Kornwestheim Blitzer löst in vier Wochen 3149-mal aus

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Der Trailer stand auch an der B 27. Foto: Archiv

Kornwestheim - Schon der Blick auf die nackten Zahlen bestätigt zweierlei. Erstens: Es ist nach wie vor bitter nötig, die Geschwindigkeit von Fahrzeugen zu kontrollieren. Zweitens: Es würde sich für die Stadt Kornwestheim lohnen – und hier sind nicht die Finanzen gemeint –, den sogenannten Enforcement Trailer auch künftig einzusetzen. Das bestätigt Ingo Kröner ohne jede Einschränkung, der Teamleiter des Gemeindevollzugsdienstes.

Rund vier Wochen lang haben seine Mitarbeiter die moderne Geschwindigkeitsmessanlage nun getestet. Sie gleicht einem Anhänger und kann bis zu einer Woche stehen und „blitzen“, bevor die Akkus getauscht werden müssen. Von Mitte Juli bis Mitte August erfasste das Gerät in Kornwestheim 3149 Verstöße. Eine erkleckliche Zahl, auch wenn man natürlich einige Geschwindigkeitsübertretungen, etwa von Polizei und Krankenwagen, herausrechnen müsse, wie Kröner sagt. Der Teamleiter der Ordnungshüter schlägt vor, einen Enforcement Trailer für die Stadt längerfristig zu leasen und danach zu übernehmen. Auch ein direkter Kauf der rund 130 000 Euro teuren Anlage sei möglich. Entscheiden wird demnächst der Gemeinderat darüber, im Rahmen der nächsten Haushaltsberatungen. Die städtischen Bediensteten platzierten den Enforcement Trailer während des Monats für jeweils sechs oder sieben Tage an einer Stelle im Stadtgebiet, danach verlegten sie ihn wieder.

• Auf der Pflugfelder Straße in Höhe Schillerstraße (Fahrtrichtung Osten) löste der mobile Blitzer 147 mal aus.
• Auf der Theodor-Heuss-Straße, Höhe Iltisweg (Fahrtrichtung Westen), stellte er 29 Verstöße fest.
• Auf der Neckarstraße am Gebäude 65 (Fahrtrichtung Osten) blitzte es 569 mal.• In der John-F.-Kennedy-Allee in Pattonville nahe des Wilhelm-Steuben-Weges (Fahrtrichtung Norden) registrierte das Gerät 729 Verstöße.
• Mit Abstand am meisten gerast wurde auf der Bundesstraße. Auf der B 27 in der Haltebucht Süd kam es demnach zu 1675 Verstößen (Fahrtrichtung Süden).

Dieser Standort des mobilen Messgerätes an der B 27 zog einigen Unmut auf sich. Bei der Stadt gingen mehrere Anfragen und Beschwerden ein. Ob man denn in dieser „Nothaltebucht“ überhaupt das Gerät aufstellen dürfe, wurde in Richtung der Stadtverwaltung bemängelt, wie Kröner bestätigt. Im sozialen Netzwerk Facebook taten manche ihre Kritik überaus deutlich kund. Ob das die „moderne Form der Wegelagerei“ sei, fragte ein Nutzer rhetorisch, andere wollten das Geld für die Anschaffung des Trailers lieber anders investiert sehen, in Kindergärten oder Schulen. Vom „Scheißblitzer zum Abzocken“ war ebenso zu lesen wie davon, dass man den Fahrern den Spaß am Autofahren verleiden wolle. Andere Facebook-Nutzer beschwichtigten: Einfach anständig fahren, dann gibt es keine Probleme, so der logische Schluss.

Ingo Kröner betont, der Standort an der B 27 sei keine Nothaltebucht, sondern eine gewöhnliche Haltebucht. Und: „Hinter dem Anhänger mit dem Messgerät war noch ausreichend Platz, da würde noch ein 40-Tonner hinpassen.“

Dietmar Allgaier, Erster Bürgermeister der Stadt Kornwestheim und Kröners Vorgesetzter, stellt klar, dass es keinesfalls darum gehe, den Bürgern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Es sei Aufgabe der Kommunen, für Sicherheit auf den Straßen zu sorgen und Geschwindigkeitsverstöße zu kontrollieren. Hierbei arbeite man auch mit den übergeordneten Behörden und der Polizei zusammen. Man stimme sich ab, wo Schwerpunkte liegen, die kontrolliert werden müssen. Generell seien Beschwerden nicht neu, wenn die Stadt blitzt, sagt Allgaier, „vor allem von Betroffenen“. In diesem Fall sorge vielleicht die neue Technik für mehr Aufmerksamkeit. Ingo Kröner betont, er beobachte, dass bei einigen Verkehrsteilnehmern kein Unrechtsbewusstsein mehr da sei. Diese Beobachtung – Regeln gelten nur für die anderen – macht übrigens auch Frank Iniec, der kommissarische Leiter des Kornwestheimer Polizeireviers. „Die Einsicht für das eigene Fehlverhalten ist oft nicht mehr da, man fordert Freiheiten für sich selbst, akzeptiert aber keine Einschränkung von anderer Seite“, gab er in einem Interview mit unserer Zeitung unlängst zu Protokoll.

Dass es an der B 27 bei Kornwestheim nicht um „Abzocke“ geht, sondern Verkehrsüberwachung nötig ist, zeigt auch die Historie der Verkehrsüberwachung in diesem Straßenabschnitt. Anno 2006 im Winter gab es einen schlimmen Verkehrsunfall. Ein Fahrer fuhr mit 170 Stundenkilometern, streifte die Mittelleitplanke, er erschreckte sich wohl, zog rechts rüber und rutschte von der Straße in einen Schrebergarten, wo er gegen einen Baum knallte. Der Mann starb. In der zweiten Hälfte der 2000er Jahre gab es eine Debatte in Kornwestheim über Aufgaben des Vollzugsdienstes und Sicherheit generell, nicht nur, aber auch mit Blick auf den schweren Unfall. Ein Ergebnis dieser Diskussion war, künftig die B 27 bei Kornwestheim mit stationären Messgeräten zu überwachen. Eine Blitzersäule wurde 2009 zwischen den Fahrbahnen aufgestellt. Mittlerweile musste sie verlegt werden, deckt nur noch die Fahrbahnen ab, die Richtung Norden führen. Auch deswegen setzen Kröner und sein Team auf eine Lösung wie den mobilen Anhänger, um weiterhin auch die Spur Richtung Süden kontrollieren zu können.

Natürlich gibt es nicht nur Beschwerden. Viele Kornwestheimer wünschen sich sogar mehr Kontrollen. Der Gemeinderat diskutierte beispielsweise erst im März darüber, ob die Theodor-Heuss-Straße ein El Dorado für Raser sei. Hier kann Kröner nun zumindest teilweise Entwarnung geben: Die 29 Verstöße während der Enforcement-Trailer-Woche nahe des Iltisweges sind keine besonders hohe Zahl.

Generell sei das ja einer der Vorteile des Gerätes: Dass es eine Weile stehen kann ohne Betreuung und damit einerseits Personalressourcen spart, andererseits eine Beobachtung von Straßen über einen längeren Zeitraum erlaubt. Kröner lädt die Bevölkerung ein, sich mit Vorschlägen zur Verkehrsüberwachung und Fragen beim Vollzugsdienst zu melden.

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