Kornwestheim Der Ärger um die Flixbusse reißt nicht ab

Von
Ein Flixbus auf Abwegen: Immer wieder kommt es vor, dass die Fernbusse mitten durch die Stadt fahren, obwohl sie gerade das nicht sollen. Foto: Anne Rheingans

Kornwestheim - Mit den grellen Farben sind sie kaum zu übersehen. Das kräftige Grün mit den orangenen Elementen lässt die Flixbusse herausstechen. Und so sind sie auch schnell auszumachen, wenn sie einmal dort zu finden sind, wo sie eigentlich nicht anzutreffen sein sollten. Denn – anders als mit dem Unternehmen vereinbart – fahren die Busse zum Teil kreuz und quer durchs Stadtgebiet. Das zumindest haben mehrere Einwohner in den vergangenen Monaten immer wieder beobachtet.

Seit 2016 machen die Fernbusse Station in Kornwestheim. Kurzfristig hatte sich die Stadt bereit erklärt, einen Stopp für die Flixbusse einzurichten. Die Haltestelle ist in Höhe der Bahnhofstraße 87, also auf der Westseite des Bahnhofs. Und die Route, die die Fahrer nehmen müssen, ist klar festgelegt: Sie führt über die Stammheimer Straße zur Haltestelle und über die Holzgrund- und Westrandstraße wieder aus der Stadt hinaus. Abweichungen von dieser Route sind nur in Ausnahmefällen erlaubt, zum Beispiel wenn die Busse sonst durch Baustellen behindert würden. Baubürgermeister Daniel Güthler hat in der Vergangenheit bereits mehrfach betont, dass die Streckenführung ausdrücklich mit dem Unternehmen abgesprochen wurde.

Dennoch war in jüngster Zeit immer wieder zu beobachten, dass Flixbusse gelegentlich auch mitten durch die Stadt fahren. Rosemarie Barth, Anwohnerin der Pfarrer-Hahn-Straße, sind die Fernbusse schon seit Längerem ein Dorn im Auge. Sie kämpft schon seit Jahren gegen den zunehmenden Schwerlast- und Busverkehr in ihrer Straße, der aus ihrer Sicht eine Menge Lärm verursacht und sie in ihrer Lebensqualität einschränkt. So schlimm wie vor wenigen Jahren, als noch bis zu zehn Flixbusse am Tag an ihrem Haus vorbeigefahren seien, sei es zwar inzwischen nicht mehr, sagt sie. Dennoch stellt sie fest, dass immer noch täglich zwei bis drei Fahrer der Fernbusse die von der Stadt vorgesehene Route missachten und an ihrem Haus in der Pfarrer-Hahn-Straße vorbeifahren.

Auch Thomas Schaumann, der in der Stadtmitte nahe der Stuttgarter Straße wohnt, kann Fernbusse des Öfteren vom Fenster aus sehen. Nach seiner Erfahrung kommt es regelmäßig vor, dass sich die Fahrer nicht an die abgestimmte Route halten. Er hat beispielsweise beobachtet, dass morgens um 6.30 Uhr jeweils zwei Doppelstockbusse über die Stuttgarter Straße fahren. „Es fällt auf, dass Flixbusse manchmal in Richtung Sportplätze abbiegen“, sagt er. Er ärgert sich, dass sich das Unternehmen über die Absprache immer wieder hinwegsetzt. „Ich bin der Meinung, dass man sich das nicht gefallen lassen muss“, sagt er. Beschwerde hat Schaumann vor Längerem sowohl bei der Stadt als auch bei der Polizei eingereicht. Aus dem Rathaus habe er die Antwort erhalten, man werde sich mit dem Unternehmen in Verbindung setzen. Schaumann vermutet, dass sich die Fahrer zumeist an ihrem Navigationsgerät orientieren und die vorgegebenen Routenführung nicht kennen oder ignorieren.

Auch aus den Reihen des Gemeinderates wurde mehrfach Kritik an den Fernbussen laut. „Sie parken auf Feldwegen und fahren durch Grünstreifen“, monierte Stadtrat Hans-Joachim Schmid (CDU) in einer der jüngsten Sitzungen des Ausschusses für Umwelt und Technik. Auch er zeigte sich verärgert, dass die Fernbusse immer wieder negativ auffallen.

Dass es vorkommt, dass Busse abseits der vorgegebenen Route unterwegs sind, streitet Flixbus nicht ab. Aus der Pressestelle heißt es: „Wir weisen unsere Buspartner und deren Fahrerinnen und Fahrer immer ausdrücklich an, die vorgegebenen und abgestimmten Routen zu verwenden.“ Und weiter: „Wenn uns konkrete Verstöße bekannt werden, wird der entsprechende Partner ermahnt. Bei wiederholten Verstößen behalten wir uns auch härtere Sanktionen vor.“

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Beschwerden über die Fernbusse häufen. In der Vergangenheit wurde unter anderem kritisiert, dass wartende Fahrgäste den Eingang zum Alten Bahnhof versperrten und sich nicht immer so verhielten, wie es sich gebührt. Für Unmut hat außerdem das Halten in zweiter Reihe in der Bahnhofstraße geführt. Güthler hatte damals durchblicken lassen, dass die Geduld der Stadt mit dem Unternehmen allmählich erschöpft ist. Der aktuelle Vertrag mit Flixbus läuft im Jahr 2022 aus. Und noch steht nicht fest, ob er verlängert wird.

Artikel bewerten
3
loading
 
 

Sonderthemen