Kornwestheim Dannwolfs Schlaglicht auf die Situation der Senioren

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Die fehlenden Kontakte machten den Senioren zu schaffen. Foto: picture alliance/dpa/Jonas Güttler

Kornwestheim - Siegfried Dannwolf hätte gerne mehr zu erzählen gehabt, als jüngst im Ausschuss für Soziales und Integration der dritte Tagesordnungspunkt aufgerufen wurde. „Aktivitäten für Senior/-innen unter Pandemiezeiten“ nannte sich der – und der Vorsitzende des Kornwestheimer Ortsseniorenrats wusste sehr wohl, dass es dazu nicht besonders viel zu berichten gab.

Stattdessen lieferte Dannwolf das, was der Erste Bürgermeister Daniel Güthler, der die Sitzung im Saal des K leitete, im Nachgang als „Schlaglicht“ bezeichnen sollte: Er ging auf die Situation der älteren Kornwestheimer Bürgerinnen und Bürger ein sowie auf die Lage der Angehörigen und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Altenpflege.

Beim Ortsseniorenrat engagiert sich Dannwolf ehrenamtlich, dort sind die örtlichen Organisationen, Einrichtungen und Vereinigungen auf dem Gebiet der Seniorenarbeit zusammengeschlossen. Er verfügt somit über die Kontakte, hat stets ein offenes Ohr für die älteren Mitbürger – auch außerhalb von Pandemiezeiten.

Keine gemeinschaftlichen Aktionen

Der Verzicht auf Zusammenkünfte und Veranstaltungen sei den Seniorinnen und Senioren der Stadt sehr schwer gefallen, so Dannwolf. „Mit Ausnahme des vergangenen Sommers gab es keine gemeinschaftlichen Aktionen“, so der Ratsvorsitzende. In Kornwestheim sei zudem bewusst auf Busreisen verzichtet worden.

„Ich weiß von Busfahrten aus Nachbarkommunen mit fatalen Folgen“, berichtete Dannwolf. Natürlich habe es Rundbriefe gegeben, vor allem zu den Feiertagen. „So haben wir die Kontakte aufrecht erhalten und es kamen auch ein paar Telefonketten zustande.“

Dennoch habe das Persönliche gefehlt. „Ich habe einmal ein Videotreffen angeboten, als Notlösung“, so Dannwolf, „und ich habe auch einige Rückmeldungen bekommen.“ Die besagten allerdings fast unisono: Eine Begegnung gerne, aber nicht mit Briefmarkenbildchen auf dem Bildschirm.

Personal in den Heimen stark belastet

Doch nicht nur die Seniorinnen und Senioren selbst, sondern auch die ehrenamtlichen Helfer hätten ebenfalls unter den mangelnden Kontakten gelitten – auch untereinander, der Erfahrungsaustausch fehlte. So waren zum Beispiel im Jakob-Sigle-Heim die Rollstuhlausfahrten lange Zeit ausgefallen. „Der Wegfall des Mittagstischs im Martinisaal war auch belastend.“ Ebenso sei das Personal in den Heimen extrem belastet gewesen. Dort seien es ja gleich drei Fronten, die zusammenkämen. Bewohner, Pflegekräfte und Angehörige, alle seien am Limit.

Mittlerweile gibt es laut Dannwolf aber auch ein paar Lichtblicke. So habe der Ortsseniorenrat zum ersten Mal seit eineinhalb Jahren wieder eine Mitgliederversammlung in Präsenz abhalten können. „Vielleicht ist das jetzt ein Signal“, hoffte Dannwolf.

Zudem habe es in der katholischen Kirche eine Mai-Andacht mit 40 Gästen gegeben. „Aber da ist natürlich auch genügend Platz, den gibt es anderswo nicht.“ Grundsätzlich, so schloss Siegfried Dannwolf, hoffe er, dass die aktuelle Verbesserung der Coronalage anhält „und sie nicht durch Leichtsinn wieder verspielt wird“. Dann könne sich auch für die Seniorinnen und Senioren wieder etwas mehr Normalität einstellen.

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