Kornwestheim Bei den Wolkenhänden geschieht das Wunder

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Qigong im Park: Über 70 Teilnehmer sind gekommen. Foto: Horst Dömötör

Kornwestheim - Wie macht sie das nur? Ganz sanft fließen die Bewegungen aus ihr heraus. Ganz langsam hebt sie ihre Arme und senkt sie wieder. Ich indes komme mir vor wie ein Roboter. Nichts fließt. Nur eckige Bewegungen wollen mir gelingen. Und während Andrea Schrade einmal die Arme kreisen lässt, habe ich schon drei Umrundungen hinter mir. Womit ich eindeutig das Ziel verfehle. „Qigong“, erläutert sie, „lebt von der Langsamkeit der Bewegungen.“

Sonntagmorgen im Stadtpark: Die Stadt Kornwestheim und Andrea Schrade, Lehrerin für Qigong, Yoga und Meditation, laden ein, gemächlich und entspannt in den Tag zu starten. Das Wetter: ein Traum. Die Sonne strahlt, ein laues Lüftchen weht. „Wir spüren die Erde unter den Füßen“, beginnt Andrea Schrade die 45 Minuten chinesische Bewegungskunst. Im Schatten der Bäume kreisen wir mit den Knien, dann mit der Hüfte. Die Aufmerksamkeit, sagt die Qigong-Lehrerin, widmen wir unserem Körper und dem Atem – und nicht etwa dem Nachbarn.

Eine ganz gemischte Gruppe hat sich da – ganz zwanglos – im Stadtpark zusammengefunden. Einige, das ist nicht zu übersehen, weil auch ihre Bewegungen ganz langsam fließen und sie die Augen geschlossen halten, verstehen sich in der Kunst des Qigong, andere, zu denen auch ich gehöre, blicken immer wieder zu Andrea Schrade und machen es dann doch verkehrt. Warum zeigen, derweil wir die Wolken teilen, ihre Handflächen nach außen und meine nach innen? Beim dritten Mal klappt’s dann auch bei mir. Wir rudern über einen stillen See – rein gedanklich, versteht sich. Aber auch der Stadtparksee liegt ganz ruhig da. Die Technik der Wasserfontäne ist dahin, hat die Stadt in dieser Woche wissen lassen. Drei Enten nähern sich der Gruppe, als wollten sie sich auch in den Qigong-Übungen versuchen. „Wie eine Wildgans fliegen“ können sie bestimmt besser als ich.

Zwei Jogger ziehen unbeirrt der Gruppe, die sich nur im Zeitlupentempo bewegt, ihre Kreise durch den Stadtpark, vier Senioren haben es sich auf der Bank bequem gemacht und beobachten die Menschen bei der Meditation. „Das Zuschauen tut auch schon sehr gut“, sagt eine von ihnen zu ihrem Nachbarn. Die Übungen ebenfalls.

Wir drehen auf der Wiese das große Rad, und meine Schultern signalisieren mir, dass ich diese Bewegung ruhig öfter machen könnte. Während wir Wolkenhände formen, geschieht das schier Unglaubliche. Haben wir etwa gemeinsam Energie erzeugt, die nur einen Steinwurf entfernt zum Ausbruch kommt? Die scheinbar defekte Wasserfontäne im Stadtparksee sprudelt wie aus dem Nichts. Fünf Minuten lang schießt das Wasser in die Höhe. Dann kehrt wieder Ruhe ein, und wir hören nur noch das Zwitschern der Vögel, die Unterhaltungen am Wegesrand und die Erläuterungen von Andrea Schrade. „Achtet darauf, dass ihr noch atmet.“ Ja, das tue ich. Sogar etwas ruhiger als zu Beginn. Und die Bewegungen fließen auch. Ein bisschen zumindest.

Nach dem Qigong treffen sich die Yoga-Jünger zu einer Stunde im Stadtpark. Auch für die kommenden fünf Sonntage (noch bis zum 8. September) lädt Andrea Schrade zu Qigong (10 Uhr) und Yoga (11 Uhr) in den Stadtpark (Höhe Ernst-Sigle-Gymnasium) ein. Die Teilnahme ist kostenlos.

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