicher Absprachen mit früheren Führungskräften erhalten hat, Absprachen, die teils schriftlich nicht festgehalten wurden? Man kann das so lesen, aber eine Bestätigung, derlei mit dem Verwaltungswustdeutsch gemeint zu haben, gibt es vom Alloheim nicht.

Einen weiteren Aspekt bringt Yvonne Baumann von der Gewerkschaft Verdi ein, die in Baden-Württemberg  für den Fachbereich Gesundheit und Soziales für Altenpflege verantwortlich zeichnet: „Geringfügig und Teilzeit-Beschäftigte wurden in vielen Pflegeheimen als Personalreserve flexibel eingesetzt. Die aktuelle Rechtsprechung schiebt nun endlich einen Riegel vor und schützt Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und ihre Familien. Die Arbeitgeber sind aufgerufen, für alle Beschäftigten verlässliche Dienstpläne zu machen und unfreiwillige Teilzeit zu beenden.“ Ortolf jedenfalls hat schon längst gekündigt. „Das hat keinen Sinn mehr für mich gemacht“, sagt er. Er behalte sich außerdem vor, demnächst zur Klärung vors Arbeitsgericht zu ziehen.

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