Kornwestheim Da wird kein Schuh mehr draus

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In den Regalen des Ladengeschäfts werden bald keine Schuhe mehr stehen. Foto: Peter Meuer

Kornwestheim - So sehen sie also aus, die letzten Tage eines Traditionsgeschäftes. „Alles muss raus“, verkündet ein Schild in grellen Lettern und fügt noch einmal hinzu, nur um ganz sicher zu gehen: „Alles muss raus“.

Etliche Kunden schlendern durch die Gänge – wäre es hier doch nur immer so voll gewesen wie jetzt, wo die Menschen vom Weihnachtsgeld die „Markenschuhe zum halben Preis“ ergattern wollen. Die Lager, in denen einst tausende Schuhe ihrer Bestimmung harrten, sind leer geräumt. „Zum Glück“, sagt Andreas Schantz. „Wir haben bereits gut abverkauft“, betont der 63-Jährige.

Die Kunden seien eben preisbewusst. Was an Schuhen noch da ist, vom Stiefel bis zum Damenschuh, von sportlich bis elegant, das steht nun vorn im Geschäft bereit. Von seinen großen Regalen ist er ebenfalls viele los geworden, über Ebay-Kleinanzeigen. „Die waren begehrt.“

Im Januar schließt „Schantz – Shoes & more“ endgültig seine Pforten. Noch nicht zu Beginn des Monats, sondern irgendwann dann, der Vermieter des Ladens in der Bahnhofstraße gegenüber des Holzgrundplatzes ist entspannt. Bis dahin wird noch verkauft, was das Zeug hält. Denn: Alles muss raus.

Im Sommer wehte das Gerücht erstmalig durch die Stadt, dass „der Schuh-Schantz“ aufgeben wird. Generell ist es jedes Mal bitter, wenn ein Geschäft in Kornwestheim dicht macht. Aber dass das historische Schuhhaus in der Salamander-Stadt Kornwestheim schließt, das trifft manchen doch sehr. Zumal Andreas Schantz, der den Laden mit seinen Schwestern Stephanie Schantz und Regine Schleeh führte, beliebt ist in der Stadt und zudem bekannt wie ein bunter Hund. Und das nicht nur als Einzelhändler, sondern auch in der Kommunalpolitik, als Urgestein und Fraktionsvorsitzender der FDP. Nun hat Shoes & more in den vergangenen Wochen und Monaten in „drei Phasen“ abverkauft und die Schuhe immer günstiger gemacht, los ging es Anfang Oktober. Mittlerweile erzählt Andreas Schantz auch, was ihn zu der Geschäftsaufgabe bewogen hat, im Sommer tat er sich noch schwerer damit, davon zu berichten.

Die Kurzfassung ist in etwa: Es hat einfach keinen Spaß mehr gemacht. In lang klingt es etwas differenzierter, wenn Andreas Schantz erzählt. Da geht es dann um Onlinehandel, darum, dass manchmal Paketboten Päckchen mit Internetschuhen im Laden parken wollten zur Abholung für Kunden, die bei Zalando & Co. bestellt haben. Es geht darum, dass im vergangenen Jahr eine Entscheidung fällig wurde: Den Mietvertrag noch einmal verlängern oder ihn auslaufen lassen. Da scheint auch durch, dass die Bauarbeiten, zu denen es rund um den Holzgrundplatz immer wieder kommt und kam, ein Problem für den Einzelhandel sind und waren. Es geht am Ende darum, dass zuviel Arbeit in einen Laden floss, der sich zwar noch irgendwie trug, aber nicht mehr wirklich viel abwarf. „Wir haben viele Hochs, aber auch Tiefs gehabt“, fasst Schantz zusammen.

Jetzt mehr Zeit für sich zu haben, das sei immerhin ein positiver Effekt, berichten die Schwestern Stephanie und Regine. Andreas Schantz sagt, er werde sich wohl noch einen Job suchen für die nächsten Jahre. Ein bisschen Zeit bis zur Rente habe er ja noch.

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