Kornwestheim Capitol-Kino in Gefahr?

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Leerer Saal im Capitol Foto: Marius Venturini

Kornwestheim - Es ist keine einfache Zeit für Kinos, schon seit einigen Jahren läuft es in der Branche nicht richtig rund. Die Streaming-Dienste setzen die klassischen Lichtspielhäuser unter Druck, die Corona-Lockdowns haben zuletzt Schäden angerichtet – in Stuttgart machte beispielsweise im Juni des vergangenen Jahres der altehrwürdige Ufa-Palast dicht.

Betreiber schlagen Alarm

Nun schlagen auch die Betreiber des Capitol-Kinos in der Kornwestheimer Güterbahnhofstraße Alarm. „Wenn die Lage so bleibt, dann kann es sein, dass wir in nächster Zeit schließen müssen“, sagen Michail Toronodis, der Besitzer und Geschäftsführer des Kinos, und sein Theaterleiter Tobias Scholz.

Die „Lage“, das bedeutet im Falle des Capitols allerdings nicht einen grundsätzlichen Rückgang der Zuschauerzahlen. Eigentlich sei es in den vergangenen Monaten recht stabil gelaufen, sagt Scholz. Das Problem ist ein anderes und es hängt mit einem Landesgesetz zusammen: Im selben Gebäude führte Toronidis auch einen Glücksspielbetrieb. Als er das Gebäude anno 2019 von der Besitzerin Gerda Schaich – zuvor hatte er nur einen Teil gepachtet – erwarb, stellte er ein Konzept auf die Beine, um das Kino weiter betreiben zu können. Der Glücksspielbetrieb und das Kino halfen ein­ander seitdem gegenseitig aus, Mitarbeiter nahmen auch schon einmal vormittags Telefonate für Ticketbestellungen entgegen, schlossen abends ab, bestückten die Schaufenster. „Synergieeffekte“, nennt Toronidis das. „Dadurch konnten wir die Personalkosten so gestalten, dass sich auch das Kino rentabel betreiben ließ“, erläutert er.

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Indes: Vor einigen Wochen sei ihm ein Brief von der Stadtverwaltung ins Haus geflattert, sagt er. Demnach sei das Casino laut Landesglücksspielgesetz nicht mehr zulässig. Michail Toronidis schloss die Pforten zur Automatenhalle daher Mitte September.

Das Kino hat noch geöffnet. „Wie lange ich es unter diesen Bedingungen weiter offen halten kann, zumindest mit dem derzeitigen breiten Angebot, das weiß ich aber nicht“, sagt der Geschäftsmann. Immerhin: „Derzeit haben wir eine Menge Besucher, was am neuen James-Bond-Film liegt“, sagt Tobias Scholz.

Behörden empfahlen Übergangsfristen

Dass das Landesglückspielgesetz irgendwann zuschlagen könnte, war Toronidis natürlich klar. Schon 2017 griff eine Änderung, laut der zwischen zwei Betrieben sowie zu Kindergärten und Schulen ein Abstand von mindestens 500 Metern zu wahren ist.

Allerdings empfahlen die Behörden Übergangsfristen, viele Betreiber stellten Härtefallanträge. Unklarheiten gab es in nicht wenigen Kommunen zudem in der Frage, welche Hallen dicht machen müssen und welche offen bleiben dürfen. Auch in Kornwestheim ist Toronidis’ Spielhalle nicht allein auf weiter Flur – in der Bahnhofstraße und der Jakobstraße gibt es mehrere Betriebe, die unter die aktualisierte Gesetzgebung fallen.

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Die Stadt, die in diesem Fall als Behörde das geltende Landesgesetz schlicht umsetzen muss, will hierzu zurzeit keine Auskunft geben, da es sich um ein laufendes Verfahren handele. Grundsätzlich, so heißt es allerdings aus dem Rathaus, sei man bei Problemen jedweder Art ansprechbar und gesprächsbereit.

Michail Toronidis und Tobias Scholz haben sich an die Stadt gewandt und hoffen auf diese Gesprächsbereitschaft. Sie wünschen sich, dass man wegen des Capitols zu Lösungen kommt, sich ein Plan entwickeln lässt, wie das Lichtspielhaus offen bleiben könnte. Zumal sie seit der Übernahme des Kinos versucht haben, es zukunftsfest zu machen.

Es gibt auch Animé-Vorführungen

Tobias Scholz, ein erfahrener Film­disponent, gab sein Bestes, um ein abwechslungsreiches Programm zusammenzustellen, auch entwickelte er neue Konzepte – wie Animé-Vorführungen. Michail Toronidis nahm Geld in die Hand und beantragte Fördermittel, neue Stühle sind derzeit bestellt, die Sanitäranlagen wurden gerade erst re­noviert.

Wie emotional Kino generell und ein althergebrachtes Stadtkino wie das Capitol im Speziellen sein kann, das weiß Kinoliebhaber Scholz aus eigener Erfahrung. „Ich selbst war schon als Kind immer hier“, sagt er – er ist in Stammheim aufgewachsen. „So ein altes Stadtkino, das hat ja auch eine emotionale Komponente“, betont er.

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