Kornwestheim Austausch über Branchengrenzen hinweg

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Probesitzen in der Ape: Bürgermeisterin Martina Koch-Haßdenteufel informiert sich über Epples Kompetenzzentrum. Foto: Horst Dömötör

Kornwestheim - Jeden Samstagmorgen, berichtet der Kornwestheimer Unternehmer Tobias Epple, fährt er mit seiner Ape, einem dreirädrigen, italienischen Kleintransporter, zum Getränkemarkt. Besonders schnell fährt die Ape nicht – gerade mal 45 Stundenkilometer bringt sie auf die Straße. „Ich überlege immer wieder, ob ich sie nicht doch verkaufe“, gibt Epple zu. Aber sein Herz hänge zu sehr daran – und an der Ape könne man auch immer genau erkennen, womit er sich gerade am meisten beschäftigt.

Der Inhalt seiner Tage, das ist für Epple aktuell die Firma, die er neu gegründet hat. Auf der Seite des kleinen Transporters hat Epple eine Werbetafel angebracht, das Logo prangt auf beiden Türen. Mit dem „Kompetenzzentrum für Führung und Betrieb“ möchte Epple andere Unternehmer aus ganz Deutschland zusammenbringen und ein Expertenforum schaffen.

Viele Unternehmer suchen nach Lösungen

„Wir befinden uns gerade in einer Phase, in der viele Unternehmer nach Lösungen suchen“, erklärt Epple. Als Bezirksdirektor der LBS Ludwigsburg erlebe er täglich, wie ratlos viele Unternehmer im Zuge der Corona-Krise sind. „Mir haben da Transparenz und Austausch gefehlt.“ Über den Internetauftritt des Kompetenzzentrums sollen gerade diese Menschen nun Gleichgesinnte finden können, die in einer ähnlichen Phase sind. „Unser Kompetenzzentrum richtet sich an Unternehmer, die sich fragen: Wie machen die anderen das? Wie kommen die durch die Krise? Und wie gestalten wir die Zeit danach?“ Wichtig ist Epple dabei der positive Blick nach vorne: „Die Krise ist nicht die große Chance“, findet er. „Aber sie ist auch nicht der große Untergang.“

Ganz konkret sieht die Arbeit des Kompetenzzentrums so aus: Wer „Member“ (deutsch: Mitglied) wird, kann über den Internetauftritt von Epples Firma als Experte gelistet werden und Kontaktdaten hinterlegen. Qualität geht hier über Quantität. „Ich habe lieber 50 bis 100 wertige Mitglieder, als nur Menschen zu sammeln“, erklärt Epple. Deshalb gibt es mit jedem Unternehmer, der gerne Member werden will, ein Einstiegsgespräch. Dabei klopfen Epple und seine bisher einzige Mitarbeiterin besonders die unternehmerischen und ethischen Werte des Kandidaten ab. „Die Mentalität muss passen“, sagt Epple, die Branche spiele keine Rolle. Der Zugriff auf die Kontakte ist auch für Nicht-Mitglieder möglich. So will Epple möglichst großen Austausch fördern. „Besonders schön ist es, wenn Menschen Kontakte knüpfen, die nicht natürlich entstehen.“ Über das Kompetenzzentrum hätten sich beispielsweise schon ein Hausverwalter und eine Pferdetherapeutin gefunden. Epple wünscht sich, dass sich das Netzwerk nach Corona auch mehr ins Reale überträgt und nicht nur digital bleibt.

Alles in allem befindet sich das Kompetenzzentrum noch in der Testphase

Rund 50 Interessenten aus ganz Deutschland hätten sich bereits gemeldet, berichtet Epple. Das Kompetenzzentrum und die Homepage seien aber noch im Aufbau, Funktionen noch in der Testphase. Bald sollen Mitglieder etwa auch eigene Beiträge veröffentlichen können. Momentan ist das Angebot kostenlos, das soll auch erst einmal so bleiben.

„Ich habe zwei sehr gesunde Unternehmen, die gut laufen“, weiß Epple. Diese würden das Kompetenzzentrum gerade mitfinanzieren. Gerade, sagt er, werde er bezahlt in Kontakten. Durch das Kompetenzzentrum habe er schon jemanden kennengelernt, mit dem er jetzt ein Buch schreiben will. In fünf Jahren, da möchte er mit dem Kompetenzzentrum langsam Profit machen. Mit welchem Finanzierungsmodell? „Mal schauen“, sagt Epple.

Mit dem neuen Kompetenzentrum möchte Epple auch bewusst die Verbindung zur Stadt suchen. Deshalb stellt er seine neue Firma auch gleich Kornwestheims Bürgermeisterin Martina Koch-Haßdenteufel vor. Die zeigt sich begeistert von der Idee: „Wie schade, dass wir gerade kein Businessfrühstück veranstalten können“, sagt sie beim Pressetermin auf dem Marktplatz. „Da hätten wir das Kompetenzzentrum gleich vorstellen können.“ Immerhin: Das Thema für das erste Businessfrühstück nach Corona steht damit schon.

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