Kornwestheim Auf Abstand, aber trotzdem in Gemeinschaft

Von
Baustelle Martinushaus: Noch ist einiges zu tun. Foto: Peter Mann

Kornwestheim - In anderen Jahren hätte das für die Gemeinde St. Martinus Anlass zu ungetrübter Freude geboten. „Das schönste Wetter haben wir heute“, sagte denn auch Pfarrer Franz Nagler beinahe bedauernd. Aber die Gemeinde mache das Beste daraus, „was in dem Rahmen halt möglich ist“, so der Theologe.

Bei strahlendem Sonnenschein war beim Kirchweihfest zum 100-jährigen Gemeindebestehen immerhin zum Auftakt ein fröhlicher Open-Air-Gottesdienst möglich. Gläubige aller Altersstufen und verschiedener Nationalitäten saßen auf Abstand, aber trotzdem in Gemeinschaft auf dem ganzen Kirchenvorplatz und noch ein Stück weit auf den sonnenbeschienenen Zugangswegen rechts und links der Kirche. Im Hintergrund zwitscherten fröhlich und unbekümmert Spatzen.

Getreu der Vorgaben hielten sich die Gemeindemitglieder dagegen mit der Lautstärke ihres Gesanges zurück. In dieser Situation erwies sich Pfarrer Franz Nagler als text- und melodiesicherer Vorsänger. Als ausdrucksstark agierende Instrumentalisten waren Peter Döser (Piano) und Jerzy Andrzejewski (Violine) für die Begleitung der Gemeindelieder zuständig. Jurek, wie er in St. Martinus inzwischen freundschaftlich genannt wird, ist ein langjähriger musikalischer Weggefährte des Kornwestheimer Kirchenmusikers. Er hat mit der Camerata Pforzheim zahlreiche Kirchenkonzerte in St. Martinus mitgestaltet und zeigte seine stilistische Vielfältigkeit mit einem „Intermezzo“ von Pietro Mascagni als Gottesdienst-Nachspiel und Kaffeehausmusik am Nachmittag.

Pfarrer Franz Nagler indes gewann in seiner Predigt, eingerahmt von der Geschichte von zwei Hühnern und einem Hochhaus sowie einem Zitat von Rainer Maria Rilke, dem bekannten Gleichnis vom Sämann verschiedenste Facetten ab. „Das Leben ist endlich, aber in jedem Moment kann etwas Neues geboren werden“, zog er die Analogie zur biblischen Geschichte. Das habe man in unserer „überdrehten Burnout-Konsumgesellschaft“ besonders in der Zeit des Stillstands wahrgenommen.

„Die Zeit wird sich auch in der Kirche ändern“, war Franz Nagler überzeugt und fand so einen direkten Übergang zum Umbau des sogenannten Schwesternhauses der Franziskanerinnen von 1929 in das Martinushaus, das im Anschluss an den Gottesdienst besichtigt werden konnte. Franz Scheuermann und Uli Hoch führten kleine Gruppen von Interessierten durch das Gebäude, dessen endgültige Gestalt auf einer Zeichnung am Bauzaun zu sehen war. Daneben hatten Kindergartenkinder ihre Impressionen aus der Zeit des Lockdowns zu Papier gebracht. Weiter hinten war in der Chronologie zu lesen, dass fast genau vor 100 Jahren, am 11. Juli 1920, die erste katholische Kirche in Kornwestheim ihren Dienst aufnahm.

Im Untergeschoss des Martinushauses, so erfuhr man bei der Führung, werden das Kleiderstüble und der Tafelladen ihre neue Heimat finden. Dabei habe man, so Franz Scheuermann, bei der Planung des Innenausbaus mit Tafelladen-Regalen und einer besseren Möglichkeit zum Sortieren und Präsentieren gebrauchter Kleidung der Tatsache Rechnung getragen, dass strenge Hygieneregeln wohl noch länger gelten werden.

Im Erdgeschoss des Gebäudes fällt vor allem der helle große Multifunktionssaal ins Auge. Dort soll, so Uli Hoch bei der Begehung, auch eine Bewirtung auf dem vorgelagerten Balkon möglich sein, sodass man später Kaffee und Kuchen statt wie jetzt auf dem Vorplatz auch dort wird genießen können.

Im ersten Stock entstehen gerade Studentenzimmer, wie Pfarrer Franz Nagler berichtete. Im Stock darüber werde es später Wohnungen, ebenfalls „für bezahlbare Preise“, geben.

Artikel bewerten
1
loading
 
 

Sonderthemen