Kornwestheim Damit Blüten keine Randerscheinung sind

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Wollen die Streifen zum Blühen bringen: (von links) die Stadträte Edda Bühler, Susann Boll-Simmler, Thomas Ulmer, der Landtagsabgeordnete Jürgen Walter und Landwirt Hansjörg Benz. Foto: Anne Rheingans

Kornwestheim - An schönen Tagen ist rund um den Hornbergdurchlass eine Menge los. Spaziergänger, Jogger, Radfahrer und Hundebesitzer nutzen die Feldwege im Süden Kornwestheims gerne. Und seit einer Weile ist es dort noch betriebsamer – zumindest bei einem genaueren Blick. Zusammen mit Landwirt Hansjörg Benz hat der Kornwestheimer Ortsverein der Grünen eine Aktion gestartet.

Auf einem Viertel Hektar, also 2500 Quadratmetern Fläche, ist ein kleines Paradies für Bienen und andere Insekten entstanden. Der Zazenhäuser Bauer hat den rund sechs Meter breiten Blühstreifen auf seinem Feld entlang eines Wirtschaftsweges angelegt. Nutzen soll er allem, „was fliegt, kreucht und fleucht“, wie es Thomas Ulmer vom Vorstand der Kornwestheimer Grünen ausdrückt. Eine Mischung unterschiedlicher Kräuter- und Blumengewächse soll den Tieren Nahrung bieten. Sie besteht unter anderem aus Senf, Kornblumen, verschiedenen Arten von Klee sowie Gewürzpflanzen wie Salbei und Kümmel. Der Blühstreifen soll zwei Jahre stehen bleiben. Manche der Pflanzen würden erst im zweiten Jahr der Aussaat blühen, sagt Benz. Durch die unterschiedlichen Wachstumsphasen soll man ganzjährig, also auch im Winter, etwas sehen können. In diesem Sommer werden die oberen Pflanzen abgemulcht, um Platz für die kleineren Gewächse zu schaffen.

Anfrage stieß bei Landwirt Hansjörg Benz auf offene Ohren

Die Idee eines Blühstreifens ging vom Kornwestheimer Ortsverein der Grünen aus. Stadträtin Edda Bühler fragte bei den heimischen Landwirten an und stieß bei Hansjörg Benz aus Zazenhausen, der auch Äcker auf Kornwestheimer Gemarkung bewirtschaftet, auf offene Ohren. Für ihn war der Gedanke nicht neu. Er kennt solche Blühstreifen nicht nur aus der Umgebung, sondern hatte in Zusammenarbeit mit der Stadt Stuttgart schon vorher solche Flächen angelegt. Dahinter stecke allerdings mehr Aufwand, als man meinen könnte, sagt er, denn die Streifen müssten nicht nur gesät, sondern auch gepflegt werden. „Das macht schon Arbeit“, erklärt er. Außerdem gehen ihm für die Produktion einige Quadratmeter Acker verloren. Deshalb erhält er für jeden Blühstreifen einen Ausgleich für den fehlenden Ertrag.

Die von den Grünen initiierte Fläche wird vom Kornwestheimer Ortsverein selbst gestiftet. „Wir möchten mit diesem Auftakt ein Zeichen setzen, mehr solcher Blühstreifen anzulegen“, erklärt Thomas Ulmer. Und Edda Bühler ergänzt: „Wir wollen in der Diskussion vorangehen.“ Das Ziel ist nämlich klar: Auch Kornwestheimer Privatleute sollen bei der Kooperation mitmachen und sozusagen die „Miete“ für einen solchen Blühstreifen übernehmen. So könnte – zur Freude der Insekten – im besten Fall ein ganzes Netz nahe beinander liegender Flächen entstehen. Und vielleicht, so die Hoffnung der Grünen, schließen sich dann auch weitere Landwirte der Aktion an.

Ortsverein möchte Lebensraum für Insekten schaffen

Wie der Ortsverein betont, geht es darum, einen Lebensraum für Bienen und andere Insekten zu schaffen sowie etwas für den Artenschutz und die Biodiversität zu tun. Vor allem die Biene sei in ihrer Bedeutung als Bestäuber von Pflanzen elementar. Um eine Artenvielfalt zu erhalten, müssten sie und andere Insekten gefördert werden, die im gesamten Nahrungsnetz, zum Beispiel auch für Vögel und Reptilien, eine wichtige Rolle spielten. In einer extensiven Landwirtschaft, wie sie rund um Kornwestheim zum Teil betrieben werde, fänden die Insekten aber kein abwechslungsreiches Nahrungsangebot, erklärt Ulmer.

Der Landtagsabgeordnete Jürgen Walter (Grüne) gab beim Ortstermin zu bedenken, dass nicht nur die Landwirte gefordert seien. Um Biodiversität zu erhalten, sei es entscheidend, dass auch die Privatleute mitmachten, sagte er und verwies auf den jüngsten Beschluss zum Verbot von Schottergärten in Baden-Württemberg. Der Standort für den Blühstreifen ist im Übrigen nicht zufällig gewählt, machte Thomas Ulmer deutlich. Die aktuelle Debatte um einen Nordostring beschäftigt die Grünen, die auch bei einer Tunnellösung massive Flächenverluste fürchten und einen schwerwiegenden Eingriff in Natur und Landschaft durch das Straßenprojekt verhindern wollen.

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