Kornwestheim Corona bringt den SVK in große Gefahr

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Vieles ne: das Funsportzentrum Foto: Peter Meuer

Kornwestheim - Es ist eine ungewöhnliche Atmosphäre, die da über dem Kornwestheimer Funsportzentrum liegt. Alles ist neu und modern, die Fitnessräume stehen bereit, das Bistro wartet auf Gäste. Doch kaum ein Mensch ist hier. Lediglich ein einzelner Elektriker hockt an einem Tisch und erledigt einige letzte Arbeiten per Laptop. Außerdem ist SVK-Geschäftsführer Thomas Eeg gerade da und eilt durch die Gänge. Ansonsten herrscht gähnende Leere. Die Sportler, sprich die Funsportzentrum-Kunden, dürfen wegen der Corona-Krise derzeit nicht hier trainieren. Das runde Dutzend Mitarbeiter des SVK, Vollzeit- und Teilzeitkräfte, es ist in Kurzarbeit.

Für den Kornwestheimer Sportverein, einen der größten in ganz Württemberg, ist die Situation nicht nur ärgerlich oder frustrierend – sie könnte existenzbedrohend werden. Es fehlen Einnahmen durch Kurse, Neukunden und Co, gleichzeitig gibt es, natürlich, Gehälter und weitere laufende Posten zu begleichen.

Rund 50 000 bis 60 000 Euro Miese macht der Verein im Moment pro Monat, schätzt Eeg. Ganz genau kann er das noch nicht sagen. Eingerechnet ist bereits, dass der Verein Kurzarbeit angemeldet hat, dass auch viele geringfügig Beschäftigte auf Gehalt verzichten, dass die Bank momentan 20 000 Euro pro Monat an Krediten stundet. Außerdem, so berichtet Eeg, bezahlt ein großer Teil der Kunden seine Mitgliedsbeiträge für das Zentrum derzeit weiter. „Ohne diese Solidarität, ohne die Kulanz, wäre die Situation noch sehr viel problematischer“, sagt Eeg. „Dafür sind wir sehr dankbar.“

Allerdings weiß er auch, dass die Kosten in ein paar Monaten auch wieder steigen werden, dass Kreditzahlungen erneut anlaufen. „Wenn es so weiter geht wie bisher“, sagt der Geschäftsführer, „und wir keine Hilfe bekommen – dann kann der SVK in einem halben Jahr Insolvenz anmelden.“ Ein düsteres Bild.

Der Kornwestheimer Sportverein, Gesamtjahreshaushalt rund 2,1 Millionen Euro, ist nicht allein mit seinen Nöten. Der Württembergische Landessportbund (WLSB) fragt derzeit seine Mitglieder ab, wie gut sie durch die Krise kommen. Mehr als 2000 Vereine haben bislang von finanziellen Problemen oder zumindest deftigen Einnahmeausfällen berichtet, der Gesamtschaden liegt bei mindestens 150 Millionen Euro, hat der WLSB bislang berechnet.

Der SVK ist indes in einer besonders prekären Situation. Er ist mitgliederstark und professionell geführt – das hat Vorteile, weil viele Gebühren reinkommen. Aber es verursacht eben auch Kosten. Vor allem aber hat der Umbau des Funsportzentrums, der erst im Frühjahr abgeschlossen war, rund 2,5 Millionen Euro verschlungen. Das Großprojekt soll den Verein in die Zukunft führen und es ist grundsätzlich sinnvoll – über das moderne Fitness- und Sportstudio werden viele Posten der Vereinsarbeit quer finanziert, auch bringt es neue Mitglieder. Aber im Moment sind eben auch Schulden entstanden für eine Liegenschaft, die gleich, als sie auf Vordermann gebracht worden war, wieder brach lag.

Eeg hofft nun einerseits darauf, dass das Funsportzentrum möglichst bald wieder – zumindest teilweise und unter Einschränkungen – seine Kurs- und Fitnessräume öffnen kann. „Im Außenbereich dürfen wir bald starten, überlegen uns auch gerade Hygienekonzepte für den Breitensport“, gibt er einen Ausblick.

Er wirbt außerdem dafür, dass die Politik sich stärker um die Vereine bemüht. „Wir brauchen vor allem echte Zuschüsse, keine Darlehen“, betont er und nimmt auch den Landessportverband Württemberg (LSV) in die Pflicht, zu dem der WLSB gehört, um sich als Interessensvertretung baden-württembergischer Vereine dafür stark zu machen.

Und die Kommunalpolitik? Kann sie etwas tun? Klar ist, dass die Stadt selbst sich mit einem coronabedingten Millionen-Loch im eigenen Haushalt auseinandersetzen muss. Finanziell hängt sie indes bereits insofern beim SVK mit drin, als dass sie eine Bürgschaft übernommen hat, damit der SVK seinen Kredit für das Zentrum bekommt.

Am Donnerstagabend jedenfalls sprechen die Stadträte erst einmal im Verwaltungs- und Finanzausschuss über die Neufassung der Kultur- und Sportförderung.

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