Kornwestheim Auf die innige Verbindung kommt es an

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Gut aufeinander eingespielt: Carola Leder mit Lady und Freya Foto: Gülay Alparslan

Kornwestheim -

Auf den richtigen Ton kommt es an. Das gilt für Menschen ebenso wie für Tiere. Wer führt schon gerne Anweisungen aus, wenn diese gebrüllt serviert werden? Carola Leder muss nicht brüllen, sie muss nicht einmal besonders laut sprechen. Die Hundetrainerin und ihre elf Jahre alte Hündin harmonieren auch so perfekt. In einem kaum hörbaren Ton erteilt Leder ihre Kommandos: „Sitz“, „Platz“, „Fuß“ oder „Hier“. Die Hündin – ein Border Collie namens Lady – folgt ihrem Frauchen aufs Wort. Dafür gibt es dann auch sofort eine Belohnung in Form von Leckerlis.

Den respekt- und liebevollen Umgang mit Hunden hat Carola Leder von klein auf gelernt. Als Tochter eines Hundetrainers kam sie bereits im Kindesalter mit den Vierbeinern in Berührung und ließ sich von der Leidenschaft ihres Vaters anstecken. Über ihn kam die 27-Jährige dann auch zum Hundesportverein Kornwestheim. Mittlerweile ist die junge Mutter knapp sieben Jahre selbst Übungsleiterin – und das sehr erfolgreich. So gewann sie unter anderem den Jugend-Kombi-Cup-Preis oder die südwestdeutsche Meisterschaft. Bei verschiedenen anderen Turnieren in unterschiedlichen Hundesportarten hat sie jedes Mal auf Anhieb die höchste Punktzahl geholt und schaffte es mit Hündin Lady, die Leder seit ihrem 15. Lebensjahr besitzt, stets im ersten Anlauf in die nächst höhere Klasse.

Auch in einem noch recht neuen Trend im Hundesport ist das Gespann seit Kurzem sehr erfolgreich: Carola Leder und Lady haben im sogenannten „Rally Obedience“ die dritte und damit höchste Klasse erreicht. Bei Rally Obedience handelt es sich um einen neuen Trendsport für Hunde aus den USA. Dabei sagt schon der Name, worum es bei der Sportart geht: um einen Parcours-Wettbewerb (Rally) und den Gehorsam (Obedience) des Hundes.

Das klingt strikt. Ist es aber nur teilweise. Im Vordergrund steht bei dieser Sportart der Spaßfaktor für Hund und Halter. Als eine Kombination aus den beiden Hundesportarten Agility (Behändigkeit) und Obedience liegt der Fokus beim Rally Obedience hauptsächlich auf Konzentration und Teamarbeit. Die Besitzer dürfen ihre Hunde bei Turnieren anfeuern, loben und gelegentlich auch belohnen. Zudem muss der Parcours nicht auswendig gelernt werden, sondern es gibt verschiedene Schilder mit Anweisungen. Er kann auch immer wieder variiert werden. Hundebesitzer müssen sich jedoch an das Regelwerk des Verbands für das Deutsche Hundewesen (VDH) halten, kleinste Fehler führen zum Punktabzug oder gar zur Disqualifikation.

Dass Hündin Lady die Verhaltensregeln perfekt beherrscht, stellt sie an diesem Nachmittag problemlos unter Beweis. Ohne große Ansagen stellt sie sich am Startplatz auf und überwindet nach einem kurzen Zuruf von Carola Leder ein Hindernis, um anschließend beim nächsten Hinweisschild auf weitere Anweisungen zu warten. Dieses Jahr wird die gelehrige Schülerin aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters zum letzten Mal in der Klasse 3 starten, um dann zu den Senioren zu wechseln. Ebenfalls an den Start geht die zweijährige Freya, eine weiße Schäferhündin, die noch nicht ganz so professionell auftritt wie Lady, aber auch schon – trotz ihres jungen Alters – die Klasse 1 erreicht hat.

In den USA erfreut sich Rally Obedience bereits seit mehreren Jahren großer Beliebtheit. Der Hundesportverein im Moldengraben bietet den Kursus seit rund vier Jahren an. Eingeführt hat ihn Kurt Nitschke, Vater von Carola Leder und ebenfalls Übungsleiter im Verein. „Auf der Suche nach neuen Trainingseinheiten ist er auf diverse Youtube-Videos zu Rally Obedience gestoßen“, so Leder. Schnell konnte er auch seine Tochter von dem neuen Sport überzeugen. Die Ausbildung der Hunde erfordert zwar viel Geduld und Disziplin, aber man kann das Training sehr gut in den Alltag einbauen.

Mindestens ein Jahr bereitet Leder ihre beiden Hunde auf die Prüfung vor. Trainiert wird fast täglich mit mehreren Pausen. Die Trainingseinheiten dauern nie länger als fünf bis zehn Minuten, damit die Hunde nicht überfordert werden. Der Vorteil bei dieser Sportart liegt darin, dass man selbst beim Gassigehen trainieren kann. So wird auch ein einfacher Spaziergang abwechslungsreich. Und wie kommt der neue Hundesport bei den Mitgliedern an? Rally Obedience erfreut sich auch hierzulande zunehmend größerer Beliebtheit. Momentan betreuen Leder und ihr Vater 20 Hunde. Das mag zunächst wenig klingen, verteilt auf zwei Übungsleiter mit mehreren Trainingsstunden wird jedoch ersichtlich, wie hoch die Nachfrage ist.

Die Beliebtheit des Sports lässt sich auch damit begründen, dass praktisch jeder Hund und jeder Besitzer Rally Obedience ausüben kann. Egal ob jung oder alt, ob mit Behinderung oder ohne, die Übungen und Reglements können an fast alle Umstände angepasst werden. „Wir haben zum Beispiel einen Hund im Verein, der taub ist und dennoch mitmachen kann. Es klappt alles bestens. Die innige Verbindung zum Hund ist das Wichtigste“, erklärt Leder.

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