Kornwestheim Der Athletiktrainer aus einer anderen Welt

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Heute macht Manfred Reichert (links) die SVK-Kicker fit für die Punktejagd, früher ging er mit dem Stab auf Höhenjagd. Foto: Dominik Florian

Kornwestheim - Als Manfred Reichert und Sascha Becker das erste Mal gemeinsam auf dem Trainingsplatz standen, prallten zwei Welten aufeinander. Becker der Fußballer, der als Trainer seinen Landesligakickern Taktik und Technik einschärfte. Und Reichert der Leichtathlet, der den müden Spielern Beine machte. „Am Anfang hatten wir schon ganz andere Ansichten, wie so ein Sprinttraining aussehen soll“, sagt SVK-Coach Sascha Becker, der seit seinem Amtsantritt 2017 Manfred „Manne“ Reichert als Athletiktrainer in seinem Team hat.

Mittlerweile diskutieren die beiden nur noch selten, wenn es um Trainingsformen geht. „Ich vertraue ihm blind. Manne hat die Eigenheiten des Fußballs miteinfließen lassen. Beim Sprinten geht es nicht mehr nur 50 Meter geradeaus“, sagt Sascha Becker. Vor 35 Jahren war das aber noch anders: Für Reichert ging es in seiner sportlichen Karriere meist erst geradeaus – und dann hoch hinaus. Im Alter von fünf Jahren meldete ihn sein Vater beim TV Kornwestheim an, dann zog es ihn zu den Leichtathleten. Die älteren Mitglieder des SVK können sich noch an die hohen Sätze des Stabhochspringers erinnern.

Den Höhepunkt feierte der Kornwestheimer Athlet im Februar 1986: Bei den Deutschen Hallenmeisterschaften im Sindelfinger Glaspalast sprang der damals 23-Jährige zu Gold. „Danach hat mein Körper nicht mehr mitgemacht. Vielleicht wollte ich auch damals zu viel und habe nicht auf die Signale gehört“, erinnert sich der gelernte Mechaniker. Es folgte das Karriereende und Manfred Reichert drehte dem Stabhochsprung enttäuscht den Rücken zu.

„Eigentlich wollte ich nichts mehr damit zu tun haben und ich hatte mir geschworen, dass ich nie einen meiner Söhne trainieren würde“, blickt er zurück. Zu oft habe er gesehen, wie Väter ihre Söhne aus eigenem falschen Ehrgeiz verheizt hätten. Das habe er nie gewollt.

Der heute 58-Jährige hat aber nachgegeben, als sein Sohn Marian ebenfalls zum Stab greifen wollte. „Ich habe ihm gesagt: Wenn wir es machen, dann machen wir es richtig“, sagt Reichert. Und das Vater-Sohn-Gespann harmonierte, 2014 holte Marian den Titel bei den deutschen U23-Meisterschaften. In der Trainingsgruppe des LAZ Salamander Kornwestheim-Ludwigsburg coachte er neben dem eigenen Sohn weitere Topspringerinnen und -springer. „Leider hat Marian das gleiche Schicksal ereilt wie mich. Mit 22 Jahren musste er wegen Verletzungen das Handtuch werfen“, sagt der Kornwestheimer.

Und wie kam dann der Weg zum Fußball? Mit ein paar Einheiten in der Vorbereitung habe es angefangen – damals noch unter Sascha Beckers Vorgänger Markus Fendyk. Die Mission: Die Spieler fit zu machen. „Das ist mittlerweile etwas mehr geworden“, sagt Manfred Reichert mit einem Lächeln. Bei jedem Training und Spiel steht er auf oder neben dem Platz. „Neben den Einheiten in der Vorbereitung übernehme ich die athletischen Elemente. Der Sprintzirkel ist ein fester Teil des Trainings und er klappt Jahr für Jahr besser“, berichtet der 58-Jährige, der bei den Trainingseinheiten die Bewegungen der Spieler genau im Blick hat.

„Beim Stabhochsprung muss man in eineinhalb Sekunden 25 Bewegungen kombinieren“, erklärt er. Deshalb fallen ihm unrunde Abläufe gleich ins Auge. „Dann nehme ich mir den Spieler eben zur Seite und spreche das mit ihm durch“, sagt Reichert. Bei einem Spieler macht er da aber eine Ausnahme: Seinem zweiten Sohn, SVK-Kapitän Marco Reichert. „Das gebe ich an Sascha weiter. Dann kümmert er sich darum“, betont Manfred Reichert.

Sollte es nach der Coronapause bald mit dem Spielbetrieb weitergehen, ist der Athletiktrainer aber zwiegespalten. „Die Jungs haben wöchentlich zwei Laufeinheiten auf dem Plan und eine Einheit mit Stabilisierungsübungen, die per Videokonferenz abläuft“, erzählt er und hebt lobend den Finger: „Die Trainings sind freiwillig. Trotzdem sind eigentlich immer fast alle mit dabei. Das Fußballerische fehlt. Um das aufzuholen, brauchen wir etwa acht Wochen. Aber vom Fitnesslevel sind wir vielleicht so gut wie noch nie.“

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