Kornwestheim „Vier Vermummte stürmten auf mich los“

Von
Im Prozess gegen fünf junge Männer hat nun das Opfer des bewaffneten Angriffs ausgesagt. Foto: dpa

Kornwestheim - Es ist ein emotionaler Prozesstag gewesen vor der vierten Strafkammer des Stuttgarter Landgerichtes. Mehreren der insgesamt fünf Angeklagten war am Montag deutlich anzumerken, dass nach monatelangen Verhandlungen die Nerven blank liegen. Zwischenzeitlich eskalierte dann auch zwischen dem 25-jährigen Hauptangeklagten, dessen Rolle noch immer nicht ganz geklärt ist, und seinem bereits geständigen Mitangeklagten ein Streit, der laut und auf Türkisch ausgetragen wurde. Auch Worte, die als Drohung gegenüber einer Zeugin gewertet werden konnten, fielen später in Richtung Publikum. Die Vorsitzende Richterin fand mehrfach deutliche Worte zu diesen Vorgängen.

Zur Erinnerung: Schon seit dem vergangenen Jahr verhandelt die vierte Strafkammer gegen fünf junge Männer. Ihnen wird vorgeworfen, im Februar 2018 ihr Opfer in der Kornwestheimer Dorfwiesenstraße mit Hieb-, Stich- und Schlagwaffen angegriffen zu haben. Bei der Attacke ging es wohl auch um Machtgehabe. Das Opfer des Konflikts gehörte früher einmal den heute verbotenen Red Legions an, einer kurdischen Gruppierung. Die Angeklagten wiederum sollen in gangähnlichen Strukturen unterwegs gewesen sein und könnten der mittlerweile ebenfalls verbotenen türkischen Gruppierung Osmanen nahe gestanden haben. Zumindest der 25-Jährige soll in deren Kreisen unterwegs gewesen sein.

Das Opfer jedenfalls sagte am Montag erstmalig aus. Zwar war der ebenfalls 25-Jährige schon einmal geladen. Damals trug er aber nicht viel bei, weil parallel gegen ihn ein Verfahren lief. Dieses ist nun abgeschlossen, unter anderem wegen Freiheitsberaubung wurde er vergangene Woche zu einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt. Um eine Aussage kam er nun nicht mehr herum.

Vor Gericht gab sich das Ex-Legion-Mitglied, von seinem Strafverteidiger begleitet, aber zumindest in Teilen redselig. Der junge Mann bestätigte noch einmal den bereits bekannten Ablauf des Angriffs, auch zu Schlägen mit einer Machete sei es gekommen, er präzisierte die Ereignisse währenddessen („Ich saß im Auto, als vier Vermummte auf mich losstürmten“) und nach dem Angriff („Ich hatte sieben Schnittwunden, bin aber noch selbst ins Krankenhaus gefahren“). Wenig hilfreich waren allerdings seine Ausführungen zum eigentlichen Grund des abendlichen Angriffs.

Den konnte sich das Opfer selbst nicht so richtig erklären. Der junge Mann bestätigte zwar die Rivalität zwischen den Red Legions („Ich war Mitläufer“) und Teilen der Angeklagten. Aber er habe die meisten von diesen ja gar nicht persönlich gekannt. Mit dem 25-jährigen mutmaßlichen Strippenzieher sei er zwar zur Berufsschule gegangen, und man habe sich später „böse Blicke“ zugeworfen. Warum aber ausgerechnet er als Opfer der Attacke ausgewählt worden sei, das wisse er nicht, und auch zu den Drohgebärden gegen einen Freund der Angeklagten in einem Stuttgarter Friseursalon sagte er nicht viel.

In Bezug auf den 25 Jahre alten Hauptangeklagten kam das Gericht dann aber noch etwas weiter. Die vier übrigen Täter haben ihr Mitwirken an dem Überfall bereits im Großen und Ganzen eingeräumt, auch Entschuldigungen gab es bereits.

Der 25-Jährige war aber gar nicht bei der Attacke vor Ort. Wie und ob er an den Planungen beteiligt war, das versucht das Gericht weiterhin zu klären. Außerdem steht noch im Raum, inwiefern seine Drogenvergangenheit schuldmildernd wirken könnte. Hierzu sagten seine Verlobte, ein Freund, die Ex-Freundin und zwei frühere Arbeitskollegen aus. Dass er früher regelmäßig Kokain gezogen habe, auch gekifft und Beruhigungsmittel genommen habe, das bestätigten direkt oder indirekt mehrere der Zeugen.

 
 

Sonderthemen