Kornwestheim Corona: Kein Ballett, keine Feier, wenige Besucher

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Probe für „Nichts geht mehr“: Die Aufführung wird verschoben. Foto: Christine Biesinger

Kornwestheim - Nichts geht mehr“ hat Sabine Bloehs, Leiterin der Tanz- und Ballettschule Kornwestheim, ihre Show überschrieben, für die rund 600 Tänzerinnen und Tänzer in den vergangenen Monaten intensiv geprobt haben. Und nun geht wirklich nichts mehr. Dreieinhalb Wochen vor den zwei Aufführungen, die im Ludwigsburger Forum über die Bühne gehen sollten, hat Bloehs die Veranstaltungen abgesagt. 1250 Zuschauer wurden erwartet und damit zu viele. Das baden-württembergische Sozialministerium untersagt alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern. „Das trifft uns hart“, sagt Sabine Bloehs. Aber sie hat Verständnis für die Entscheidung des Landes. Die Gesundheitsvorsorge habe nun einmal Vorrang. Die Tanzschulleiterin bemüht sich um Ausweichtermine, damit die intensive Probenarbeit der vielen Mitwirkenden nicht vergebens gewesen ist.

Aber nicht nur Großveranstaltungen fallen dem Corona-Virus zum Opfer. Die evangelische Kirchengemeinde Kornwestheim hat die Seniorenfeiern im Philipp-Matthäus-Hahn-Gemeindehaus für heute Nachmittag und für Samstag abgesagt. Man folge damit den Empfehlungen der Kirchenleitung, so Pfarrer Horst Rüb. Die Stadt Kornwestheim hat bis zum gestrigen Abend dato noch keine ihrer Veranstaltungen abgesagt.

Das Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung hat seine Kantine im Behördenhaus an der Stuttgarter Straße für externe Gäste „bis auf Weiteres“ geschlossen. Man folge damit einer Handlungsanweisung des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, erläuterte eine Sprecherin auf Anfrage unserer Zeitung. Auch die Besucherführungen seien ausgesetzt worden.

So wenig Kontakt von außen wie möglich – das ist auch das Ziel der Kornwestheimer Seniorenheime, die sich in den vergangenen Wochen intensiv mit dem Thema Corona auseinandergesetzt haben. Sämtliche öffentlichen Veranstaltungen haben die Heime abgesagt. Das Awo-Heim am Stadtgarten macht aus seinem Frühlingsfest mit vielen Gästen ein Frühlingscafé nur für die Besucher. Das Jakob-Sigle-Heim hat alle Veranstaltungen abgesagt. „Wer nicht von draußen reinkommt, kann auch nichts mitbringen“, so Einrichtungsleiterin Beate Dornbusch. Das Leonardis-Heim hat einen Ausflug der Bewohner von der Veranstaltungsliste gestrichen.

Die Heime bitten zudem die Angehörigen, die Besuche auf das Nötigste zu beschränken. „Wir können“, sagt Beate Dornbusch, „den Angehörigen nicht verbieten zu kommen, aber wir bitten sie, die Besuche einzuschränken und Abstand zu den Bewohnern und Beschäftigten zu halten.“ Diese Bitte äußert auch Andreas Haas, Leiter des Awo-Heims am Stadtgarten. Er hat die Erfahrung gemacht, dass sich die Angehörigen sehr verantwortungsvoll verhalten und für das Thema sensibilisiert sind.

Die Projektarbeit mit Kindergärten und Schulen hat das Awo-Heim vorübergehend gestoppt, Friseure, Servicetechniker, Logopäden oder Physiotherapeuten, die ins Haus kommen, müssen eine Checkliste ausfüllen, mit deren Hilfe entschieden wird, ob sie ihre Dienste im Haus verrichten dürfen.

Während im Jakob-Sigle-Heim noch niemand von den Beschäftigten ausgefallen ist, weil er sich im Risikogebiet aufgehalten hat, muss Andreas Haas auf Mitarbeiter verzichten. Derzeit kein Problem, sagt er. Aber sollten es mehr Ausfälle werden, dann müsse man darüber nachdenken, wie die Versorgung der Bewohner sichergestellt werden kann.

Auch die Malteser Kornwestheim setzen sich mit dem Corona-Virus auseinander. Die Hilfsorganisation organisiert zwar aktuell keine größeren Veranstaltungen – bei ihren Sitztanz-Vormittagen, dem Bewegten Miteinander und Co. kommen aber regelmäßig ältere Menschen, die einem größeren Risiko ausgesetzt sein können, zusammen. „Unsere Besucher sind ja auch bereits einem höheren Influenza-Risiko ausgesetzt als andere“, sagt Malteser-Leiterin Ute Fassel.

„Wir sind achtsam, aber wir wollen trotzdem nicht, dass die Leute Angst haben und sich sorgen“, fasst sie zusammen. Man begrüßt sich daher im Haus der Sozialen Dienste derzeit, auch mal augenzwinkernd, mit den Ellenbogen statt mit Handschlag, es werde noch mehr auf Hygiene geachtet. „Aber Angst haben, das ist nicht gut für das Immunsystem“, sagt Fassel. Besser sei gute Laune. „Das stärkt“, ergänzt sie lächelnd.

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