Kornwestheim Das Capitol wechselt den Besitzer

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Neuer Betreiber, aber das Kino bleibt erhalten. Foto: Werner Waldner

Kornwestheim - Sie ist eine Institution in dieser Stadt: Kinobesitzerin Gerda Schaich, 86 Jahre jung und immer noch fast täglich an der Kasse im Capitol-Kinocenter an der Güterbahnhofstraße. Nun allerdings gibt sie das Kinogeschäft auf. Sie verkauft Haus und Kino an Michail Toronidis, der diverse Lokalitäten in Kornwestheim sein Eigen nennt und unter anderem auch die Spielhalle unterm Capitol betreibt. Er übernimmt zum 1. April das Lichtspielhaus und hat sich der Hilfe des Stuttgarters Tobias Scholz versichert, der sich künftig für ihn um den Filmeinkauf kümmert.

Es sei nicht ihrem Alter geschuldet, dass sie sich zurückziehe, versichert Gerda Schaich. Aber die vergangenen Jahre seien für die gesamte Branche nicht leicht gewesen. Von 2015 bis 2018 habe sich fürs Capitol der Umsatz halbiert. Die Kinos im Bundesgebiet verzeichneten im vergangenen Jahr allein einen Umsatzrückgang von 30 Prozent.

Gerda Schaich hadert zwar mit der Streaming-Konkurrenz, aber auch die Filme hätten in den vergangenen Jahren doch sehr zu wünschen übrig gelassen, schildert sie von ihren Erfahrungen. „Es gab gar keine Auswahl mehr“, erzählt sie. Deshalb hat sie die Entscheidung getroffen, das Kino aufzugeben. Die ursprünglichen Pläne, das Haus an der Güterbahnhofstraße so umzubauen, dass dort Wohnungen eingerichtet werden können, hat sie verworfen, als Michail Toronidis ihr ein Kaufangebot unterbreitete. Der Vorteil für ihn: Er kann weiterhin seine Gaststätte und die Spielhalle in dem Haus betreiben. Fürs Kino hat er sich der Hilfe von Tobias Scholz versichert, der bei einem Stuttgarter Filmverleih arbeitet, selbst Disponent ist, und als gebürtiger Stammheimer das Capitol noch aus seinen Kindertagen kennt.

In den letzten März- und ersten Apriltagen bleibt das Kino geschlossen, und dann geht’s nach einer Woche Pause weiter – mit einem Film, von dem sich Tobias Scholz einiges erhofft: „Monsieur Claude 2“. Dass der Verleih dem Capitol die französische Komödie von Beginn an zur Verfügung stelle, sei auch ein Vertrauensbeweis in den Neustart, sagt der Stuttgarter Kinoexperte.

Er setzt für das Capitol auf die bewährte Mischung an Familien- und Kinderfilmen, auf Streifen aus dem eher anspruchsvollen Arthouse-Programm, aber auch den einen oder anderen Blockbuster will Scholz nach Kornwestheim holen. Auch er weiß, dass das vergangene Jahr für die Kinobranche ein schwieriges war. Dafür sieht er mehrere Gründe: Die Filme hätten nicht das versprochen, was man sich von ihnen erhofft habe, zudem habe die Fußball-Weltmeisterschaft Publikum abgezogen, ganz besonders aber habe den Kinos der extrem heiße und lange Sommer zu schaffen gemacht. „Das war insgesamt eine Ausnahmesituation“, sagt Scholz, der in den Streamingdiensten übrigens keine so starke Konkurrenz fürs Kino sieht. Da müsse sich eher das Fernsehen sorge machen.

Scholz will an einigen Stellschrauben drehen, um das Capitol wieder interessanter zu machen. Er könne sich vorstellen, mehr Vorstellungen anzubieten, zum Beispiel freitags mit dem Kinoprogramm früher zu starten. Der „Besondere Film“ soll auf jeden Fall beibehalten werden. Das Programm dafür fürs kommende Quartal hat übrigens Gerda Schaich noch zusammengestellt. Und wenn Not am Mann ist, will sie auch künftig im Kino einspringen.

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