Kornwestheim Bürgerideen gegen die Leerstände

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Die Bahnhofstraße Foto: Peter Meuer

Kornwestheim - Die Lage in der Kornwestheimer Innenstadt ist nach wie vor ein leidiges Thema. Mal diskutiert die Kommunalpolitik über die vielen Falschparker in der Bahnhofstraße. Dann wieder geht es darum, dass der Einzelhandel rund um den Holzgrundplatz schwächelt – vor wenigen Monaten machte das Elektro-Geschäft Euronics dicht, das traditionsreiche Schuhhaus Schantz wird im Januar seine Pforten schließen.

Die Debatten, ob der „shared space“ – also der von Autos, Radfahrern und Fußgängern gemeinsam genutzte Straßenbereich – noch trägt, oder doch besser eine waschechte Fußgängerzone her muss, ist ebenfalls lebendig. Doch wie es nun weiter gehen soll, was konkret passieren kann und muss, das ist weiterhin unklar.

Hier setzt nun ein Antrag der SPD an, der im Rahmen der Haushaltsberatungen im Ausschuss für Umwelt und Technik fast schon nebenbei, aber mit großer Mehrheit, beschlossen wurde. Kornwestheim wird demnach in einen Bürgerbeteiligungsprozess eintreten, der aktuell den Titel „Wir gestalten unsere Stadt“ trägt. Obwohl das eher allgemein klingt, wollen die Sozialdemokraten einen klaren Fokus auf den Innenstadtbereich rund um Holzgrundplatz, Güterbahnhofstraße und Bahnhofstraße legen, wie der Fraktionsvorsitzende Hans-Michael Gritz betont.

Er habe erst kürzlich einen Radiobeitrag über den so genannten „Donut-Effekt“ gehört, berichtet Gritz. Demnach wird oft auf der grünen Wiese fleißig gebaut, während es in den Stadtkernen zu Leerstand kommt. „Die Innenstädte bluten aus“, sagt Gritz. Den Effekt verortet er vor allem in Sachen Handel auch in Kornwestheim, auch wenn statt ins Einkaufszentrum auf die grüne Wiese hier wohl manch einer mitten nach Ludwigsburg oder Stuttgart zum Einkaufen fährt.

„Ich sehe bei uns nicht allzu viel Perspektive, dass noch einmal ein Magnet in die Innenstadt kommt, der viele Leute anzieht und sie belebt“, sagt Gritz. Eher kämen Billigläden, und die Qualität der Innenstadt gehe immer weiter runter, so der Sozialdemokrat. „Das ist unbefriedigend“, ergänzt er.

Für die SPD ist klar: Man muss sich dringend Gedanken machen, wie die Aufenthaltsqualität erhöht werden könnte. Und das ganze darf auch gerne mit mehr lokalem Klimaschutz, mehr Grün, mehr Pflanzen verknüpft werden.

Indes: Ein Beteiligungsprozess, das ist den Sozialdemokraten natürlich klar, ist von seiner Grundanlage her schon ergebnisoffen. Zwar haben die meisten Stadträte im Ausschuss den Vorstoß der SPD unterstützt – dennoch gibt es quer durch die Fraktionen und in der Bevölkerung natürlich unterschiedliche Ansätze, wie die Innenstadt gestaltet werden könnte. Beispiel Fußgängerzone: Hierfür kämpft die SPD schon länger, andere Parteien in Kornwestheim und beispielsweise auch der Bund der Selbstständigen sehen den Vorschlag wiederum sehr kritisch.

Was also bei der Bürgerbeteiligung herauskommt, wird man erst einmal sehen müssen. Und: Wie läuft sie überhaupt ab? Ab dem zweiten Halbjahr 2020 würde sie an Fahrt aufnehmen, eine entsprechende Vorlage soll bis dahin vorbereitet werden. Fachleute von „außen“, sprich Planer und Architekten sollen eingebunden werden, sagt Gritz. Und dann, so stellt sich der Sozialdemokrat den Prozess weiter vor, würden Arbeitsgruppen gebildet, diskutiert, Ideen gesammelt werden. Am Ende stehen dann, so hofft er, konkrete Beschlüsse, über die Ausschüsse und Gemeinderat entscheiden.

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