Kornwestheim Blumensträuße und der Blick nach vorne

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Im Rathaus angekommen: Martina Koch-Haßdenteufel ist die neue Finanzbürgermeisterin Kornwestheims. Foto: Peter Meuer

Kornwestheim - Martina Koch-Haßdenteufel gehört wahrlich nicht zu den Menschen, die nach einer Niederlage den Kopf in den Sand stecken. Sehr viel lieber ist sie als Beigeordnete und Finanzdezernentin ins Kornwestheimer Rathaus gekommen. Seit dem 1. Mai ist die 49-Jährige nun offiziell im Dienst, lernt gerade die Abläufe, ihre Mitarbeiter und Abteilungen kennen – zu ihrem Dezernat gehören neben der Wirtschaftsförderung die Fachbereiche Recht, Sicherheit und Ordnung, Organisation und Personal und natürlich Finanzen und Beteiligungen. „Ich wurde mit fünf Blumensträußen begrüßt“, sagt sie. „Das hat mich sehr gefreut!“

Aber der Reihe nach: Ende vergangenen Jahres wollte Koch-Haßdenteufel Bürgermeisterin von Gerlingen werden, jener Gemeinde, in der sie seit einem Vierteljahrhundert wirkte. Doch der Griff nach dem höchsten Amt der 20 000-Einwohner-Stadt im Strohgäu misslang. Sie erhielt bei der Wahl am 1. Dezember nur 28,3 Prozent der Stimmen, verlor klar gegen einen Mann von außen, Dirk Oestringer, der gleich im ersten Wahlgang zwei Drittel der Wähler von sich überzeugte.

Was tut man also, wenn man in der Kommune, in der man jahrelange gute Arbeit abgeliefert hat, eine solche Wahlschlappe erleidet? Resignieren? Das wäre nichts für Martina Koch-Haßdenteufel gewesen. „Ich habe schnell mit der Wahl abgeschlossen und nach vorne geblickt“, sagt sie. „Es bringt ja nichts, verbittert zu sein.“ Nach vorne blicken, das hieß in diesem Fall auch: Richtung Kornwestheim. Bekanntermaßen wurde fast zeitgleich hier ein Beigeordnetenposten frei, nachdem Dietmar Allgaier sich erfolgreich als Ludwigsburger Landrat zur Wahl stellte.

Die 49-Jährige fühlte vor, sprach mit den Fraktionen, mit Oberbürgermeisterin Ursula Keck, holte sich auch bei Allgaier – man kennt sich eben – einen Rat ab. Sie erkundete die Stadt, setzte sich beispielsweise zu den Zwölf Tenören ins K und sah sich ein Spiel der SVK-Handballer an. Am 6. Januar gab sie ihre Bewerbung ab und stürzte sich vollends in den nächsten Wahlkampf, wenn er sich auch vorrangig um die Stimmen der Stadträte drehte.

Diesmal stand am Ende des Weges ein Sieg. Anfang März wählten die Kornwestheimer Räte sie zur zweiten Beigeordneten, sie setzte sich gegen die Kornwestheimer Kämmerin Daniela Oesterreicher und den Diplom-Kaufmann Hans-Jürgen Simacher durch. „Klar. Das waren anstrengende Monate“, sagt Koch-Haßdenteufel, die sich privat gerne bei einem guten Buch entspannt, Musik mag und auch gerne mit ihrer Tochter musiziert – sie selbst am Klavier, die 15-Jährige an der Violine. „Aber ich habe gleich gemerkt, dass ich mich in Kornwestheim wohlfühle“, ergänzt sie. „Es ist eine schöne Stadt, eine Stadt voll sympathischer Menschen.“

Kornwestheim ist indes auch eine Stadt, die für sie wahrhaft einen neuen Abschnitt markiert. Martina Koch-Haßdenteufel hat ihr bisheriges Berufsleben im Gerlinger Rathaus verbracht. Bereits während ihres Studiums zur Diplom-Verwaltungswirtin absolvierte sie als 24-Jährige 1990 in der Verwaltung einen Abschnitt ihrer Ausbildung. 1994 begann sie dann in der Kämmerei, zu deren Leiterin sie 1999 gewählt wurde. Der nächste Karriereschritt folgte zehn Jahre später. 2009 wählte der Gemeinderat sie zur Ersten Beigeordneten und damit zur ständigen Stellvertreterin des Bürgermeisters.

Nach der Wahl Oestringers appellierten zahlreiche Gemeinderäte an die Erste Beigeordnete, im Rathaus zu bleiben und ihre Arbeit zum Wohl der Stadt weiterzuführen. Die erfahrene Finanzexpertin hat einen guten Job gemacht, heißt es allerorten, während ihrer Zeit als Beigeordnete haben sich die Gewerbesteuereinnahmen Gerlingens vervielfacht.

Aber nun müssen die Gerlinger eine Nachfolge für sie finden – und Kornwestheim freut sich über die neu gewonnene Kompetenz. Koch-Haßdenteufel weiß indes, dass sie in keiner einfachen Zeit den Job wechselt. Gerade beginnen Verwaltung und Stadträte über einen neuen Sparprozess nachzusinnen – um die coronabedingten Steuerausfälle abzufedern. „Aber Kornwestheim ist gut aufgestellt“, sagt Koch-Haßdenteufel. „Im Ergebnishaushalt lässt sich natürlich nur in gewissem Rahmen sparen, man muss zudem schauen, welche Investitionen man schieben kann.“ Wichtig sei dennoch, die Schulentwicklung gut voranzutreiben, betont sie und hebt das Corona-Krisen-Management unter Ursula Keck hervor.

Apropos: Keck berichtet, auch für sie und den Ersten Beigeordneten Daniel Güthler sei es natürlich herausfordernd gewesen, monatelang nur zu zweit die Bürgermeister- und Dezernenten-Pflichten zu erfüllen. „Wir haben uns die zusätzlichen Aufgaben aufteilt.“ Sie sei froh, dass Martina Koch-Haßdenteufel nun da sei, freue sich auf die Zusammenarbeit. „Es ist wichtig, dass wir uns ergänzen und unterstützen“, so die OB. „Ich glaube, mit ihr haben wir da großes Glück.“

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