Kornwestheim „Das wird keine Hollywood-Explosion“

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Derzeit bereiten Arbeiter der Firma Lothar Rapp die Sprengung der westlichen Gumpenbachbrücke vor. Foto: Horst Dömötör

Kornwestheim - Stefan Gräßle leitet die Sprengung der westlichen Gumpenbachbrücke. Im Interview erklärt der Sprengmeister den Ablauf, die technischen Details und warum es in Kornwestheim rund um die B-27-Brücke am Samstag während der Sprengung nicht nur kracht, sondern auch rumpelt.

Herr Gräßle, wie laut wird der Knall, der durch Kornwestheim geht?

Die Explosion wird nicht so laut und imposant, wie man das aus Hollywood-Filmen kennt. Es wird eher ein langgezogenes Rumpeln zu hören sein, weil die Sprengladungen in kurzer Abfolge detonieren. Zu sehen sein wird zunächst nicht viel, es gibt keinen großen Feuerball. Die Brücke wird dann in sich zusammenfallen, das staubt und man hört es – aber auch das wird nicht wahnsinnig laut.

Es gibt also eine ganze Reihe von Explosionen?

Genau! Wir haben in jeden der sechs Pfeiler eine ganze Reihe Löcher gebohrt, in die kommt der Sprengstoff, eingepackt in kleine Papierpatronen. Dann sprengen wir die Pfeiler von unten nach oben durch, damit sie wie geplant einstürzt. Zwischen den einzelnen Sprengungen liegen nur Millisekunden – so entsteht auch der Eindruck des Rumpelns.

Das klingt, als müsse die Sprengung sehr genau berechnet werden...

Natürlich gibt es bei einer solchen Sprengung einige Dinge zu berechnen. So wird im Vorfeld neben Anzahl und Position der Bohrlöcher auch die benötigte Sprengstoffmenge genau berechnet. Am Samstag wird dann mittels einer so genannten elektronischen Zündung sichergestellt, dass jede einzelne Sprengladung im richtigen Moment umsetzt.

Welchen Sprengstoff nutzen Sie an der Gumpenbachbrücke?

Wir bezeichnen das als gelatinösen Sprengstoff, er kann in seiner Konsistenz in etwa mit Knetmasse verglichen werden. Diese Art von Sprengstoffen kommt allgemein bei Abbruchsprengungen zum Einsatz. Pro Pfeiler brauchen wir etwa eineinhalb Kilogramm davon.

Wie lange hat es gedauert, die Sprengung der westlichen Gumpenbachbrücke vorzubereiten?

Wir haben im Sommer mit der Planung begonnen, die Detailberechnungen fanden in den vergangenen Wochen statt, auch einen Termin mit der Gewerbeaufsicht gab es. Die Vorbereitungsmaßnahmen wie das Bohren der Löcher in die Pfeiler und Widerlager haben wir seit Montag ausgeführt, seit Donnerstag bringen wir den Sprengstoff an. Aktuell ist unsere Firma mit etwa acht Leuten vor Ort. Nachts bewachen wir natürlich derzeit die Brücke.

Was ist noch zu tun, bevor sie auf den Knopf drücken?

Am Samstag kommen noch die Startzünder rein, wir machen den Sprengstoff scharf – und dann kann es losgehen. Übrigens wurde die Sprengung der Gumpenbachbrücke einige Male mit der Sprengung der Egelseebrücke bei Vaihingen vor einiger Zeit verglichen. Das ist aber nicht ganz korrekt – bei der Egelseebrücke hat man nicht nur die Pfeiler, sondern auch den kompletten Überbau gesprengt.

Was kann bei einer solchen Sprengung schief gehen?

Nicht viel! Falls einzelne Zünder ausfallen, wird die Sprengung dennoch wie geplant ablaufen. Zum Schutz vor Splittern und Einzelteilen, die herumfliegen könnten, haben wir rund um die Pfeiler und auf der Brücke schwere Sprengschutzmatten platziert, die aus alten LKW-Reifen bestehen und verwoben mit Stahlseilen sind.

Unter welchen Wetterbedingungen müssten Sie abbrechen?

Während eines schweren Sturms würden wir nicht sprengen, etwas Regen oder Schnee behindert die Arbeiten aber nicht.

Was ist das Größte, was Sie selbst bisher gesprengt haben?

Wir haben vor einiger Zeit einen 75 Meter hohen Gasbehälter im Saarland gesprengt, das war sehr beeindruckend. Aber jede Abbruchsprengung hat etwas Besonderes.

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