Kornwestheim Auch morgens um sieben ist die Welt nicht in Ordnung

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Ein namenloser Hamsterkäufer. Foto: dpa

Kornwestheim - Kein Toilettenpapier mehr?“, fragte der junge Mann die Kassiererin. Das war am Montagabend kurz vor Ladenschluss. Sie schüttelte mit dem Kopf, gab ihm und den hinter ihm Wartenden, zu denen ich mich auch zählen durfte, aber einen heißen Tipp: Am Mittwochmorgen stehe um 7 Uhr eine frische Lieferung zur Verfügung. „Aber seien Sie pünktlich“, gab sie uns mit auf den Weg. Das Toilettenpapier sei erfahrungsgemäß schnell weg. Dem jungen Mann schwatzte sie dann noch ein Päckchen Trockenhefe, das sie an der Kasse gebunkert hatte, auf – derzeit ebenfalls Mangelware. Ich hatte nicht das Gefühl, dass der Kerl, Marke Hipster, wusste, was Trockenhefe ist, aber er hat ein Päckle gekauft. Was man hat, das hat man.

Gestern Morgen, kurz vor sieben: Rund 25 Personen haben sich vorm Rewe-Markt versammelt. Die Abstandsregeln werden mehr oder weniger eingehalten, ob vorm Supermarkt wartende Kunden gegen das Versammlungsverbot verstoßen, sollen Juristen klären. Ein Mann schimpft, dass es ja schon wie einst in der DDR sei. Es ist einfach zu früh, um mit ihm über die Notwendigkeit der Maßnahmen zu diskutieren.

Die Tür ist noch geschlossen, der Sicherheitsdienst hat seinen Posten bezogen. Punkt 7 dürfen die ersten 15 Kunden den Markt betreten. Im Gänsemarsch gehen sie an der Brottheke vorbei ins Reich der Lebensmittel und Hygieneartikel. Ein älterer Herr, der garantiert zur Risikogruppe gehört und besser daheim bleiben sollte, versucht nach links auszubrechen, will an der Kasse vorbei direkt zum Toilettenpapier vordringen. Die Verkäuferin pfeift ihn zurück. So ist hier nicht gewettet worden.

Draußen haben sich derweil vier Handwerker zu den Wartenden gesellt. „Ihr wollt nur euer Vesper holen?“, fragt eine Verkäuferin. Die Herren nicken und werden zusätzlich in den Markt gelassen. Nur das Vesper holen? Von wegen. Ein Handwerker hat sich auch ein Zehnerpack Klopapier gegriffen.

Das Angebot an dem Tissue-Papier ist übersichtlich. 15 Zehner- und zwölf Achterpacks mit Bioware liegen in den Regalen. Und dazu ein paar Päckle mit dem Dekor-Toilettenpapier „Fußball“. Ganz ehrlich: Die Bundesliga ersetzt das nicht.

Die Kunden, die an der Kasse ohne Toilettenpapier anstehen, lassen sich an einer Hand abzählen. Und die braucht auch nur über zwei Finger zu verfügen.

Wie lange der dürftige Vorrat an Toilettenpapier im Rewe gestern gereicht hat, ich weiß es nicht. Es ist mir derzeit auch nicht bekannt, wann die nächste Lieferung eintrifft. Sie müssen halt die Ohren spitzen – und dann auch mal morgens ein Stündchen eher aufstehen. Denn nur der frühe Vogel fängt das Klopapier.

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