Kornwestheim Das Ziel vor Augen: die Ehrenurkunde

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Abwechslung zwischen Laufen, Werfen, Springen: Die Kinder spielten gemeinsam oder richteten Staffeln aus. Foto: Werner Waldner

Kornwestheim - Rektor Gerhard Link von der Philipp-Matthäus-Hahn-Gemeinschaftsschule hat es den Jungen und Mädchen in seiner Begrüßung gestern Morgen im Stadion mit auf den Weg gegeben: Sie sollten stets ein Lächeln im Gesicht tragen und nicht zu verbissen und mit übertriebenem Ehrgeiz in die Wettkämpfe gehen. Aber wer am Ende der Bundesjugendspiele nicht nur eine Teilnehmer-, sondern auch eine Ehrenurkunde in den Händen halten will, der muss sich anstrengen und großen Eifer entwickeln. Die Anforderungen sind hoch: Rund 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler, schätzt Anika Todt aus der Fachschaftsleitung Sport der Gemeinschaftsschule, bekommen am Ende die Ehrenurkunde.

An zwei Tagen – gestern die Klassen 1 bis 4, heute die größeren Schülerinnen und Schüler – messen sich die Kinder und Jugendlichen im Sprint, Weitsprung und Ballwurf. Die Kinder gehen es mit einer gewissen Leichtigkeit an. Nicht alle beißen beim Sprint die Zähne zusammen, sondern lassen die letzten Meter gemächlich austrudeln.

Für Unterhaltung sorgen zwischendurch das Spiel mit Tüchern und eine Puzzle-Staffel, bei der die Jungen und Mädchen einzelne Bildteile zu einem Foto zusammenlegen müssen. Diese Spiele sollen auch dabei helfen, die Wartezeit von Disziplin zu Disziplin zu überbrücken. Am Ende des Tages gibt’s die Urkunden. Gerhard Link hat extra sein Dienstsiegel aus der Schule mit zum Stadion genommen, damit auch alles seine Ordnung hat.

In den vergangenen Wochen ist in der Kornwestheimer Grund- und Gemeinschaftsschule für diesen Tag trainiert worden – des Wetters wegen nicht immer unter freiem Himmel, sondern öfter mal auch in der Halle, berichtet Anika Todt. Die Schulen sind laut einem Beschluss der Kultusministerkonferenz aus dem Jahre 1979 verpflichtet, die Bundesjugendspiele, die zum ersten Mal 1951 stattfanden, auszurichten. „Sie sprechen durch ihren pädagogischen Ansatz ihre breitensportlich orientierte Ausprägung und ihr differenziertes inhaltliches Angebot in den Bereichen Wettkampf, Wettbewerb und Mehrkampf alle Schülerinnen und Schüler entsprechend ihrem individuellen Leistungsvermögen an“, heißt es im Handbuch zu dem Wettbewerb.

Aber nicht alle sind von Sinn und Zweck der Bundesjugendspiele überzeugt. Daniela Bauer, Trainerin der Kindersportschule, sieht die Einrichtung mit zwiespältigen Gefühlen. Für Kinder mit einem ausgeprägten Leistungsgedanken seien die Bundesjugendspiele sicherlich eine wunderbare Einrichtung. Auch sie, sagt die passionierte Leichtathletin, habe früher für Punkte und Ehrenurkunde gekämpft und sich gefreut, wenn sie den Jungen voraus war. Als Sportpädagogin sieht sie jedoch auch die Gefahr, die mit einem solchen Wettkampf verbunden ist. Er verleidet den im Sport eher schwächeren Schülern den Spaß an der Bewegung, werden sie doch nie eine Ehrenurkunde in Empfang nehmen dürfen. Nicht ohne Grund, so erläutert es die Trainerin und Sportlehrerin, würde die Kindersportschule auf eine breit angelegte, vielfältige Bewegung Wert legen.

Daniela Bauer würde ein anderes Konzept bevorzugen: einen Sporttag, bei dem die Kinder und Jugendlichen selbst entscheiden können, ob sie um Punkte und Urkunde kämpfen oder ob sie doch aus reinem Spaß an der Bewegung teilnehmen wollen.

Vor vier Jahren entbrannte im Netz eine Diskussion darüber, ob Bundesjugendspiele nun sinnvoll sind oder abgeschafft gehörten. Die Befürworter argumentierten, dass der Leistungsgedanke einfach zum Sport dazugehöre und auch in anderen Fächern Anwendung finde, die Gegner warnen davor, dass die schlechteren Schüler demotiviert würden.

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