Kornwestheim Der Ball liegt immer häufiger bei der Stadt

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Eine Sanierung ist in der Planung: das TCK-Vereinsheim Foto: Peter Meuer

Kornwestheim - Auch im Tennis haben sich die Zeiten geändert. Der Nachwuchs pilgert nicht mehr von alleine in die Vereine, um wie in den 80er und 90er Jahren Boris Becker, Steffi Graf und anderen Ikonen des Schlägersports nachzueifern. Wie die meisten Sportvereine müssen Tennissportler aktiv um Nachwuchs werben – und manchmal dem Klischee vom Sport für Wohlbetuchte entgegentreten, das selbst 2019 dann und wann zu hören ist.

Man muss eine zukunftsfähige Organisation und Infrastruktur schaffen, nach vorne schauen, niedrigschwellige Angebote gerade für junge Sportler bieten. Das hat der Vorstand des Kornwestheimer Tennisclubs (TCK) längst verstanden. Dass etwa die Jugendarbeit dem Club ein großes Anliegen ist, betonen die Vorsitzenden Guntram Philipp und Simon Grünewald. Es gibt Kooperationen mit dem Ernst-Sigle-Gymnasium und der Gluckerschule, Sommerferiencamps, die sich auch an Anfänger richten, und den jährlichen Tag der offenen Tür. „Wir wurden mehrfach für unsere gute Jugendarbeit ausgezeichnet“, sagt der erste Vorsitzende Philipp. Gleichzeitig will man im Ligabetrieb mithalten. Die Konkurrenz schläft nicht, im Umland, in Ludwigsburg und Stuttgart, gibt es ebenfalls leistungsstarke Tennisvereine. Ein Beispiel für Engagement in der Leistungsklasse: Der TCK richtet jedes Jahr Stadtmeisterschaften – gemeinsam mit dem SV Kornwestheim – aus. Dieses Jahr konnten die Tennis-Herren hier erstmals Punkte für die Rangliste des Deutschen Tennisbundes sammeln. Ein Umstand, dank dem künftig noch mancher starke Spieler in Kornwestheim den Schläger schwingen wird, so das Konzept beibehalten wird.

Nachwuchsförderung, Leistungs- und Breitensport: Für all das braucht es die richtige Infrastruktur. Der Kornwestheimer Tennisclub bewirtschaftet und bespielt schon lange sein geräumiges Vereinsgelände an der Bogenstraße, mit dem man generell sehr zufrieden ist. Die Tennishalle ist auf neuestem Stand, vor zwei Jahren wurde der Teppichboden erneuert und in diesem Monat steht die Umrüstung auf energiesparende LED-Leuchten an. Doch Sorgen macht dem Club das in die Jahre gekommene Vereinsheim samt dem Lokal Matchpoint. Die Vorsitzenden haben den Plan gefasst, zu sanieren und umzubauen, um den Tennisclub für die kommenden Jahre und Aufgaben zu rüsten.

An dieser Stelle wird die Geschichte dann politisch – und sie betrifft perspektivisch auch nicht mehr allein den Tennisclub Kornwestheim. Banken geben heute weniger gern Kredite an Vereine als noch vor einigen Jahren, so klagen Ehrenamtliche häufig. Und: Wenn die Geldhäuser Geld geben, dann nicht unbedingt zu den besten Konditionen. Das musste bereits der SV Kornwestheim feststellen, als er einen Kredit beantragte für den Umbau seines Funsportzentrums. Monatelange zähe Gespräche mit Geldhäusern führten zunächst nicht zum Erfolg – und das beim SVK, mit seinem festangestellten Geschäftsführer und den 7000 Mitgliedern ein finanzielles und organisatorisches Schwergewicht unter den württembergischen Vereinen. Erfolgreich einen Kredit zu annehmbaren Konditionen erhielt der Sportverein erst, nachdem die Kornwestheimer Stadträte Ende vergangenen Jahres dafür votierten, die Kommune möge eine Bürgschaft in Höhe von einer Million Euro für den SVK übernehmen.

Einen ähnlichen Weg will nun der Vorstand des TCK gehen. Er wandte sich ebenfalls an die Stadt. Im Mai entschied der Verwaltungs- und Finanzausschuss daraufhin in nichtöffentlicher Sitzung, auch für die Tennisspieler solle gebürgt werden. Die Höhe der Bürgschaft: rund 410 000 Euro, bei Investitionsplänen des TCK von rund 750 000 Euro ins Clubhaus insgesamt. Die Stadträte votierten einerseits dafür, dem TCK mit der Bürgschaft unter die Arme zu greifen, außerdem wurde der Erbbaurechtsvertrag – im Prinzip ein Pachtvertrag – für das Areal an der Bogenstraße bis zum Jahr 2069 verlängert, so die Baumaßnahme angegangen wird.

Die Kommunalpolitiker entschieden mit großer Mehrheit, aber nicht einstimmig. Kritik gab es nach Informationen unserer Zeitung aus den Reihen der Freien Wähler. Sie intervenierten, weil gewissermaßen der Wunsch, dem Verein zu helfen, mit der realen Beschlusslage kollidierte.

Ende 2001 nämlich entschied der Gemeinderat, dass die Stadt für Investitionen von Vereinen „keine Zuschüsse und Zinszuschüsse“ mehr geben und auch keine Bürgschaften übernehmen soll. Der Beschluss ist zwar mittlerweile fast zwei Jahrzehnte alt, und er muss insofern eingeordnet werden, dass die Stadt seinerzeit unter dem damaligen Finanzbürgermeister Günther Bareis in einen Sparprozess eingetreten war.

Aber dennoch gilt er. „Es geht nicht darum, dass der Tennisclub nicht unterstützt werden soll, der Verein macht eine gute Arbeit“, betont auf Nachfrage unserer Zeitung Markus Kämmle, der Fraktionschef der Freien Wähler, der die Entscheidung des Ausschusses im Mai kritisch sieht. „Aber es gibt nun einmal einen gültigen Gemeinderatsbeschluss“, sagt auch er. Der Beschluss lässt dabei zwar eine Hintertür offen: In „besonders gelagerten Fällen“ könne doch eine Ausnahme zugelassen werden, ergo zum Beispiel einer Bürgschaft zugestimmt werden. Aber: Was ist denn eine besonders gelagerte Ausnahme? Genau definiert ist das nicht. „Und was machen wir, wenn ein weiterer Verein um Unterstützung bittet?“, fragt Kämmle. Es wäre sinnvoll, findet der Freie Wähler, das Thema städtischer Bürgschaften noch einmal grundsätzlich auf die Tagesordnung zu setzen.

Unter den übrigen Fraktionen im Gemeinderat herrscht Einigkeit darüber, dem TCK mittels der Bürgschaft zu helfen. „Der Hintergrund dafür ist der veränderte Finanzmarkt, wir wollen unsere Vereine stützen, ihnen unter die Arme greifen“, sagt Thomas Ulmer, Fraktionschef der Grünen. „Der TCK bekommt auf diese Weise günstiger und leichter einen Kredit“, ist er überzeugt.

Hans Bartholomä, der Vorsitzende der CDU-Fraktion, schlägt in die gleiche Kerbe: „Die Banken sind restriktiv, was die Kreditvergabe angeht.“ Schon allein das sei ein guter Grund, einem Verein wie dem TCK unter die Arme zu greifen, betont Bartholomä, der Mitglied im SV Kornwestheim ist, und die Spannungsfelder sehr gut kennt, in denen Vereine heutzutage unterwegs sind. Der Sozialdemokrat Roland Bertet, der die TCK-Bürgschaft ebenfalls unterstützt, betont: „Das Risiko ist überschaubar.“ Der Tennisclub habe sich wie andere Vereine auch dank seiner guten Arbeit Hilfestellung verdient.

Aber wie nun mit der Beschlusslage von 2001 umgehen? Hier ist man teils auch in den anderen Fraktionen nicht weit weg von den Freien Wählern. „Für mich macht der Beschluss so keinen Sinn mehr“, sagt Bertet. „Wir überlegen, ob wir einen Antrag dazu stellen, ihn aufzuheben“, ergänzt Thomas Ulmer.

Hans Bartholomä sieht das allerdings anders. „Ich denke nicht, dass wir den Beschluss von damals aufweichen müssen, wir sollen uns künftig einfach weiter jedes Mal den Einzelfall anschauen.“

Zurück zum Einzelfall TCK: Hier hat mittlerweile das Regierungspräsidium zugestimmt, dass die Stadt bürgen darf. Der Vereinsvorstand wartet nun auf die Rückmeldung der Bank. Auch wenn es vom Geldhaus ein Okay gibt, kann es nicht gleich losgehen. Die finale Entscheidung über die Sanierung muss die Mitgliederversammlung des Vereins fällen. „Wir wollen eine außerordentliche Versammlung einberufen, wenn die Bank Zustimmung signalisiert hat“, sagt Guntram Philipp.

Erst nach diesem Votum könnten die Arbeiten beginnen. Zu tun gäbe es jedenfalls einiges: Die Isolation im Clubhaus ist schlecht, eine energetische Sanierung notwendig. „Als wir noch keine Indoorplätze hatten, und ohnehin nur von April bis Oktober draußen gespielt wurde, ging das“, berichtet der zweite Vorsitzende Simon Grünewald. „Aber mittlerweile gibt es einen Ganzjahresbetrieb, und im Winter ist es im Gebäude viel zu kalt.“ Auch an den Sanitärbereich will der Vorstand ran, die Duschen sind veraltet, zu klein und nicht mehr zeitgemäß. Nicht zuletzt sollen im Obergeschoss und im Erdgeschoss etliche Räume neu geordnet werden, beispielsweise soll der Trainer ein repräsentativeres Büro erhalten. Und das Lokal Matchpoint? Auch hier soll investiert, etwa die Küche ersetzt werden. Das ist dann übrigens der Part, der nicht über die städtische Bürgschaft abgesichert wäre – da das Matchpoint gewerblich genutzt wird, geht das nicht. „Was wir uns vorstellen, ist schlicht eine Kernsanierung“, fassen Guntram Philipp und der Finanzvorstand Karl-Eugen Binder zusammen.

Nun warten sie auf das Votum der Bank – und setzen darauf, dass die übrigen Vereinsmitglieder ihren Weg mitgehen. Die TCK-Vorstände sind dankbar darüber, dass die Stadt mit der Bürgschaft hilft. Sie betonen aber auch, dass mit einem handfesten Baukostenzuschuss sogar noch mehr geholfen werden könnte. Hier hat sich der Ausschuss nämlich sehr wohl an den Beschluss von 2001 gehalten und keinen solchen Zuschuss gewährt.

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