Kornwestheim Apps allein helfen im Beruf selten weiter

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Violeta Asllani aus Kornwestheim bildet sich in einem Kursus weiter, um ihre digitalen Fähigkeiten auszubauen. Sie sucht eine neue Stelle. Foto: Anne Rheingans

Kornwestheim - Eine Bewerbung schreiben und per E-Mail gleich versenden, das ist längst nicht für alle eine Selbstverständlichkeit. Mit dem Smartphone kennt sich Violeta Asllani aus Kornwestheim zwar aus, bei der Arbeit am PC hapert es noch an einigen Ecken. Das kann nicht nur bei einem Job sehr hinderlich sein, sondern erschwert bereits die Suche nach einer Stelle, wie die Kornwestheimerin inzwischen aus eigener Erfahrung weiß. Sie nimmt daher mit Gleichgesinnten an einem sechswöchigen Seminar teil.

Bis Anfang des Jahres hat die Jobsuchende noch im Lager ihres Mannes gearbeitet – dann stellte die Firma aus dem Bereich Transportwesen ihren Betrieb ein. Während die Kornwestheimerin früher mit Zettel und Stift arbeiten konnte, sieht sie sich künftig mit der Herausforderung konfrontiert, sich auch in der digitalen Welt auskennen zu müssen. Sie würde gerne in den Einzelhandel wechseln. Doch auch in dieser Branche muss sie mit dem PC und digitalen Endgeräten umgehen können. Weil die Kornwestheimerin kein Einzelfall ist, gibt es den Kursus „IT für alle – Digitale Grundbildung“ bei der Bildung und Berufliche Qualifizierung (BBQ) gGmbH in Ludwigsburg, einem Unternehmen des Bildungswerks. Sebastian Faber, regionaler Projektleiter für berufliche Qualifikation und Rehabilitation, hat sich das Konzept zusammen mit seinem Team ausgedacht. Der Kornwestheimer ist nun für das Projekt zuständig und dafür verantwortlich, es auch außerhalb des Landkreises, in anderen Teilen von Baden-Württemberg, zu etablieren. In Zusammenarbeit mit dem Jobcenter und der Agentur für Arbeit sollen Bewerber fit für die heutige Berufswelt gemacht werden.

Immer wieder stellen Personaler und Jobvermittler fest, dass die digitalen Kompetenzen möglicher Kandidatinnen und Kandidaten für eine Stelle eher gering sind, und das unabhängig vom Alter. Der Kursus setzt an, die Vermittlungschancen zu verbessern und die Folgen der digitalen Spaltung abzumildern, sagt Sebastian Faber. Auch im Niedriglohnsektor und bei vergleichsweise einfachen Tätigkeiten müssten die Bewerber digitale Kompetenzen mitbringen, zum Beispiel mobile Endgeräte bedienen können. „Die Auswahlkriterien werden immer härter. Wer das nicht kann, wird wieder nach Hause geschickt“, sagt er. Fehlen die entsprechenden Kenntnisse, sei eine gesellschaftliche und damit eine berufliche Teilhabe umso schwerer, erklärt Faber.

Bei einigen Jobsuchenden beginnen die Schwierigkeiten schon im Bewerbungsprozess. Manche haben zu Hause keinen PC oder Laptop, weil sie nur noch mit dem Smartphone oder einem Tablet umgehen. Das Bedienen von Apps fällt ihnen nicht schwer, aber ein längeres Anschreiben in einem Textverarbeitungsprogramm zu verfassen, das kann schon zum Problem werden, hat Faber festgestellt. Wer nicht wisse, was dabei zu beachten ist, habe es schwer. „Wir haben schon Fälle erlebt, in denen 300 Bewerbungen erfolglos versendet wurden“, sagt Stefan Betsch, der den aktuellen BBQ-Kursus leitet. Hinzu komme, dass viele Arbeitgeber erwarten, dass eine digitale Bewerbungsmappe erstellt und per E-Mail verschickt wird. Und: Nicht selten sind den Jobsuchenden die Techniken der Onlinerecherche fremd, was es für sie schwieriger macht, überhaupt ausgeschriebene Stellen zu finden. „Deshalb kann sich die Zeit der Arbeitslosigkeit erhöhen“, weiß Faber.

An diesen Punkten setzt der Kursus an, der in Teilzeit belegt wird und aus 161 Unterrichtseinheiten besteht. „Ziel ist es, die analoge Denke der Teilnehmer in eine digitale Denkweise zu verändern“, betont Faber. Zu den Inhalten gehören Kenntnisse in den Bereichen Hard- und Software, verschiedene Endgeräte und ihre Bedienung, der Umgang mit Onlinekommunikation, das Erstellen von Bewerbungsunterlagen und die Handhabung von Karriere- und Jobportalen. Etwa 15 Teilnehmer aus dem Landkreis werden zeitgleich bei der BBQ geschult.

Bei Violeta Asllani kommt der Unterricht an. Sie konnte schon einiges daraus mitnehmen. „Mir gefällt es gut“, sagt sie – und hofft, dass sie auch dadurch bald einen Job in der Nähe findet.

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