Kornwestheim Der Beton muss immer weiter fließen

Von
Krieger-Produktionsleiter Burkhard Kunze auf dem Armierungsstahl, der den Beton für die neue Fahrbahnplatte festigt. Foto: Peter Meuer

Kornwestheim - Beton ist eine Wissenschaft für sich. Wer das nicht glaubt, der spricht am besten ein paar Minuten mit Burkhard Kunze. Der Projektleiter der Firma Krieger und Söhne aus Remseck berichtet von mehr als 200 Rezepturen, die aktuell Standard sind, von Mischverhältnissen, Körnungen und davon, dass genau berechnet werden muss, wie viel weniger Wasser in die Rezeptur muss, wenn es auf den Kies geregnet hat. „Sonst“, so sagt es Kunze, „kann das zulasten von Langlebigkeit und Belastbarkeit gehen.“ Krieger hat, auch das klingt nicht grundlos wissenschaftlich, ein „Technologiezentrum“. Unter anderem prüfen die Mitarbeiter die Qualität und Struktur des Betons – und das auch in Echtzeit, vor Ort, auf den Baustellen. „Damit nichts schiefgeht“, sagt Kunze.

An diesem Wochenende sind die Mitarbeiter des Krieger-Technologiezentrums auf der großen Gumpenbachbrückenbaustelle im Einsatz – und dort darf erst recht nichts schiefgehen. „Das werden Großkampftage für uns“, sagt Krieger-Niederlassungsleiter Torsten Wagler. Das Regierungspräsidium lässt die etwa 100 Meter lange B-27-Brücke im Osten Kornwestheims für rund 27 Millionen Euro neu bauen. Eigentlich sind es zwei Brückenbauwerke, die dort „aus dem Boden wachsen“ – ein östliches und ein westliches. Krieger liefert den Beton für die Neubauten, am Freitag und Samstag steht der Guss des Überbaus der östlichen Brücke an. Im Prinzip wird die Fahrbahnplatte gefertigt.

Ein paar Zahlen: 1450 Kubikmeter Beton wird Krieger für die Gumpenbachbrücke am Wochenende produzieren, knapp 200 Mischerfahrten werden dafür notwendig sein, 2800 Tonnen Gesteinskörnung und 530 Tonnen Zement werden benötigt, insgesamt werden an den beiden Tagen am Ende 3500 Tonnen Beton verbaut sein. Drei Spezialpumpen – eine davon mit einem 56 Meter langen Ausleger – füllen die vorgebaute Holzverschalung mit all dem Bewehrungsstahl pro Stunde mit 100 Kubikmetern des dann noch flüssigen Baustoffs. Übrigens müssen sich die Anwohner rund um Klingelbrunnen und Brückle auf einen unruhigen Freitagabend gefasst machen: Die Pumpen sind laut.

Generalstabsmäßig geplant

„Das ist generalstabsmäßig geplant“, sagt Wagler. Entscheidend ist vor allem eines: Dass der Beton immer weiter produziert wird, pünktlich zur Brücke gelangt, fließt. Und auch: Dass zwischendurch, in der Nacht, per Schiff und Lkw die Rohstofflager aufgefüllt werden. „Es ist ein geschlossener Kreislauf, der nicht durchbrochen werden darf“, erklärt Kunze. „Wenn der Beton nach 90 Minuten nicht verbaut ist, wird es eng, dann verändert er die Konsistenz, verbindet sich nicht mehr so gut.“ Elektriker und Mechaniker stehen bereit, um bei Fehlfunktionen der Maschinen einzugreifen.

Für diese Mammutmengen liefert Krieger am Wochenende von zwei Standorten aus den Beton. Er kommt vor allem vom HKS-Betonwerk-West an der Kornwestheimer Westrandstraße, das ebenfalls zu der Krieger-Gruppe gehört, die unter den Namen Betonverbund firmiert, und außerdem aus dem Werk in Remseck. Als „Reserve“ stehe ein weiteres Werk in Winnenden bereit, berichtet Torsten Wagler. Falls es zu technischen oder logistischen Störungen kommt, können auch von hier aus die Mischer rollen. Während der Arbeiten wird die B 27 in Richtung Ludwigsburg gesperrt, der Verkehr wird bis voraussichtlich Sonntag durch das Kornwestheimer Stadtgebiet umgeleitet. „Wir sind auf alle Eventualitäten vorbereitet“, betont der Remsecker Niederlassungsleiter. Er selbst wird, ebenso wie Burkhard Kunze, das ganze Wochenende über im Einsatz sein, und dabei auch in stetigem engen Kontakt mit der Bauleitung und dem Regierungspräsidium stehen.

Am Samstagnachmittag ist dann hoffentlich das Meiste geschafft – und der harte Kern der neuen östlichen Gumpenbachbrücke gegossen. Übrigens: „Wir verwenden hier das Betonrezept C35/45“, berichtet Kunze. Das biete ein hohe Festigkeit. Die neue Gumpenbachbrücke, sie soll ja lange halten.

Artikel bewerten
7
loading
 
 

Sonderthemen