Kornwestheim Der Beton fließt ohne Unterbrechung

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Arbeiter glätten den Beton. Foto: Horst Dömötör

Kornwestheim - Es ist außergewöhnlich ruhig am Samstagmorgen rund um die Gumpenbachbrücke. Sollten nicht noch die Pumpen der Betonmischer lärmen und die Lkw wie am Fließband herbeirollen? Eine Handvoll Bauarbeiter steht versammelt unter der Brückenkonstruktion. Aber statt des angekündigten Betons fließt hier nur der Kaffee in Strömen. In eine Tasse nach der andern dampft der Wachmacher hinein. Glücklich und zufrieden räumen die Arbeiter die letzten Reste von der Arbeit aus der Nacht beiseite. „Wir waren tatsächlich viel schneller als gedacht“, verkündet Dr. Tim Weirich vom Baureferat West des Regierungspräsidiums Stuttgart zufrieden beim Pressetermin.

Gut 20 Stunden hatte das Bau-Team rund um Weirich und Burkhard Kunze, Projektleiter der Firma Krieger und Söhne aus Remseck, ursprünglich nämlich für die Betonierarbeiten an dem östlichen Brückenneubau angesetzt. Letztendlich hat man aber nur 13 Stunden für den 92 Meter langen und 12 Meter breiten Abschnitt benötigt. Mit so einem flotten Vorankommen hatte niemand gerechnet.

„Wir gehen zwar immer vom schlecht möglichsten Leistungspotenzial aus, aber dass es so gut läuft, das haben wir nun wirklich nicht erwartet. Wir haben keinen einzigen unserer eingebauten Puffer benötigt“, sagt Weirich. Gerechnet worden war mit rund 60 bis maximal 80 Kubikmetern Beton pro Stunde. Geschafft haben die gerade einmal zwölf Bauarbeiter, welche seit Freitagabend im Einsatz waren, gut 100 Kubikmeter pro Stunde.

Um 17 Uhr am Freitag war der Startschuss für das Projekt gefallen. Ab diesem Zeitpunkt war die erste Betonpumpe unter der Brücke einsatzbereit. Nur eine halbe Stunde später kam dann, nach der Vollsperrung der B 27 in Richtung Ludwigsburg, schon die zweite Spezial-Betonpumpe direkt auf der Fahrbahn, kurz vor der Ausfahrt Nord, zum Einsatz. Pünktlich rollten die ersten Mischerfahrzeuge wie geplant an und ab. Es lief also alles Hand in Hand und wie am Schnürchen: 13 Stunden lang. Die Fließbandkette wurde nie unterbrochen, auch nicht, als die dritte Betonpumpe Richtung der Ausfahrt Mitte, Höhe Klingelbrunnen, zum Einsatz kam und die erste bereits wieder abgebaut wurde.

An die 200 Betonmischer-Fahrten später floss um kurz nach 6 Uhr in der Früh der letzte Tropfen Beton in den Untergrund der neuen Fahrbahnoberfläche. „Es hat wirklich alles super geklappt“, bestätigt Weirich vom Regierungspräsidium noch einmal. Während der gesamten Zeit war er mit der Bauleitung, den Arbeitern und einem Notfall-Team von Mechanikern und Elektrikern für den Fall eines Maschinenausfalls oder einer Fehlfunktion, in Kontakt gestanden.

Zudem wurde natürlich regelmäßig die Qualität des Betons überprüft. Jede Abweichung könnte später zu Rissen und Brüchen unter der Fahrbahndecke führen. Am Montag findet daher auch ein so genannter „Vorspannungstest“ statt. „Da wird sozusagen der Beton gezogen. So wird ein weiteres Mal die Qualität geprüft“, klärt Weirich auf. Und ergänzt: „Hohe Luftfeuchtigkeit ist gut.“ Die feuchte, aber nicht zu nasse Nacht war also ideales Betonwetter.

Und dann plötzlich tut sich doch noch einmal etwas auf den letzten zehn Metern des neuen Betons. Wie Boxautos auf Eis oder Luftkissenboote auf dem Wasser schweben zwei Fahrzeuge über den frischen Belag. Flügelglätter – sie glätten, wie der Name schon sagt, den Beton. Hoovermäßig schweben die beiden Maschinen dahin, verleihen dem Untergrund den letzten Schliff.

Und dann ist endgültig Ruhe auf dem Bau. Bis zum Nachmittag. Erst ab 13 Uhr rückt ein weiteres Bau-Team an und beginnt dann mit dem Fräsen der Fahrbahn auf rund zehn Metern Länge vor dem alten Brückenstück.

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