Kornwestheim Dank, Lob und kritische Anmerkungen

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Aus dem Gemeinderat ausgeschieden: (vorne links) Walter Specht, (vorne rechts) Wolfgang Ohnesorg, (hinten von links) Prof. Walter Habenicht, Ralph Rohfleisch, Andrea Tröscher, Oberbürgermeisterin Ursula Keck, die die Stadträte verabschiedete, Sabine Preiss und Elvira Saverschek. Es fehlten Theresia Liebs und Ute Glaser. Foto: Mateja fotografie

Kornwestheim - Es war leicht zu erkennen, dass diese Gemeinderatssitzung eine besondere war. In der Ecke standen Blumensträuße und Beutel mit Weinflaschen, auffallend viele Stadträte hatten sich in Schale geworfen, und einige Ehe- und Lebenspartner waren auch mit zur Sitzung gekommen. Der Gemeinderat verabschiedete am Donnerstagabend die Mitglieder, die nicht mehr kandidiert hatten oder nicht die erforderlichen Stimmen für einen erneuten Einzug auf sich vereinigen konnten. Es war ein Abend mit Emotionen, mit vielen Lobeshymnen, aber auch mit kritischen Tönen. Und die kamen insbesondere von CDU-Stadtrat Wolfgang Ohnesorg, der Fehlentwicklungen in der Kommunalpolitik beobachtet hat.

Zu häufig würden die Stadträte den Vorschlägen der Verwaltung folgen und zu selten eigene Ideen einbringen. Wie es besser laufen könnte, das sei, so Ohnesorg, in den vergangenen Tagen zu beobachten gewesen, als sich die Stadträte vehement für rasche Sanierungsarbeiten in der Realschule und im Gymnasium ausgesprochen hätten. Der scheidende CDU-Stadtrat kritisierte zudem, dass der Gemeinderat seiner Kontrollfunktion gegenüber der Stadtverwaltung zu wenig nachkomme. „Davon habe ich in den vergangenen Jahren immer weniger gemerkt.“

Kritische Worte richtete Ohnesorg auch an seine eigene Fraktion, der er selbst einige Jahre vorstand. Als er im Jahr 2000 in den Gemeinderat gewählt worden sei, da habe die CDU-Fraktion zwölf Mitglieder gezählt. Im kommenden Gemeinderat würden es nur noch sechs sein. Dafür gebe es externe, aber auch interne Gründe. Er wünsche der Fraktion den Mut und die Kraft, das Ergebnis nicht nur mit Zufriedenheit über die eigene Wiederwahl zur Kenntnis zu nehmen, sondern es ehrlich und mit Zukunftsperspektive aufzuarbeiten.

19 Jahre lang gehörte Ohnesorg – mit Auszeiten zwischendurch – dem Gemeinderat an. Eigentlich sollte man die Amtszeit auf 20 Jahre beschränken, sagte der Rechtsanwalt, der allerdings selbst wieder kandidiert hatte. „Demokratie lebt vom Wechsel“, so Ohnesorg.

Seine kritische Worte bildeten an diesem Abend die Ausnahme. Die anderen Stadträte nutzten die Gelegenheit, sich zu bedanken – für die gute Zusammenarbeit bei der Stadtspitze und der Stadtverwaltung, für engagierte Diskussionen bei den Kolleginnen und Kollegen. Man habe durch die Arbeit im Gemeinderat viel gelernt, betonten die scheidenden Kommunalpolitiker.

Verabschiedet wurden am Donnerstagabend Prof. Walter Habenicht, Walter Specht, Andrea Tröscher und Sabine Preiss (alle SPD), Wolfgang Ohnesorg und Elvira Saverschek (beide CDU) sowie Ralph Rohfleisch. Nicht anwesend waren Theresia Liebs (Freie Wähler) und CDU-Stadträtin Ute Glaser. Oberbürgermeister Ursula Keck fand für alle persönliche Worte. • „Sie geben stets mehr als Sie nehmen“, sagte sie zu Andrea Tröscher und hob ihr vielfältiges Engagement in der Stadt hervor. „Es ging Ihnen nie so sehr um das Politische, sondern darum, jedem Menschen seine Würde zu geben.“• Das große Engagement für ein „intaktes innerstädtisches Leben“ würdigte Keck bei Elvira Saverschek. „Mit ihrer Zielstrebigkeit und Dynamik sind Sie immer mit gutem Beispiel vorangegangen. Durch Ihr Selbstbewusstsein und Ihre Überzeugungskraft gelang es Ihnen, Kräfte zu bündeln und Motivationen zu erzeugen.“• „Als Stadtrat waren Sie nie ein Populist, sondern traten als Vereinsfunktionär auf, der sich einerseits für die Bewahrung der Traditionen, aber andererseits gleichermaßen für die Weiterentwicklung des kommunalen Lebens einsetzte“, sagte Keck zu Walter Specht. • Nicht parteipolitische Ziele hätten bei ihm im Vordergrund gestanden, sondern die persönliche Meinung. Mit diesen Worten lobte Keck Ralph Rohfleisch. Er habe stets für seine Ansichten geworben und sei für seine Überzeugungen eingestanden, so die Oberbürgermeisterin. • „Ehrenamt war für Sie nie nur ein Lippenbekenntnis, sondern ein Eckpfeiler Ihres Tuns, der sich aus Ihrem christlichen Glauben und Ihren familiären Werten entwickelt hat“, sagte die OB über Sabine Preiss und lobte ihren Blick für die ganze Stadt.• Bei Wolfgang Ohnesorg hob sie sein großes Engagement für die Städtepartnerschaft mit dem französischen Villeneuve-St.-Georges hervor. Er habe sich in den vergangenen Monaten auch dafür eingesetzt, die Feierlichkeiten zum Volkstrauertag neu zu gestalten. • Obgleich er als Wirtschaftsprofessor stets den Blick auf das ökonomische Handeln der Stadt gehabt habe, so habe er mindestens ebenso auf die soziale Ausrichtung der Entscheidungen geachtet. So würdigte Keck Prof. Walter Habenicht. „Ihre Überzeugung ist es, dass jeder seinen festen Platz in unserer Gesellschaft hat.“

Nach vielen Lobeshymnen, Dankesworten und auch noch einer regulären Sitzung trafen sich die Stadträte mit den Bürgermeistern und Fachbereichsleitern zum gemeinsamen Abendessen im Stuttgarter Stadtteil Burgholzhof.

Der neue Gemeinderat tagt das erste Mal am kommenden Dienstag, 16. Juli, 18 Uhr, im großen Sitzungssaal des Rathauses.

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