Kornwestheim Autos sollen zwischen Häusern parken

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In der südlichen Bolzstraße sollen 92 neue Wohnungen entstehen. Foto: Dominik Florian

Kornwestheim - Es soll eines der größeren Bauvorhaben in Kornwestheim werden: Die Immobilienfirma Vonovia will in der südlichen Bolzstraße 92 zusätzliche Wohnungen mit circa 6000 Quadratmetern Fläche schaffen. Doch ohne das grüne Licht der Kornwestheimer Gremien lässt sich nur ein Teil der Pläne umsetzen, da der Bebauungsplan dafür geändert werden muss. Baubürgermeister Daniel Güthler gab nun im Ausschuss für Umwelt und Technik einen Überblick über den aktuellen Sachstand.

Schon im März hatte Vonovia die Mieter der ehemaligen Eisenbahnerwohnungen über die geplanten Maßnahmen informiert. In Gesprächen mit der Stadt wurden in der Zwischenzeit weitere Details besprochen. Nach wie vor beabsichtigt das Unternehmen seinen Bestand von derzeit 191 Wohneinheiten in den Gebäuden in Nummer 102 bis 146 in der Bolzstraße zu erweitern.

Das ist auf zwei unterschiedliche Arten vorgesehen. Einerseits sollen die bestehenden Gebäude aufgestockt werden, indem die Dachgeschosse umgestaltet und zu rund 67 weiteren Wohnungen umgebaut werden. Dabei sollen die bisherigen Dächer abgebrochen und durch zurückgesetzte Flachdachaufbauten ersetzt werden. Diese Arbeiten gehen mit einer energetischen Sanierung der Häuser einher. Teilweise ist zudem vorgesehen, Aufzüge einzubauen, um Barrierefreiheit zu schaffen. Für die Aufstockung des Bestands, also die Erhöhung der Gebäude, muss der dortige Bebauungsplan modifiziert werden. Daher muss die Stadt diesem Ansinnen zustimmen, obwohl sich die absolute Höhe der Häuser und der Abstand zwischen den Gebäuden nicht verändere, sagte Güthler. Mit Vonovia soll ein städtebaulicher Vertrag geschlossen werden, damit die Firma, und nicht die Stadt, für die Kosten des Verfahrens und infrastrukturelle Folgekosten aufkommen muss. Durch weitere Wohnungen sei zum Beispiel mit mehr Kindern zu rechnen, für die Plätze an Kitas und Schulen geschaffen werden müssen, erklärte Güthler.

Planungsrecht für Neubauten

Andererseits sind drei komplette Neubauten in der Nähe der Bolzschule geplant. Zwei Gebäude sollen auf Freiflächen entstehen, eins ersetzt das Haus in der Bolzstraße 139. Durch die Abbruch- und Neubaumaßnahmen können nach den Plänen von Vonovia etwa 30 neue Wohneinheiten geschaffen werden. Dies lässt der aktuelle Bebauungsplan der Stadt bereits zu. „Für die Neubauten besteht Planungsrecht“, sagte Güthler dazu. Ausgelegt ist dieses Entwicklungskonzept auf rund vier Jahre. Die Arbeiten sollen in mehreren Stufen erledigt werden.

Ein wichtiges Thema ist nach Ansicht von Güthler die Parkplatzsituation. Schon jetzt gebe es in der südlichen Bolzstraße ein beträchtliches Stellplatz-Defizit, sagte er. Deshalb sei der Stadt sehr daran gelegen, dafür Lösungen zu finden. Allerdings hat Vonovia bereits angekündigt, 138 neue Parkplätze schaffen zu wollen. Autos sollen künftig vor allem zwischen den bestehenden Gebäuden abgestellt werden dürfen. „Uns war wichtig, dass es eine gute räumliche Abgrenzung gibt, damit die Wohnqualität erhalten bleibt“, sagte Güthler und meinte damit, dass – statt der Fahrzeuge – genügend Grün die Optik dominiert. Außerdem hat Vonovia versprochen, fast 300 Stellplätze für Fahrräder in den Gebäuden anzubieten. Zur Bedingung hat es die Stadt zudem gemacht, dass es eine E-Mobilität-Ladesäule und zwei Carsharing-Angebote geben muss.

Auch die Verkehrsproblematik wurde in den Gesprächen mit Vonovia angesprochen. Diesen Punkt führte Güthler auf Nachfrage von Martin Ergenzinger (CDU) aus. Im südlichen Bereich soll die Bolzstraße um einen Meter nach Westen verbreitert werden, sagte der Baubürgermeister. Das mache es notwendig, dass Vonovia einen Teil seiner Fläche an die Stadt abtrete. Darauf will man bestehen, denn, wie Güthler betonte, das Vorhaben des Unternehmens hätte ohne eine Verbreiterung der Straße keine Chance.

Eine Sorge der örtlichen Kommunalpolitik ist es, dass die Firma das Vorhaben auf dem Rücken der oft langjährigen Mieter realisieren will. Steigerungen bei den Mietpreisen wird es definitiv geben. Doch den rechtlichen zulässigen Rahmen von drei Euro pro Quadratmeter wolle Vonovia nicht ausschöpfen und die Mieterhöhung auf zwei Euro begrenzen. Zudem solle es Härtefallregelungen geben.

Politiker wollen wachsam bleiben

Im Ausschuss für Umwelt und Technik wurde das Vorhaben nun grundsätzlich von allen Fraktionen begrüßt. Doch in den Wortbeiträgen von Susann Boll-Simmler (Grüne), Hans-Michael Gritz (SPD), Hans Bartholomä (CDU) und Markus Kämmle (Freie Wähler) wurde auch jeweils betont, dass das Ganze sozialverträglich ablaufen müsse. Deshalb will die Politik den Ablauf kritisch begleiten und genau beobachten, wie mit den Mietern umgegangen wird.

Aus Sicht der Verwaltung ist es sinnvoll, den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan direkt nach der Sommerpause zu fassen. Vermutlich wäre das Verfahren dann in einem Jahr abgeschlossen. Für den Abbruch und Neubau sowie die Aufstockung der Gebäude auf dem Grundstück Nummer 21, wofür es bereits eine planungsrechtliche Grundlage gibt, wurde schon ein Bauantrag gestellt. Die Baugenehmigung soll in den nächsten Wochen erteilt werden. Dann könnten diese Arbeiten noch in der zweiten Hälfte dieses Jahres begonnen werden.

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